Kraniche (Foto: dpa)

"Kraniche“

  19.02.2018 | 10:45 Uhr

Wenn man sie hört, weiß man: Der Frühling kommt! Ich meine das liebliche Trompeten der Kraniche, die jetzt wieder über uns hinweg ziehen. Sie gehören zu den wenigen Gewinnern des Klimawandels...

Seit die Winter in Europa immer wärmer werden, müssen die Kraniche nicht mehr Jahr für Jahr bis nach Afrika fliegen. Sie überwintern in Spanien oder Frankreich, was die Laufleistung eines handelsüblichen Kranichs deutlich hochschraubt. Sie werden älter, als noch vor fünfzig Jahren.

Aber, wenn sie dann nach im Schnitt 20 Jahren das Zeitliche segnen, dann legen sie ein beachtliches Sozialverhalten an den Tag. Davon konnte ich mich letzte Woche selbst überzeugen. Vom vertrauten Tröten auf eine über mich wegziehende Kranichgruppe aufmerksam gemacht, guckte ich nach oben, und sah ein ungewohntes Bild. Die Vögel hatten ihre berühmte V-Formation aufgegeben, und flogen leicht nervös in einem Kreis durcheinander. Erst als ich den Blick etwas weiter nach hinten richtete, stellte ich fest: Sie warteten auf zwei Tiere, die nicht mehr hinterher kamen. Das Geschrei war groß, und plötzlich landeten die beiden Nachzügler außerhalb meines Sichtfeldes hinter ein paar Bäumen. Kurze Zeit später stieg einer von beiden alleine wieder auf und schloss sich der Gruppe an, um den Flug gen´ Norden in V-Formation fortzusetzen.

Wie ich jetzt gestern gelernt habe, muss wohl folgendes passiert sein. Wenn ein Kranich während der Reise krank wird, oder sogar zu sterben droht, wird ein Tier abgestellt, dass ihm beisteht, und an seiner Seite bleibt, auch am Boden, bis es friedlich gestorben ist. So muss das hier wohl auch gewesen sein.

Als ich das hörte, musste ich schmunzeln, denn das erinnerte mich an den wunderbaren Traumschiff-Produzenten Wolfgang Rademann. Denn der hatte mit seiner großen Liebe Ruth-Maria Kubischek eine ganz spezielle Beziehung. Die so gar nicht Kranich-Like war. Als er in Berlin im Sterben lag, schickte er Ruth wenige Tage vor seinem Tod in ihre Wohnung nach Bayern zurück. Wie es heißt mit den Worten: „Es reicht doch, wenn ich sterben muss! Mach Dir mal ein paar schöne Tage“

Abschied á la Rademann.

Michael Friemel


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