Botanischer Garten Metz (Foto: Lisa Huth)

Alles, nur nicht langweilig

Die „gemäßigten Breiten" im Botanischen Garten von Metz

Lisa Huth  

Vor 150 Jahren entworfen, bietet der botanische Garten in Metz Pflanzen und Bäume aus aller Welt. Es gibt einen Landschaftsgarten mit 4.500 Pflanzen aus 80 verschiedenen Pflanzenfamilien, ein Gewächshaus und eine kleine botanische Schule.

So, der Botanische Garten von Saarbrücken ist zu, da half auch kein Solidaritäts-Streik der Botanischen Gärten bundesweit. Wohin jetzt, um die Bäume der Welt zu sehen? Nach Metz? Dort gibt es Bäume aus den gemäßigten Breiten. Also Eiche, Linde, Birke. Toll. Deswegen bis Metz fahren? Ha! Die gemäßigten Breiten gehen einmal um die Erde. Einmal oben rum und einmal unten rum.

Und so stehen im Jardin Botanique von Metz bis zu 200 Jahre alte, riesige Bäume wie der Küstenmammutbaum, die Kalifornische Nusseibe, die immergrüne Bischofs-Kiefer, die sich nur fortpflanzen kann, wenn es ein Feuer gab (der Samen öffnet sich erst dann), oder Star des Gartens: die echte Sumpfzypresse aus Louisiana, deren Wurzeln wie Stalagmiten aus dem Wasser wuchern. Außerdem: Pflanzen aus der Taiga und aus dem Regenwald.

Botanischer Garten Metz (Foto: Lisa Huth)

Riesiges Elefantenohr

Und, für die Saarländer interessant: Welche, die aus dem jetzt geschlossenen Botanischen Garten in Saarbrücken stammen. Etwa die Kalanchoe. Was, werden Sie sagen, das Flammende Käthchen? Die Pflanze mit den dicken Blättern und den leuchtenden Blüten? Die steht doch in jedem Wohnzimmer. Dann waren Sie noch nicht in Kapstadt – oder eben in Metz: Die Kalanchoe Beharensis wächst übermannshoch und wird auch Elefantenohr genannt. Wegen ihrer Blätter.

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Die "gemäßigten Breiten" im Botanischen Garten von Metz
[Audio, SR 3, Lisa Huth, 27.07.2016, , Länge: 3:09 Min.]
Die "gemäßigten Breiten" im Botanischen Garten von Metz

Sie gedeiht natürlich nicht in der mitteleuropäischen Kälte, sondern im Gewächshaus des Gartens. Dieses ist mehr als 150 Jahre alt. Es wirkt ein bisschen, als würde es des Nächtens eher Gestalten aus der Zeit von Toulouse-Lautrec beherbergen. Hier haben Pflanzen aus allen Wüsten- und Tropengebieten, etwa die australische Liane oder Zitrusfrüchte, ihren Platz.

Der Eintritt ist frei

4.500 Pflanzen aus 80 verschiedenen Pflanzenfamilien. Die meisten Metzer Familien, die kommen, machen aber länger vor den Fischen, den Schildkröten und den exotischen Vögeln halt, die ebenfalls im Gewächshaus aus vergangenen Zeiten ihre Nische haben.

Botanischer Garten Metz (Foto: Lisa Huth)

Überhaupt kommen viele Metzer gar nicht wegen des Gartens in den Jardin Botanique. Für die Metzer ist es ein Park. Kostenlos, tagsüber bis zum Dunkelwerden geöffnet, durchqueren sie ihn auf dem Weg zur Arbeit, Jogger machen einen kurzen Stopp am kleinen See, bringen den Enkeln Fußballspielen bei oder nutzen die lauschigen Plätzchen für romantische Treffen. Vor allem Mütter nutzen die Spielplätze, um die Kinder fernab von Treiben der Stadt toben zu lassen. Andere spazieren, lustwandeln und lassen sich treiben, einfach, weil es immer wieder was Neues zu sehen gibt.

Zeichnungen und Infos

Dabei nehmen etwa Schulklassen jede Menge Lehrreiches mit: Nicht nur die zahlreichen Rosensträucher sind mit lustigen kleinen Zeichnungen auf den Schildchen versehen. Etwa eine Teerose, die zuerst in Frankreich gezüchtet wurde. Weswegen auf dem Schildchen ein Baguette gezeichnet wird. Die Zeichnungen wecken Neugier, und so bleibt manch einer stehen, um Näheres zu erfahren. Was genau sind Rosen, wo auf der Erde wachsen sie, wie sehen alte Rosen und moderne Rosen aus, wie englische Rosen und wie wilde Rosen?

Botanischer Garten Metz (Foto: Lisa Huth)

Ein Teil des Gartens ist für eine kleine botanische Schule reserviert: Was ist überhaupt eine Pflanze, wie funktioniert Photosynthese, woran erkennt man eine Wildpflanze, woran eine gezüchtete? Ein anderer Teil wird je nach Jahreszeit bepflanzt. Im Frühling blühen dort die Pflanzen, die im Herbst beziehungsweise Winter gesetzt wurden, also alles, was Zwiebeln hat: Tulpen, Narzissen, Muscari (Traubenhyazinthen), Krokusse und Hyazinthen.

Pflanzenbestand wächst ständig

Auf der anderen Seite ist ein Landschaftsgarten mit Wasserpflanzen angelegt worden, daneben ein Kräutergarten zum Anfassen und Riechen. Und immer wieder die großen alten Bäume wie der 45 Meter hohe amerikanische Amberbaum. Dessen Harz wurde früher in den USA zur Kaugummiherstellung genutzt. Heute wird das Styrax-Harz eingesetzt, um Parfüms haltbar zu machen.

Botanischer Garten Metz (Foto: Lisa Huth)

Die Leute vom Grünflächenamt pflegen den Garten mit seinen 490.000 Pflanzen das ganze Jahr über und bringen immer wieder neue mit, etwa den Gletscher-Hahnenfuß, der sich wegen des Klimawandels in immer weitere Höhen zurückziehen muss. Die vom Grünflächenamt wollen mit ihrer Arbeit auch darauf aufmerksam machen, dass die Artenvielfalt auf der Erde in Gefahr ist. Das hatte der Architekt des Gartens, Louis Charles Demoget, noch nicht im Sinn, als er den Jardin Botanique vor 150 Jahren entwarf. Damals ging es darum, zu zeigen, was es alles auf der Erde gab. Auch diesem Ziel wird der Garten immer noch gerecht – zumindest, was die gemäßigten Breiten angeht.

Lisa Huth


Kontakt:

Jardin Botanique
27 ter, rue de Pont-à-Mousson
F-57 950 Montigny-lès-Metz,
Tel. (00 333) 87 55 54 00
E-Mail: espaces-verts@mairie-metz.fr
www.mairie-metz.fr/metz2/decouvrir/jardin/botanique.php

Öffnungszeiten:

Botanischen Garten:
8.00 Uhr bis zum Dunkelwerden,

Gewächshäuser:
April bis September: 9.00 bis 19.00 Uhr,
Oktober bis März: 9.00 bis 18.30 Uhr,
November bis Februar: 9.00 bis 17.00 Uhr.

Eintritt:

Der Eintritt ist frei.

Anfahrt:

Vom Saarbrücken aus auf die Autobahn A 4 Richtung Metz, kurz davor auf die A 314 Richtung Metz, Borny. Die Autobahn Richtung Metz Centre auf die N 233 verlassen. Der Botanische Garten ist im Stadtteil Montigny-lès-Metz.



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