SR 2 - JazzNow: "You Must Believe in Michel Legrand"

You Must Believe in Michel Legrand

JazzNow

Mit Thomas Kreutzer  

Sendung: Sonntag 26.02.2017 20.04 bis 22.30 Uhr

Michel Legrand (Foto: dpa)
Michel Legrand

Am letzten Freitag wurde Michel Legrand 85 Jahre alt. Als Pianist spielte er mit Django Reinhardt, John Coltrane, Ron Carter, Miles Davis und vielen anderen. Trotz dieser beeindruckenden Namensliste sieht sich Michel Legrand erst in zweiter Linie als Pianisten. In erster Linie ist er Arrangeur und Komponist, vor allem Filmkomponist. Viele seiner Songs wurden zu Jazz-Standards, obwohl sie ursprünglich als Filmmusik komponiert wurden: "The Summer Knows", "The Windmills of Your Mind", "You Must Believe in Spring".

Seine Karriere begann in den fünfziger Jahren in Paris – damals wie heute ein Zentrum des Jazz. Musiker wie Kenny Clarke, Bud Powell und viele mehr haben zeitweise oder dauerhaft ihre Heimat an der Seine gefunden. Auch Miles Davis war damals hier, hat sich unglücklich in Juliette Gréco verliebt. In dieser Zeit begann die weltweite Karriere von Michel Legrand, die bis heute andauert. Zu seinem 85. Geburtstag macht er eine Tournée mit 85 Konzerten quer über den Globus. JazzNow würdigt ihn mit Aufnahmen von Jessye Norman, Nicole Metzger, Claude Nougaro, Arturo Sandoval, Take 6 und Fred Hersch.

 (Foto: dpa)

Tony Williams hat das Schlagzeug neu gedacht. Er verwendete fast keine wiederkehrenden rhythmischen Muster, auf dem Becken setzt er in jedem Takt andere Akzente. "Es zog mir regelrecht die Schuhe aus, so irre war er", staunte Miles Davis. "Tony brachte jeden zum Rasen. Er legte einfach ein Riesenfeuer unter die Band. Tony war der Kern, um den die Band ihren Sound legte. Und das alles von einem 17-Jährigen, dessen Namen Anfang des Jahres noch niemand gekannt hat." Vor 20 Jahren ist Tony Williams gestorben, JazzNow erinnert an ihn.

Immigration Booth (Foto: Pressefoto)
Immigration Booth

"Immigration Booth" ist ein Quartett ohne Harmonieinstrument, ohne Klavier, Gitarre oder Vibraphon. Dies hat seine eigenen Bedingungen, der Hörer wird nicht so sehr festgelegt. Während eines Bassklarinetten-Solos etwa gibt es nur zwei melodische Linien, Bass und Bassklarinette, keine Akkorde. Der Hörer assoziiert sich seine Akkorde dazu, die Musik spielt sich hier sehr viel mehr im Kopf ab als mit Harmonieinstrument. JazzNow stellt das Debut-Album "Hinterm Spiegel" von "Immigration Booth" vor.

Außerdem im Programm einige groovende Aspekte der fünften Jahreszeit, die ja gerade in vollem Gange ist. Zum Beispiel die erstaunliche Tatsache, dass in der brasilianischen Musik so viele bedenkliche Töne über den Karneval anklingen, obwohl die Brasilianer dem Karneval so sehr verfallen sind. "Tristeza não tem fim, felicidade sim" – "Traurigkeit hat kein Ende, das Glück schon".

Daniel Karlsson Trio (Foto: Pressefoto)
Daniel Karlsson Trio

Jazz aus Schweden mit dem Daniel Karlsson Trio – es lässt sich beeinflussen durch jazzfremde Musikgenres, assimiliert sie und nutzt sie als neue Impulse. Im Falle des Daniel Karlsson Trios sind dies Einflüsse des Trip Hop – eine recht langsame Popmusik mit atmosphärischen Klangflächen – und Einflüsse der Minimal Music, der repetitiven Musik. Das gerade erschienene Album "Ding Dong" klingt manchmal nach Science Fiction und ein andermal nach Unterwasserwelt. Durch ihren offensichtlichen Ideenreichtum haben die Drei vielleicht eine Chance zu bestehen, trotz der erdrückenden Konkurrenz von zahllosen Klaviertrios.

Larry Coryell (Foto: dpa)
Larry Coryell

Vergangenen Sonntag ist der Gitarrist Larry Coryell in New York City gestorben – er wurde 73 Jahre alt. In seiner frühen Zeit wurde er beeinflusst nicht nur von Jazzerkollegen, sondern auch die Beatles, die Byrds oder Pink Floyd haben sein musikalisches Denken geprägt. Larry Coryell gilt als einer der Pioniere des Fusion Jazz, der Vermengung von Rock-Grooves, Jazz-Improvisationen, Funk, östlicher Musik und  Klassik. Wobei er schwer festzulegen ist, er hat seinen Stil sehr oft gewechselt. Mal spielte er ganz traditionell in der Art von Wemontgomery, und andererseits lag er auf der Linie Carlos Santana oder Eric Clapton.

Peter Fessler (Foto: Hans Joachim Maquet)
Peter Fessler

Jazz live with friends:
Im Dezember war der Sänger Peter Fessler hier bei uns mit Songs von George Gershwin und Cole Porter. Diesmal war er nicht alleine, diesmal waren seine Partner der Saxofonist Peter Weniger und sein Quartett. Er ist Professor am Jazz-Institut Berlin, hat aber auch nebenbei viele musikalische Projekte, mit denen er durch die Lande zieht. In Saarbrücken war Peter Weniger zusammen mit dem Pianisten Martin Sasse, dem Bassisten Martin Gjakonovski und dem Schlagzeuger Thomas Cremer. JazzNow sendet den ersten Teil des Konzerts vom 10. Dezember 2016 im Großen Sendesaal des Saarländischen Rundfunks.



JazzNow

Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio.

Sie können die komplette Sendung auch bis zum darauffolgenden Sonntagabend online hören - wir stellen den Mitschnitt spätestens im Laufe des ersten Werktags nach der Sendung in die SR-Mediathek.

JazzNow gehört dem aktuellen Jazz. Hier werden Musiker und Musikerinnen in Specials gewürdigt und die regionale Jazzszene abgebildet. Auch die Aufnahmen der Veranstaltungsreihe "Jazz live with friends" kann man hier wiederfinden, und meistens gibt es auch einen CD-Tipp.

Redaktion: Johannes Kloth

Moderation: Thomas Kreutzer, Manuel Krass, Johannes Kloth

Artikel mit anderen teilen