Gerd Dudenhöfer als Heinz Becker (Foto: keine Informationen)

„Heinz, kumm hemm!“

  21.05.2017 | 10:40 Uhr

November 2014, Stuttgart, Theaterhaus. Ich komme hinter die Bühne und da steht er: Gerd Dudenhöffer. Zum allerersten Mal überhaupt begegnen wir uns persönlich. Und müssen beide ein wenig darüber schmunzeln, dass dieses erste Zusammentreffen zweier Saarländer, die sich gegenseitig nur aus dem Fernsehen kennen, auf fremdem Boden - in Baden-Württemberg - stattfinden muss...

November 2014, Stuttgart, Theaterhaus. Ich komme hinter die Bühne und da steht er: Gerd Dudenhöffer. Zum allerersten Mal überhaupt begegnen wir uns persönlich. Und müssen beide ein wenig darüber schmunzeln, dass dieses erste Zusammentreffen zweier Saarländer, die sich gegenseitig nur aus dem Fernsehen kennen, auf fremdem Boden - in Baden-Württemberg - stattfinden muss.

Der Grund dafür ist klar: Der SR will das aktuelle Heinz-Becker-Programm fürs Deutsche Fernsehen aufzeichnen, und in diesem Rahmen auch eine Doku über das bisherige Lebenswerk Dudenhöffers produzieren, die ich moderieren soll. Da Gerd Dudenhöffer aber seit einigen Jahren nicht mehr im Saarland auftritt, der Prophet also quasi nicht mehr zum Berg kommt, bleibt dem Halberg nur, für diese Aufzeichnung zum Propheten zu fahren.

Und so schütteln wir uns also in Stuttgart im Theaterhaus die Hand, und beschnuppern uns ein wenig. Ich glaube sagen zu dürfen, dass wir uns beide nicht ganz unsympathisch waren. Ich war mit einigen Vorbehalten hingefahren. War darauf gewappnet, einem - wie man ab und an hörte - nicht ganz einfachen Künstler zu begegnen. Schließlich war er es, der mit dem Saarland knatschig sei.

Dudenhöffer gelang es, mich binnen Minuten vom Gegenteil zu überzeugen. Ich erlebte einen überaus professionellen, freundlichen und sehr gesprächigen Gerd Dudenhöffer. Von Reserviertheit keine Spur. Wir hatten schnell eine Gesprächsebene gefunden, die von gegenseitigem Respekt geprägt war. Ich lernte einen Mann kennen, der ganz und gar keine bösen Gedanken dem Saarland gegenüber hegte. Ganz im Gegenteil - das war ein sehr heimatverbundener Künstler, der noch immer gerne im Saarland lebt, aber irgendwann für sich entschieden hatte, den Heinz lieber nicht mehr dehemm zu spielen. Aus irgendwelchen Gründen, von denen ich bisher auch immer nur Gerüchte gehört hatte, die mir aber inzwischen ziemlich egal sind. Man muss es auch mal gut sein lassen.

Jedenfalls dachte mir schon damals nach diesem Interview: Das kann es doch eigentlich noch nicht gewesen sein - das Ende dieser Beziehung eines Landes zu seinem größten Kabarettisten. Umso größer war meine Freude, als letzte Woche ziemlich unvermittelt nach einem SR 3-Bericht über das 40-jährige Bühnenjubiläum Dudenhöffers urplötzlich eine wahre Welle an Glückwünschen und Grußbotschaften über uns hinwegschwappte. Hunderte unserer Hörer wünschten sich, den Becker Heinz endlich wieder im Saarland erleben zu können, und nicht dafür bis nach Berlin, Hamburg, oder über die Grenze in die Pfalz fahren zu müssen.

Die Rückrufaktion des Jahres
Online-Petition: Heinz, kumm hemm!
In diesem Jahr feiert Gerd Dudenhöffer sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und seit über 30 Jahren steht er dabei als Heinz Becker auf der Bühne. In seiner saarländischen Heimat tritt der vielfach ausgezeichnete Kabarettist jedoch seit Jahren nicht mehr auf. Wir sagen: Das kann nicht sein! Was immer einst zu der Entscheidung Dudenhöffers geführt hat - wir fragen "Simma widda gudd?!" und fordern unseren Nationalhelden auf: "Heinz, kumm hemm!" Auf Wunsch vieler Hörerinnen und Hörer startet SR 3 die Rückrufaktion des Jahres.

Das nehmen wir jetzt einfach mal zum Anlass für die Rückrufaktion des Jahres. Wir fragen: „Simma widda gudd?!“und starten auf SR3.de eine Online-Petition zur Heimkehr des verlorenen Sohnes. Ich rufe Sie alle herzlich dazu auf, jetzt gleich an den Rechner zu gehen, und sich zu beteiligen. Zusammen schaffen wir es vielleicht. Erzählen Sie Ihren Bekannten davon. Zeigen Sie, wozu wir gemeinsam im Stande sind.

Und lassen Sie mich, lieber Gerd Dudenhöffer, einer der ersten sein, der sich darin einträgt mit den ernst gemeinten Worten: „Heinz, kumm hemm!“

Auf dass wir das nächste Mal hinter einer saarländischen Bühne zusammen ein Bier trinken können.

Michael Friemel


Die Friemeleien im Podcast


Michael Friemels "Friemeleien"
Mit dem SR 3-Podcast können Sie zeitversetzt Michael Friemels ganz spezielle Gedanken über Gott und die Welt am Computer oder auf dem MP3-Player anhören. Alle Friemeleien zum Anhören an Rechner finden Sie hier.

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Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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