Buffet, Rechauds (Foto: pixababy (CC0))

Buffet

  23.05.2016 | 10:45 Uhr

Ich erinnere mich noch gut an das erste kalt-warme Buffet meines Lebens. Es muss Anfang der 80er Jahre gewesen sein. Wir waren auf einem runden Geburtstag eingeladen, und die Gastgeber hatten so richtig zugeschlagen. So was hatte man bis dahin noch nicht gesehen...

Früher ging man bei Familienfeiern entweder ins Restaurant und ließ sich bedienen, oder man feierte zuhause und es kam Braten aus dem Ofen mit Kartoffelsalat auf den Tisch.

Aber mit diese Buffets begann in der Festgesellschaft eine neue Zeitrechnung. Plötzlich sah es im eigenen Wohnzimmer aus wie bei den Reichen und Schönen im Fernsehen: die verchromten Rechauds, in denen die Speisen warm gehalten wurden, der Duft der Brennpasten, mit denen sie betrieben wurden, die Kerzenleuchter, die der Partyservice zur Dekoration noch mitgebracht hatte - das alles verströmte einen Hauch von großer, weiter Welt.

Damals feiert das legendäre Filet Wellington eine unerwartete Renaissance, genauso Lachs im Blätterteig, der dann in Fischform gebacken war. Aus der üblichen Schinkenplatte wurde eine Rostbeaf-Variation und plötzlich lagen aufgeschnittenes Obst und herzhafte Speisen Seite an Seite.

Aber mit dem Buffet zogen auch neue Rituale bei den Einladenden ein. Seither dürfen Gastgeber ihre Begrüßungsrede mit einem feschen "Das Buffet ist eröffnet" krönen. Seither gibt es die beliebte Frage "Au, von wemm hannan das doh?" - und einen damit verbundenen Buffet-Anbieter-Wettstreit unter den Gästen. "Ei unser demleschd war ach vom Dings und das war ach sehr fein".

Gerne stellt man untereinander auch fest, wie praktisch das doch ist, dass man sich um nichts mehr kümmern muss und alle Arbeit aus den Füßen hat. Es wäre aber dennoch falsch zu behaupten: Wer ein Buffet bestellt hat keinen Stress mehr. Das stellt jeder fest, der mal ein Gastgeber-Pärchen beobachtet, kurz bevor das Buffet eintrifft. Da blickt man in angespannte Gesichter, denn die immer gleichen Fragen gehen den beiden durch den Kopf: Isser pünktlich? Wo bleibt da dann? Und: Hoffentlich reicht's!

Michael Friemel


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