Eine Frau sitzt mit Laptop und Aktenordner auf dem Wohnzimmersofa (Foto: dpa/Daniel Naupold)

Online-Dating-Portale: Liebeslust statt Vertragsfrust

Yvonne Schleinhege   14.02.2018 | 10:50 Uhr

Am Valentinstag, dem Tag der Liebenden. Zahlreichen Singles wird die Sehnsucht nach einem Partner an diesem Tag wahrscheinlich mal wieder richtig bewusst. Aber allein sein muss ja nicht sein: Einen Partner finden - das geht heute ja auch mittlerweile übers Netz. Die wichtigsten Tipps der Verbraucherzentralen damit aus Liebeslust kein Vertagsfrust wird.

Partnervermittlung, Singlebörse, Erotikportal: Das Angebot ist riesig. Zuerst sollte man sich überlegen, was man sucht: den einen Partner fürs Leben, Singles zur gemeinsamen Freizeitgestaltung oder eher ein schnelles Abenteuer. Partnervermittlungen unterbreiten konkrete Partnervorschläge, die anhand persönlicher Angaben und Suchkriterien nach Übereinstimmung ausgewählt werden. Bei Singlebörsen suchen Verbraucher auf dem Portal selbst aktiv nach Personen, die sie kennenlernen möchten. Erotikportale richten sich an Nutzer, die Interesse an erotischen Kontakten haben. 

Vertragspartner kennen

Wer online auf Partnersuche geht, sollte vor der Anmeldung unbedingt einen Blick in das Impressum der Internetseite werfen. Sitzt der Anbieter im Ausland, sei es häufig mühsamer, Rückzahlungsansprüche durchzusetzen, so der Rat der Verbraucherzentralen. Dies gelte insbesondere, wenn ein Unternehmen seinen Sitz außerhalb der EU, etwa in der Schweiz oder in der Türkei habe.

Leistungen überprüfen

Grundsätzlich sollte man darauf achten, welche Leistungen der Anbieter verspricht. Unterbreitet die Online-Partnervermittlung zum Beispiel passende Partnervorschläge oder hat man nur einen Zugang zu einem Portal, auf dem man selbst nach einem Partner sucht? Ratsam ist deshalb ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Online-Partnervermittlers. Dort erfährt man beispielsweise auch, ob der Anbieter mit sogenannten Moderatoren oder Controllern arbeitet. Das bedeutet, dass man nicht mit echten Partnersuchenden kommuniziert, sondern nur mit Mitarbeitern des Anbieters, die für ein Treffen selbstverständlich nicht zur Verfügung stehen.

Viele Probleme bei kostenloser Mitgliedschaft und Testangeboten

Es gibt Partnervermittlungsportale, die ihre Leistung gänzlich kostenfrei oder für bestimmte Personengruppen (z.B. Frauen bis 45 Jahre) kostenfrei anbieten. Davon zu unterscheiden sind die Partnervermittlungen, die eine kostenfreie und eine kostenpflichtige (Premium)-Mitgliedschaft im Angebot haben. Die Registrierung zur kostenfreien Mitgliedschaft ermöglicht in diesem Fall noch keinen Austausch mit anderen Partnersuchenden und ist für Verbraucher daher letztlich unnütz. Profiteur ist der Betreiber des Portals, denn schon im Rahmen der Registrierung muss man persönliche Angaben machen.

Die Verbraucherzentralen warnen vor Testangeboten wie „1 Euro für 14 Tage“. Solche Verträge verlängerten sich oft nach Ablauf der Testphase in richtig teure und langfristige Mitgliedschaften, sagt Yvonne Schmieder von der Verbraucherzentrale Saarland. Und da man bereits mit den persönlichen Daten registriert ist, wird der Folgebetrag oft einfach von Konto abgebucht.

Vertrag rechtzeitig kündigen

Entscheidend ist es daher, die Verträge rechtzeitig zu prüfen. Hier ist der Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sinnvoll, ob eine automatische Vertragsverlängerung vorgesehen ist. Sollte dies der Fall sein, muss man rechtzeitig per Einwurf-Einschreiben zu kündigen. Die Kündigung muss übrigens bis zum Kündigungstermin beim Anbieter eingegangen, nicht abgeschickt, sein. Deshalb sollte man am besten zeitnah nach Vertragsschluss kündigen. Dann versäumt man die Frist nicht.

Kündigungsfristen kennen

Singlebörsen und Erotikportalen kam man bis zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit kündigen. Partnervermittlungen, also Angebote, bei denen der Anbieter Partnervorschläge unterbereitet, sind jederzeit fristlos kündbar. Bei letzteren muss man dann nur die bis zum Zeitpunkt der Kündigung erbrachten Leistungen bezahlen. Stellt der Anbieter für die erbrachten Leistungen horrende, unangemessene Beträge in Rechnung, sollte man diese nicht vorschnell bezahlen, sondern sich zuerst beraten lassen - zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen.

Laufzeit richtig wählen

Je länger die Laufzeit eines Vertrags, desto günstiger der monatliche Beitrag. Gefällt das Angebot allerdings nach kurzer Zeit nicht mehr, sind Verbraucher bei Single-Portalen an die Laufzeit gebunden und bei Partnervermittlungen muss man sich voraussichtlich über das Recht zur außerordentlichen Kündigung streiten. Wer eine kurze Laufzeit wählt, kann ohne großes finanzielles Risiko sehen, ob ein Angebot den Vorstellungen entspricht.

Nicht sofort für den gesamten Zeitraum bezahlen

Einige Anbieter verlangen eine Bezahlung vorab für die gesamte Laufzeit oder eine hohe Anzahlung. Eine monatliche Zahlweise ist selbst bei etwas höheren Kosten besser, denn Verbraucher müssen ihrem Geld im Streitfall nicht hinterherlaufen.

Frist für Widerruf beachten

Wurde ein Vertrag online oder in der Wohnung des Verbrauchers geschlossen, kann er innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss widerrufen werden. Fordert der Anbieter im Falle des Widerrufs einen (hohen) Wertersatz, sollten Verbraucher diesen nicht voreilig zahlen, sondern sich rechtlich beraten lassen.

Daten löschen lassen

Das wichtigste für solche Anbieter sind oft die Daten. Kündigt man bei einer Plattform, sollten die persönlichen Daten nach Vertragsende ordnungsgemäß vom Anbieter gelöscht werden. Dazu sollte man den Anbieter explizit auffordern und sich die Löschung der Daten schriftlich bestätigen lassen. Andernfalls besteht das Risiko, dass das eigene Profil weiter auf den Seiten des Anbieters zu finden ist.

Kleingedrucktes zum Datenschutz genau lesen

Das Kleingedruckte zu lesen, lohnt sich auch beim Thema Datenschutz. Manche Anbieter behalten sich vor, Profile mit Ihren Daten auch auf weiteren eigenen oder fremden Portalen zu verwenden. So wäre es möglich, dass das von Ihnen auf einer Singlebörse angelegte Profil auch auf einer Erotikplattform zu finden ist, bei der Sie sich nie angemeldet haben. Will sich ein Anbieter dieses Recht einräumen lassen, raten wir: Finger weg!

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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