Roman von Ernst Weiß: Ich, der Augenzeuge (Foto: Buchverlag)

Ernst Weiß: "Ich, der Augenzeuge"

In 25 Folgen gelesen von Wolfram Koch

 

Sendung: Dienstag 30.05.2017 14.04 bis ca. 14.30 Uhr

FORTSETZUNG FOLGT…
22. Mai bis 23. Juni 2017

Über den Inhalt

Erzählt wird die Geschichte eines Arztes, der den Gefreiten Adolf Hitler am Ende des Ersten Weltkriegs behandelt. Der Gefreite glaubt, durch eine Gelbkreuzgranate der Engländer verletzt worden zu sein, und hat Angst, blind zu werden. Der Arzt erkennt Symptome einer Hysterie. Und heilt ihn, was er später bereut. Denn der Arzt ist Jude und muss den Aufstieg Hitlers miterleben, der ihn schließlich ins Exil zwingt.

Fortsetzung folgt...: "Ich, der Augenzeuge" von Ernst Weiß, Teil 6
Audio [SR 2, Ernest Weiß, 29.05.2017, Länge: 20:37 Min.]
Fortsetzung folgt...: "Ich, der Augenzeuge" von Ernst Weiß, Teil 6

Dort wird der Arzt zu einem politisch denkenden und engagierten Menschen. „Der Arzt spielt Schicksal an einem, der später mit ihm Schicksal spielen wird“, schrieb Marcel Reich-Ranicki, der den diesen Roman in seiner „Bibliothek des 20. Jahrhunderts“ zusammen mit Walter Jens neu herausgab. In der Einleitung schrieb der Frankfurter Literaturkritiker: „Mich faszinierte der Roman. Er faszinierte mich in jeglicher Hinsicht. Seine Sprache war spröde, aber konnte auch unversehens aufbrechen und grelle Farben hergeben, unter dem Druck von heftigen Gefühlen und unbezwingbaren Leidenschaften des im Roman geschilderten Personals."

Weiß konnte für seinen Roman auf die Krankenakte von Edmund Forster zurückgreifen, der Hitler in Pasewalk auf psychosomatische Hysterie behandelt hatte. Forster schmuggelte sie im Sommer 1933 aus Deutschland und vertraute sie in Paris Ernst Weiß an. Diese Krankenakte ist heute leider verschwunden. Die einzigen indirekten Spuren finden sich in diesem fiktionalen Werk.

Über den Autor

Ernst Weiß wurde 1882 in Brünn (Mähren) geboren. Er studierte Medizin in Prag und Wien. Er war Schiffsarzt und reiste nach Indien, China und Japan. 1913 ging er nach Berlin, lernte dort Franz Kafka kennen und nahm an jener Aussprache teil, die zur Auflösung von Kafkas Verlobung mit Felice Bauer führte. Er schrieb seit 1913 zahlreiche Dramen und Romane. 1933 ging er nach Paris ins Exil, wo er 1940, am Tag des Einmarsches der Wehrmacht, Selbstmord verübte.

Vorschau

In "Fortsetzung folgt..." ab Montag, 26. Juni:

ETA Hoffmann: "Das Majorat"
gelesen in 8 Folgen von Hans Paetsch

Fortsetzung folgt...

Montags bis freitags, 14.05 bis 14.30 Uhr

Die knappe halbe Stunde Literatur am Tage: Kurzgeschichten, Novellen oder Romane von berühmten Autoren, gelesen von erstklassigen Sprechern.

Redaktion: Dr. Ralph Schock

Kontakt: fortsetzungfolgt@sr.de

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