Buchcover: Die Vierte Wand (Foto: Verlag)

Sorj Chalandon: „Die vierte Wand“

Lesung und Gespräch, Gesprächspartnerin: Tilla Fuchs

 

Sendung: Dienstag 24.05.2016 20.04 bis 21.00 Uhr

Manche Bücher haben etwas Visionäres, auch wenn sie von der Vergangenheit erzählen. Ein solches Buch hat der französische Autor und Journalist Sorj Chalandon geschrieben: „Die vierte Wand“ (dtv, 2015) erzählt vom Libanonkrieg und von den Massakern an palästinensischen Familien in Sabra und Schatila im Herbst 1982, die Sorj Chalandon als Kriegsreporter miterlebt und in Reportagen beschrieben hat. Im Roman setzt der junge Regisseur Georges den Wunsch seines sterbenden Freundes Samuel um, mitten im Libanonkrieg „Antigone“ von Jean Anouilh zu inszenieren. Auf der Frontlinie. Die Schauspieler sollen aus verfeindeten Lagern stammen. Die Kunst soll über den Krieg triumphieren, wie einst Anouilhs „Antigone“ über die Zensur der deutschen Besatzer triumphiert hatte. 1944 in Paris.

Soweit der Roman. In Wirklichkeit wurde Anouilhs „Antigone“ 2014 in Beirut aufgeführt, der Bürgerkrieg dort ist lange vorbei. Die Schauspieler, die 2014 auf einer Beiruter Bühne stehen, sind syrische Flüchtlinge aus dem Nachbarland, das sich bis heute in einem schrecklichen Krieg befindet.

„Heute hätte ich das Buch so nicht geschrieben“, meint Sorj Chalandon, zu nah an der Aktualität, an der Wirklichkeit sei der Stoff. Im Gespräch wird die visionäre Verquickung von Romanhandlung und Wirklichkeit aufgegriffen und der Perspektivwechsel zwischen dem Romanautor und dem Journalisten Chalandon thematisiert. Letztlich geht es um die Kernfrage des Kriegsreportertums, die sich auch Georges im Buch stellt: kann ich zurückkehren in den Alltag, nachdem ich über den Krieg berichtet habe? Ist ein „normales“ Leben möglich nachdem ich „gesehen“ habe?


Über den Autor
Sorj Chalandon wurde 1952 in Tunis geboren, er arbeitete lange als Reporter und Kriegsreporter für die französische Zeitung „Libération“ und berichtete u.a. über den Nordirlandkonflikt und den Libanonkrieg. Für seine Reportagen über Nordirland und den Prozess gegen Klaus Barbie wurde er mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Aktuell arbeitet er für das Satiremagazin „Le canard enchaîné“ und schreibt Romane. In der Übersetzung von Brigitte Große sind bislang folgende Werke von Sorj Chalandon auf Deutsch erschienen: „Die Legende unserer Väter“ (2012), „Rückkehr nach Killybegs“ (2013) und sein Roman „Die vierte Wand“ (2015), der mit dem Goncourt des lycéens 2013 ausgezeichnet wurde.


Vorschau

In "Literatur im Gespräch" am kommenden Dienstag, 31. Mai:

Martin Graff: „Der lutherische Urknall – Die Franzosen und die Deutschen“
(Mitschnitt der Lesung vom 3. Mai 2016 im Saarländischen Künstlerhaus)


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Literatur im Gespräch

Dienstags von 20.04 bis 21.00 Uhr auf SR 2 KulturRadio

Ein Forum für literarische Texte, die im Gespräch sind oder durch die Sendung ins Gespräch gebracht werden sollen.

Es handelt sich um Romane, Erzählungen, Essays oder Gedichte, die veröffentlicht oder noch unveröffentlicht sind. Die Sendung will Autoren von "draußen" ins Land und Autoren aus dem Land nach draußen vermitteln. Zu hören sind Studiogespräche sowie Mitschnitte öffentlicher Lesungen von bekannten und unbekannten Schriftstellern, von Nobelpreisträgern wie (wenn sie interessant sind) von Autoren, die ihre Bücher im Selbstverlag herausbringen. Die Autoren sind in der Regel deutschsprachig.

Redaktion: Dr. Ralph Schock 

Kontakt: literatur-im-gespraech@sr.de


ZeitschriftenLese
Einmal im Monat von ca. 20.45 bis 21.00 Uhr mit einem Blick auf aktuelle Literaturzeitschriften - in der Rubrik "ZeitschriftenLese".

Die nächsten Termine:

N.N.

Die "ZeitschriftenLese" gibt's auch online bei poetenladen.de.

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