Vier Wochen eRezept - eine erste Bilanz

Wo es mit dem E-Rezept im Saarland noch holpert

mit Informationen von Eva Lippold   29.01.2024 | 13:05 Uhr

Vier Wochen nach dem offiziellen Start des elektronischen Rezeptes fällt die Bilanz im Saarland gemischt aus. Aus Sicht der Apotheker- und Ärztevertretungen lief die Einführung besser als befürchtet. Der Sozialverband VdK sieht aber noch Probleme - etwa, wenn der Papierausdruck gewünscht wird.

Softwareprobleme, falsch ausgefüllte Formularfelder, verunsicherte Patientinnen und Patienten: Der Start des E-Rezeptes im Saarland verlief holprig. Das bestätigen auch die Kassenärztliche Vereinigung Saarland und der Saarländische Apothekerverein in einer gemeinsamen Mitteilung am Montag: "Der Umstieg auf das E-Rezept stellte anfangs für viele Praxen und Apotheken eine erhebliche Hürde dar."

Wegen eines Softwarefehlers mussten Patienten zu Beginn teilweise zurück in die Praxen geschickt werden, um das Rezept neu auszustellen. Auch die Aufklärung und Beratung, die im Vorfeld versäumt worden sei, musste nachgeholt werden und habe viel Zeit gekostet.

Korrekt ausgefüllt zur Abrechnung mit Krankenkassen?

Probleme werden laut der Mitteilung auch bei der Abrechnung mit den Krankenkassen befürchtet, etwa weil ärztliche Signaturen oder Facharztbezeichnungen nicht korrekt ausgefüllt wurden. Hier setzen Apotheken und Ärzte auf eine "Friedenspflicht" bis Ende des Jahres, bis sich alles eingespielt habe.

Trotz der Startschwierigkeiten sind Ärzte- und Apothekervertreter aber zuversichtlich, letztlich sei der Start besser gelaufen als befürchtet. Es sei jetzt weiterhin wichtig, klar miteinander zu kommunizieren und weitere Probleme zu erkennen und zu beheben.

Papierausdruck nur ungern herausgegeben?

Als ein großes Problem sieht der Sozialverband VdK zum Beispiel, dass gerade viele ältere Patientinnen und Patienten mit der App nicht klar kommen. Sie wünschen sich dann noch einen Ausdruck des Rezeptes - was aber offenbar nicht alle Praxen gerne machen.

Laut Michael Kulas vom Saarländischen Hausärzteverband muss derzeit jedes Medikament einzeln auf einem DIN A5-Papier ausgedruckt werden. Je nachdem, was ein Patient an Medikamenten einnimmt, verlässt er die Praxis mit einem ganzen Stapel an Ausdrucken, was für die Praxen einen deutlichen Mehraufwand bedeutet.

Persönlich in der Apotheke erscheinen

Kritisch sieht der VdK zudem, dass man mit der Gesundheitskarte oder ausgedrucktem QR-Code in der Apotheke vor Ort sein muss, was gerade für wenig mobile oder chronisch kranke Personen ein Problem darstellt. Derzeit wird das Rezept nämlich nicht direkt an die Apotheke geschickt, sondern auf einem zentralen Server abgelegt, auf dem es die Apotheke nur mit Karte, App oder QR-Code abrufen kann.

Das soll zwar geändert werden - dauert aber noch. Und bis dahin kann das E-Rezept seine Vorteile - etwa eine sicherere Arzneimittelversorgung oder ein besserer Überblick über mögliche Wechselwirkungen - noch nicht voll entfalten.

Über dieses Thema berichtete die Region am Mittag auf SR 3 Saarlandwelle am 29.01.2024.


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