Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

„Lalala"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 24.03.2017 15:20 Uhr

und Samstag, 25. März 2017 in "Der Morgen"

 Nr. 616

"Lalala"
Mediathek: Brunners Welt
"Lalala"
[SR 2, Peter Tiefenbrunner, 24.03.2017, Länge: 03:49 Min.]

Nicht dass Sie denken, ich sei kein Freund des Gesanges. Auch ich begleite durchaus tägliche Verrichtungen mit einem gelegentlichen Lied. Wenn sich auch lauthalses Singen unter der Dusche nach meinen Erfahrungen nicht bewährt hat. Das Ingwer-Limette-Duschgel riecht zwar nach den angegebenen Ingredienzien, schmeckt aber deutlich weniger erfrischend. Auch von Gesangseinlagen beim Rasieren nehme ich nach diversen Schnittwunden inzwischen Abstand. Aber beim Staubsaugen, Kochen oder Fensterputzen trällere ich gerne vor mich hin.

Mit Musik geht wenn schon nicht alles, dann doch vieles eben leichter. Schon 2015 hat eine Studie nachgewiesen, dass Menschen, die beim Autofahren ungebremst singen, länger leben. Beim Mitgrölen selbst einfachster Melodien wird nämlich das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet und das angstmindernde Oxytocin, das auch gegen Depression und Einsamkeit wirkt. Zumindest solange die verzweifelte Beifahrerin nicht versucht, dem sangesfreudigen Fahrzeuglenker den Mund zuzuhalten.

Gemeinsames Singen allerdings fördert den Zusammenhalt und das Wir-Gefühl enorm. Kein Wunder also, dass vom Militär – ein Lied, zwei, drei, vier – bis zu den Kirchen die verbindende Kraft des Gruppengesanges zu schätzen und zu nutzen gewusst wird. Die evangelische Landeskirche Bayern hat gerade ein Lied zum anstehenden Luther-Jahr in Auftrag gegeben. Beim „Verband für christliche Popularmusik in Bayern“. So klingts auch. Zu nicht mehr ganz taufrischen Harmonien irgendwo zwischen Maffays „Sieben Brücken“ und einer alten BAP-Hymne soll die evangelische Jugend nun den Luther-Hit „Allein aus Gnade“ mitschmettern. „Allein aus Gnade – gehört uns sein Herz, allein durch den Glauben - zieht er uns himmelwärts.“ Das rockt.

Und wäre ohne große Veränderungen durchaus auch als Hymne für den SPD-Messias Schulz einzusetzen. Aber das hat der selbstverständlich gar nicht nötig. Dem Sozenretter klingt schon ein eigenes Lied, das sich gerade mit virenmäßiger Geschwindigkeit im Internet verbreitet. Eine Band mit dem hirnzersetzenden Namen „Schulzenbrothers“ röhrt dort schon seit einem Monat das Lied vom „Schulzzug“. Zur Melodie vom guten alten Steigerlied heißt es da: „Glück auf, glück auf, der Schulzzug rollt.“ So weit so meinetwegen.

Aber dann geht es weiter: „Und er hat keine Bremsen und er fährt mit voller Kraft ins Kanzlera-a-amt.“  Nachdem er sich die dazu erforderliche Schienenstrecke offenbar auch noch selbst gebaut hat, denn „Lasst uns Brücken bau'n, ja und dann geht es los!“ Das ist was? „Das ist megagei-ei-eil, das ist megageil.“ Der Himmel helfe uns, wenn der Schulz ungebremst im Spreebogen einschlägt.

Nein - keine Angst! Ist doch der Hoffnungsbartträger der SPD selbst vom Himmel gesandt: „Gottkanzler Schulz! Und er rettet die deutsche Sozialdemokratie – mit hoher Energie!“ So betrachtet ist der Luther-Rock eigentlich gar nicht so schlecht.

Meine Nachbarin Barscheck findet allerdings, dass es den Schulzenbrothers immerhin gelungen sei, das inhaltliche Konzept von Martin Schulz in wenigen Zeilen zusammengefasst zu haben. Ehre wem Ehre gebührt.

Wir lassen uns das Singen nicht vergällen. Vielleicht ziehen Sie ja schon am Sonntag mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen zur Urne? Egal, ob nun „Schwarz und Rot sind alle meine Kleider“ oder lieber neutral „Wir wandern ohne Sorgen zum Wählen in den Morgen“. Mit Musik geht alles wie von selbst.



Brunners Welt

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Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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