Schwarze Gedanken und unzählige unvergessliche Figuren

André Franquin prägte die Serie „Spirou und Fantasio“, war der geistige Vater von „Gaston Lagaffe“oder dem „Marsupilami“ - und hatte doch sein Leben lang mit Depressionen zu kämpfen. Ein Meister des Gags, der seine „Idées Noires“ zu nutzen lernte.

Spirouerfinder Jijé war sein Mentor, Will (Tif et Tondu), Morris (Lucky Luke), Peyo (Die Schlümpfe) oder René Goscinny (Asterix) zählten zu seinen Freunden. André Franquin wurde nach Lehr- und Wanderjahren (Amerika!) einer der wichtigsten Vertreter der frankobelgischen Comics, insbesondere der Schule von Marcinelle.

Durch unermüdliches, anstrengendes Arbeiten in manufakturähnlichen Verhältnissen (zum Beispiel bei Jijé zuhause) prägte er mit seinen Kumpanen das andere wichtige Comicmagazin neben "Tintin" (wo er allerdings auch mal gleichzeitig aufschlug): „Spirou“ war seine erste Liebe – immer im (Schlag-)Abtausch mit dem legendären Verleger Charles Dupuis. Von der klassischen jugendtauglichen Abenteuergeschichte (mit vielen Details auch für die Erwachsenen) bis hin zum Mad-ähnlichen bösen Cartoon hatte er alles drauf, wurde für viele Zeichner insbesondere beim Zeichnen von Action ein Vorbild. Später auch bei anderen Magazinen wie "Fluide Glacial" und natürlich in unzähligen Alben.

Viele Anspielungen auf andere Comics

Seine krankheitsbedingten Ausfälle taten der Popularität seiner Helden keinen Abbruch, die Arbeit mit den „bandes dessinées“ wurde sowieso oft im Team realisiert. Noch heute wird „Spirou“ weitergeführt (im Juni 2018 zum ersten Mal von einem deutschen Zeichner); auch die Geschichten vom Marsupilami laufen weiter (das nach einem kurzen Exil bei Disney wieder nach Rummelshausen/Champignac und zu den Erben von Franquin zurückgekehrt ist). Die Gesamtausgabe von „Gaston Lagaffe“ (wie „Spirou“ oder die "Schwarzen Gedanken" in Deutschland bei Carlsen zu haben) findet Liebhaber im Original und in jeder Übersetzung.

André Franquin war insbesondere ein großer Anhänger von Sonderaktionen, Spezialgeschichten, witzigen Ablegern und Anspielungen auf andere Comics. Eigentlich ein Musterbeispiel all dessen, wozu die „bande dessinée“ seit den 50er Jahren in Frankreich und Belgien genutzt werden konnte. Dazu war er streng antimilitaristisch, seit Ende der 70er auch ökologisch und auf allen Ebenen anarchisch eingestellt gegenüber Dümmlichkeit, Staatsmacht und zu viel Ernst. Was ihm dennoch die höchste belgische Auszeichnung, den Leopold-Orden und unzählige Comicpreise einbrachte. Sogar ein Asteroide wurde nach ihm benannt. 1997 ließ sein Herz ihn im Stich.

In Frankreich läuft derzeit die aktuelle Filmadaptation von "Gaston Lagaffe" - die laut Kritik missraten sein soll - weiterhin mit Erfolg, auch in den Kinos der Grenzregion.

Was man sonst noch über BD erfahren kann

Sie suchen nach bestimmten Comics - oder wollen einfach nur stöbern? Die bisherigen Artikel unserer Seite zu frankophonen Comics in Deutschland finden Sie hier.

Die wichtigsten Comicmessen und -veranstaltungen in der Großregion: Comicsymposion (SB, KuBa, 27.4.), Villers BD (bei Nancy, 12./13.5.), Imaginales (Epinal, 24.-27.5.), Strasbulles (Strasbourg, Juni), BD et Illustration (Haut-Koenigsbourg, 7.-15.7.), Festival International de la Bande dessinée (Contern/Luxemburg, 21./22.Juli, zum 25. Mal).

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