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"Piff-Paff-Puff“

Michael Friemel   16.10.2017 | 10:40 Uhr

Die "Haste mal Feuer“-Nummer zieht heute nicht mehr. In Zeiten der E-Zigarette müsste die Frage eher lauten: Kannste mal grade mein Knöpfchen drücken? Beim ersten Anbahnungsversuch ist das aber auch nicht unbedingt ein idealer Einstieg ins Gespräch.

Ja, es hat sich viel verändert in den letzten Jahren. Auf Flughäfen werden Raucher in mal mehr, mal weniger durchsichtigen Glaskästen gehalten, an Krankenhauseingängen bilden sie Trauben im OP-Hemdchen - mit der Zigarette in der Linken und der Infusionsnadel in der rechten Hand.

Aber etwas mehr noch als das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden scheinen inzwischen besagte E-Zigaretten das Bild des Rauchers in der Öffentlichkeit zu verändern.

Der herkömmliche Glimmstängel wurde ja gerne filigran, früher sogar elegant auf der Zigarettenspitze getragen. Für die moderne E-Zigarette etabliert sich hingegen eine ganz neue Ästhetik. Eine neue schicke Haltung in der Hand. Sowas hätte es bei James Dean nicht gegeben. Und Helmut Schmidt würde im Grab trillern, wie ein Spießbraten am Motor mit frischen Batterien drin. Die komplette Faust um den Körper des Gerätchens geschlossen sehen diese Menschen aus, als wären sie ständig mit anderen am Knobeln - oder als hätten sie gerade einen akuten Gichtanfall. Dabei halten sie die Inhalationsöffnung ihres neuen Spielzeugs nicht nach vorn, sondern nach hinten und saugen den Rauch dann ein, wie wir früher an unseren Caprisonne-Tütchen genuckelt haben.

Apropos Rauch! Das Ausatmen des gleichen ist dann ein echter Hingucker, auch für Unbeteiligte. Die große Lok bei den Nördlinger Dampftagen ist nix dagegen. Es hat so ein bisschen was von Paff, dem Zauberdrachen. Wenn ein E-Raucher ausatmet, dann kann er damit schlagartig eine komplette Diskothek einnebeln. Kürzlich stand ich an der Ampel hinter einem anderen Auto, als dort explosionsartig eine riesige Rauchwolke aus dem Fahrerfenster quoll. Zunächst dachte ich panisch: Mist, die Karre brennt. Dabei war es nur ein kleines Paffen. Mit großer Wirkung.

Michael Friemel


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