Operationsinstrumente (Foto: dpa)

Behandlungsfehler für Amputation verantwortlich?

Thomas Gerber   16.10.2017 | 11:40 Uhr

Nach dem tragischen Sportunfall des St. Arnualer Fußballers Stefan Schmidt gibt es nach SR-Informationen offenbar Hinweise auf massive Behandlungsfehler durch Ärzte des EVK in Saarbrücken. Der 23-Jährige hatte sich in einem Spiel Ende Mai das Bein gebrochen, einige Zeit später musste es ihm amputiert werden. Nun beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft mit dem Fall.

Audio [SR 3, Thomas Gerber, 16.10.2017, Länge: 2:57 Min.]
Der tragische Fall des Fußballers Stefan Schmidt

Schmidt war Ende Mai während des Entscheidungsspiels zum Aufstieg in die Bezirksliga mit dem gegnerischen Torwart zusammengeprallt. Dabei brach er sich das Schien- und das Wadenbein. Nach zwei Notoperationen im Evangelischen Krankenhaus (EVK) wurde Schmidt schließlich in das Klinikum Winterberg verlegt. Dort mussten ihm die Ärzte später den rechten Unterschenkel amputieren, da Gewebe nicht mehr durchblutet und abgestorben war.

Zu spät auf Taubheitsgefühl reagiert?

In einem Schreiben von Schmidts Anwalt Marc Herbert heißt es, dass Behandlungsfehler im EVK ursächlich für den Verlust des Unterschenkels seien. Die Ärzte hätten auf das von Schmidt geäußerte Taubheitsgefühl und den "kalten Fuß" unverzüglich reagieren und eine Gefäßuntersuchung durchführen müssen. Dies sei zwei Tage lang nicht geschehen.

Bein-Amputation aufgrund von Behandlunsfehlern?
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 16.10.2017, Länge: 03:07 Min.]
Bein-Amputation aufgrund von Behandlunsfehlern?

Herbert hatte Schmidts Krankenakten einem Facharzt für Orthopädie und Chirurgie zu einer ersten Begutachtung vorgelegt. Er strebt zunächst einen außergerichtlichen Vergleich mit dem Klinikträger an und hat keine Strafanzeige erstattet.

Fall beschäftigt Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft hat sich nun in den tragischen Fall des St. Arnualer Fußballspielers eingeschaltet. Oberstaatsanwalt Christoph Rebmann sagte, nach der heutigen Berichterstattung des SR habe er ein Vorermittlungsverfahren eintragen lassen. Dies richte sich derzeit noch gegen "Unbekannt", da zunächst geklärt werden müsse, welche Ärzte des Evangelischen Krankenhauses Schmidt operiert hatten. Die zuständige Abteilung der Staatsanwaltschaft solle nun klären, ob ein Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung bestehe.

Krankenhausträger lässt mehrere Fallakten prüfen

Der Träger des EVK, die Stiftung Kreuznacher Diakonie, wollte sich zum konkreten Fall nicht äußern. Man arbeite aber "mit großer Sorgfalt an der Aufklärung des Sachverhalts". Sollte ein Fehlverhalten nachgewiesen werden können, werde man die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Mitarbeiter hatten die Diakonie auf mögliche Qualitätsmängel im OP-Bereich des EVK hingewiesen. Das Stiftungsmanagement lässt derzeit von externen Experten mehrere Fallakten überprüfen. Man wolle wissen, in welchen Fällen ein "schicksalhafter Verlauf" als gesichert anzunehmen ist und ob es in "dieser Abteilung des EVK Qualitätsmängel" gibt. Die Mitarbeiter des EVK wurden inzwischen in einem Rundschreiben von der Stiftung aufgefordert, keinen Kontakt mit der Presse aufzunehmen.

Durchschnittliche Komplikationsrate im EVK

Im EVK Saarbrücken werden pro Jahr rund 1900 Operationen durchgeführt. Dabei kommt es nach Angaben der Diakonie in circa 160 Fällen zu Komplikationen. Die Komplikationsrate von 8,6 Prozent sei nicht ungewöhnlich und liege im bundesweiten Durchschnitt von fünf bis zehn Prozent.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 15.10.2017 berichtet.

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