Zwei Schüler prügeln sich auf dem Schulhof (Foto: picture alliance / dpa | Oliver Berg)

Mehr Gewalt unter Kindern - zu wenig Hilfsplätze

  28.09.2023 | 14:54 Uhr

In den Jugendhilfeeinrichtungen im Regionalverband Saarbrücken gibt es nach Einschätzung des Jugendamtes nicht genügend Plätze für gewalttätige Kinder und Jugendliche. Dabei beobachtet das Amt eine zunehmende Tendenz zu mehr Gewaltbereitschaft.

Die bundesweite Kriminalstatistik hatte es im März schon gezeigt: Die Zahl der Gewalttaten von Kindern unter 14 Jahren nimmt deutlich zu. Auch das Jugendamt Saarbrücken hat nach eigenen Angaben inzwischen verstärkt mit gewalttätigen Kindern und Jugendlichen zu tun. Besonders auffällig sei die Gewaltbereitschaft bei jungen Menschen ab zwölf Jahren, insbesondere auch Mädchen.

Gleichzeitig gebe es aber im Regionalverband nur wenige Intensivplätze in den Einrichtungen der Jugendhilfe. Selbst intensivpädagogische Gruppen seien immer belegt. Die Möglichkeit zur adäquaten Unterbringung gehe „gegen null“, zumal auch Nachbarländer diese Plätze anfragen.

Zahl der Inobhutnahmen gestiegen

Und auch dort sei das Personal nicht immer entsprechend geschult. Gewalttätige Kinder und Jugendliche werden nach Angaben des Jugendamtes häufig aus den Einrichtungen entlassen. Sie ließen sich schließlich nicht mehr auf die Jugendhilfe ein.

Konkrete Zahlen hat das Jugendamt nur mit Blick auf die Inobhutnahmen. 2022 war in rund 20 Prozent der Fälle Gewalt der ausschlaggebende Grund – entweder ausgehend von den Erziehungsberechtigten oder von den Kindern. 2023 sind es nach aktuellem Stand 28 Prozent der Fälle.

Ursachen für Gewalt vielfältig

Dass immer mehr Kinder und Jugendliche gewalttätig werden, hat nach Einschätzung des Amtes mehrere Gründe. Insgesamt sei die gesellschaftliche Situation zunehmend unüberschaubar und überfordernd. Besonders die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg tragen dazu bei. Hinzu komme ein verstärkter Alkohol- und Drogenkonsum, gerade bei jungen Familien.

Auffällig ist nach Angaben des Jugendamtes auch, dass besonders die in Gruppen begangenen Straftaten zugenommen haben. Die Taten würden gefilmt und online verbreitet. Allein aktive gewalttätige Kinder beobachte das Amt dagegen kaum.

Die registrierten Straftaten von Kindern und Jugendlichen reichen von Mobbing mit Gewaltanwendung über Diebstahl, Körperverletzung, Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie bis hin zu Tötungsdelikten.


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