Nachbericht Anatevka

"Anatevka – der Fiedler auf dem Dach" feiert Premiere im Saarländischen Staatstheater

Reporterin: Julia Marlene Becker-Maleska   03.12.2023 | 12:31 Uhr

Fast 60 Jahre nach seiner Uraufführung im Imperial Theater New York hat das Musical "Anatevka – Der Fiedler auf dem Dach" nun auch am Saarländischen Staatstheater Premiere gefeiert. In dem Stück geht es um ein kleines Dorf, in dem eine Gemeinschaft polnischer Juden lebt.

Das Musical "Anatevka – Der Fiedler auf dem Dach" wurde vor beinahe 60 Jahren im Imperial Theater New York uraufgeführt. Zeitlos erzählt es die Geschichte einer Gemeinschaft polnischer Juden, die in dem Dorf Anatevka lebt und überlebt. Eine Geschichte von Zusammenhalt, die in der Adventszeit wohl ein wenig Wärme bringen kann, gleichzeitig jedoch an die Wirklichkeit in Israel, Palästina und der Ukraine erinnert.

Immer aktuell

Das Musical erzähle neben der Geschichte der Religion und der Tradition die Geschichte einer Bevölkerung, die in Bedrängnis gerät, sagt Intendant Bodo Busse. Diese Geschichte sei so überzeitlich, dass man das Stück immer aufführen könne. Auch wenn die Aktualität eine tragische Situation sei. Im Großen und Ganzen handele es sich um ein Plädoyer für Humanität, Freiheit und gegen Antisemitismus.

Tiefe Gefühlswelten

Für die tadellose Inszenierung konnte das Staatstheater hochkarätige Gäste aus der Musical-Szene gewinnen. Die Rolle des Tevje – eines Milchmannes, der seine Töchter verheiraten möchte und dafür manchmal mit seinen heiligen Traditionen brechen muss – scheint Darsteller Enrico De Pieri auf den Leib geschrieben zu sein. Er geht durch viele Gefühlswelten, ist mal streng, mal geduldig, weich, witzig und der absolute Mittelpunkt der Show.

Regisseur Gil Mehmert, der unter anderem für die Musical-Version von Söhnke Wortmanns „Wunder von Bern“ verantwortlich ist und Klassiker wie "Evita", "Hair" und "West Side Story" inszeniert hat, hat „Anatevka“ am Staatstheater ganz schnörkellos und trotzdem imponierend umgesetzt. Eine spektakuläre Traumszene und eine beeindruckende Zeitlupen-Sequenz sind nur zwei Szenen, die Kostüme und Bühne besonders wirken lassen.

Musik und Tanz

Die folkloristischen Tänze sind atemberaubend, authentisch. Das Team um Choreograph Bart de Clercq hat hier ganze Arbeit geleistet. Feste Größen aus dem Ensemble wie Stefan Röttig als Lazar Wolf, Eva Kammigan als Heiratsvermittlerin und Christiane Motter als Tevjes Frau Golde spielten gewohnt routiniert, Chor und Orchester haben mit ihrer Kraft die ganze Show getragen.

Besonders glänzen konnte Bettina Maria Bauer vor allem im zweiten Akt als Hodel. Herzerwärmend und stimmlich stark war Max Dollinger als Mottel, der Schneider. Am Ende, wenn die Gemeinde aus Anatevka vertrieben wird, wurde einem etwas schwer ums Herz und im Theater war es kurz still, bevor ein nicht enden wollender Premieren-Applaus einsetzte.

Ein Thema aus der Sendung "Region am Sonntag" am 03.12.2023 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja