JazzNow: Der Mann in der zweiten Reihe

Der Mann in der zweiten Reihe

JazzNow

Mit Thomas Kreutzer  

Sendung: Sonntag 28.05.2017 20.04 bis 22.30 Uhr

Man hat Duke Ellington und Billy Strayhorn siamesische Zwillingegenannt. Strayhorn war Komponist und Arrangeur für den Big-Band-Leiter Duke  Ellington, war sein Berater, sein Pianist und sein Co-Leiter, wenn er selbst einmal nicht konnte. Ellington und Strayhorn waren enge Freund und haben fast drei Jahrzehnte bis zum Tod von Strayhorn Hand in Hand zusammengearbeitet. Sie waren Freunde, obwohl sie nicht unterschiedlicher hätten sein können: Ellington hat es geliebt, sich auf der Bühne der Öffentlichkeit zu präsentieren, Strayhorn war eher zurückhaltend und schüchtern, Ellington war ein Charmeur, ein Herzensbrecher, wenn es um Frauen ging, Strayhorn war homosexuell – übrigens einer der frühen bekennenden Homosexuellen im Jazz, er hat es zwar nicht an die große Glocke gehängt, aber er hat es auch nicht zu verbergen versucht. Rund 1500 Kompositionen hat Billy Strayhorn geschaffen, darunter solch unsterbliche Standards wie „Chelsea Bridge“, „Lotus Blossom“ und „Take the A-train“. Viele von ihnen wurden bis heute noch nie aufgeführt. Vor 50 Jahren ist Billy Strayhorn gestorben, JazzNow würdigt ihn mit Kompositionen von ihm in Aufnahmen des Duke Ellington Orchestra, von Johnny Hartman und dem John Coltrane Quartett, von Joe Henderson und von Martial Solal und seiner Dodeca-Band.

Matthias Schwengler (Foto: Matthias Schwengler)
Matthias Schwengler

Matthias Schwengler (Trompete), Reza Askari (Bass) und Philipp Brämswig (Gitarre) spielen in einer Triobesetzung, die nicht für jeden passt. Ein Feuerwerker wie Lew Soloff oder Dizzy Gillespie wären hier falsch, für sie wäre die Begleitung zu kammermusikalisch: die Pyrotechnik würde dem zarten musikalischen Geleitzug den Garaus machen. Aber die Mitglieder des Matthias Schwengler Trios harmonieren, sie haben in kleinem Rahmen zu einer Klarheit, Verständlichkeit und Ungeschminktheit der musikalischen Aussage gefunden, die man nicht jeden Tag erlebt.

 Die Band „Rafael Jerjen Concept“ ist ein Klaviertrio, besser gesagt ein Basstrio. Der Bandleader, oder zumindest der, der mit seinem Namen zeichnet, ist der Bassist Rafael Jerjen. Der 28jährige ist geborener Schweizer, hat aber ab seinem sechsten Lebensjahr in Australien gelebt. Vor zwei Jahren kam er zurück nach Europa, nach Luzern, hier hat er auch den Pianisten Michael Arbenz und den Schlagzeuger Samuel Büttiker kennen gelernt. Das Trio bewegt sich rhythmisch sehr frei, man fühlt sich an Bill Evans und seine Trios erinnert.

Slowfox (Foto: Matthias Kaiser)
Slowfox

 Auch „Slowfox“ ist ein Trio, bei dem der Bassist das Sagen hat. Er heißt Sebastian Gramss, mit dabei sind der Saxophonist Hayden Chisholm und der Pianist Philip Zoubek. Von allen unkonventionellen Projekten, die Sebastian Gramss initiiert hat, ist „Slowfox“ das melodischste. Es spielt Avantgarde, in der man auch vertraute musikalische Elemente findet.

Der Altsaxophonist Paul Desmond – er ist vor 40 Jahren gestorben – war einer der wenigen Altisten, die nicht von Charlie Parker beeinflusst waren. Seine Improvisationen sind geprägt von gedanklicher Substanz und weniger von dem überbordenden, jagenden und gejagten Ausdruckswillen Parkers. Desmond gilt als ein Vertreter des Cool Jazz, des West Coast Jazz. Auffällig ist sein fließender, kontrollierter, wunderschöner Saxophonton, den viele zu imitieren versucht haben. Manche sagen, Desmond konnte jemanden mit einer einzigen Note zum Weinen bringen.

Chick Corea (Foto: dpa)
Chick Corea

 Vor sechs Jahren hat der Pianist Chick Corea seinen 70. Geburtstag gefeiert. Seine Party zu diesem Anlass sah so aus, dass er über drei Monate im New Yorker Club „Blue Note“ 46 ausverkaufte Konzerte gegeben hat. Mit insgesamt 10 Bands und 27 Musikern, mit denen er in seiner langen Karriere gemeinsame Erfolge gefeiert hat: Stanley Clarke, Herbie Hancock, Bobby McFerrin, John McLaughlin, Gary Burton, die Mitglieder seiner Band „Return to Forever“. Einige Stücke dieser 46 Konzerte sind jetzt in einem luxuriösen 3-CD-Set unter dem Titel „Chick Corea – The Musician“ erschienen.

Das Berliner Quartett "Free For Friends" (Foto: Künstler)
Das Berliner Quartett "Free For Friends"

 „For Free Hands“ – so heißt ein deutsch-bulgarisch-griechisches Ensemble aus Berlin. Das Quartett vereint Jazz mit Funk und traditioneller Musik des Balkans. Am 19. März dieses Jahres haben die Vier im Rahmen von „Jazz live with friends“ in Sankt Wendel im Kurhaus Harschberg gespielt. JazzNow sendet einen großen Teil dieses Konzerts.


JazzNow

Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr auf SR 2 KulturRadio.

Sie können die komplette Sendung auch bis zum darauffolgenden Sonntagabend online hören - wir stellen den Mitschnitt spätestens im Laufe des ersten Werktags nach der Sendung in die SR-Mediathek.

JazzNow gehört dem aktuellen Jazz. Hier werden Musiker und Musikerinnen in Specials gewürdigt und die regionale Jazzszene abgebildet. Auch die Aufnahmen der Veranstaltungsreihe "Jazz live with friends" kann man hier wiederfinden, und meistens gibt es auch einen CD-Tipp.

Redaktion: Johannes Kloth

Moderation: Thomas Kreutzer, Manuel Krass, Johannes Kloth

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