Das SR-Sommerinterview mit Nora Gomringer

„Was wir sicher brauchen werden, ist Vergebung“

Roswitha Böhm   31.07.2020 | 06:00 Uhr

Die Coronakrise hat den Bereich Kunst und Kultur besonders hart getroffen. Auch Lyrikerin und Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer. Im SR-Sommerinterview spricht sie über die Auswirkungen auf ihr Schreiben und warum es ein Bekenntnis für die Kulturszene braucht. Außerdem ist die Angst vor der Klimakrise Thema des Interview.


Direkt zu einzelnen Themen im Sommerinterview:



Wer ist Nora Gomringer?

Nora Gomringer ist Lyrikerin und Bachmannpreisträgerin. Sie wurde 1980 in Neunkirchen geboren, wuchs aber in Oberfranken auf. Neben ihrer Arbeit als Dichterin leitet sie in Bamberg die „Villa Concordia“, ein Künstlerhaus, in dem deutsche und internationale Künstler als Stipendiaten leben und arbeiten.

Wie’s tickt

Nora Gomringer hat das Gedicht „Wie’s tickt“ über die Corona-Pandemie und unseren Umgang mit ihr geschrieben. Illustriert wird es von Valérie Minelli.

„Ich finde es lähmend“

Wie beeinflusst die Krise den künstlerischen Schaffensprozess? Nora Gomringer spricht darüber, wie sie die Corona-Pandemie nahezu handlungsunfähig gemacht hat, wie ihr durch die Krise 62 Auftritte weggebrochen sind und was das für sie bedeutet.

„Es ist Zeit für ein Bekenntnis zur Kultur der Dichter und Denker“

Die Kulturszene wurde besonders hart von der Krise getroffen. Kinos, Theater und Museen blieben lange geschlossen. Viele Lesungen und Konzerte mussten abgesagt werden. Zwar haben Bund und Länder Soforthilfen für Kulturschaffende zu Verfügung gestellt, aber die seien teilweise verspätet oder gar nicht angekommen, sagt Gomringer. Im Land der Dichter und Denker sollte mehr drin sein.

„Mit der Gleichberechtigung sind wir nicht sehr weit“

Nora Gomringer spricht darüber, wie wir in der Krise in alte Rollenbilder zurückfallen. Es seien vor allem die Frauen, die während der Pandemie zuhause bleiben und sich um Haushalt und Kinder kümmern würden. Auch weil Männer laut Gomringer immer noch mehr verdienen.

„Ich habe mich auch wegen klimatechnischen Angst-Visionen entschieden, keine Kinder zu bekommen“

Nora Gomringer spricht über ihre Angst vor der Klimakrise, darüber, was sie selbst im Alltag fürs Klima tut und was sie von der Politik erwartet. Der Literatur als Mittel zur Veränderung in Sachen Klima steht sie skeptisch gegenüber. Dazu hätten wir sie anders pflegen müssen, sagt sie. „Wir haben sie fast unpolitisch werden lassen.“

„Was wir sicher brauchen werden, ist Vergebung“

Was sollen wir aus den Krisen lernen? Nora Gomringer meint, wir werden viel Fingerspitzengefühl im Umgang miteinander brauchen. Denn schließlich sei, weil die Situation eben für alle neu ist, viel schiefgelaufen in den vergangenen Monaten. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass wir einander wohlwollender und zugewandter begegnen.

Das Sommerinterview im Comic

Valérie Minelli – Die Frau hinter den Bildern

Valérie Minelli ist hauptberuflich Comiczeichnerin. Als Mrs.Frollein zeichnet sie kurze Comicstrips fürs Web. Außerdem studiert die 27-Jährige Kommunikationsdesign an der HBKsaar. Ihr Schwerpunkt: Comics und Graphic Novels. „Comic-Zeichnen bedeutet mir alles“, sagt sie.  „Es ist mein Leben, mein Hobby und ich verdiene mein Geld damit.“ Ihr Stil ist inspiriert von japanischen Mangas oder um genauer zu sein von Chibis, kleinen, kindlichen Figuren, die darin vorkommen. Für das Sommerinterview mit Nora Gomringer hat sie die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und der Klimakrise für uns in Bilder gefasst.


Die SR-Sommerinterviews in diesem Jahr

Pressemitteilung des SR
Erst Klima, dann Corona: „Wie wollen wir in Zukunft leben?“
„Erst Klima, dann Corona – wie wollen wir in Zukunft leben?“ Der Saarländische Rundfunk (SR) geht mit seiner crossmedialen Sommerinterview-Reihe 2020 der Frage nach, wie die beiden großen Krisen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft prägen. In vier Folgen stellen sich prominente Gesprächspartner den Fragen der SR-Reporterinnen und SR-Reporter Roswitha Böhm, Florian Mayer und Nelly Theobald.

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