Stühle stehen auf Tischen in einem leeren Klassenzimmer (Foto: picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Das alles Entscheidende sind die Lehrkräfte

Eva Lippold   14.03.2022 | 10:30 Uhr

Die saarländischen Landtagswahlen stehen vor der Tür. Dass Bildung elementar wichtig ist - darin sind sich die Parteien einig. Doch es gibt in diesem Bereich noch viel zu tun. Was sich Schüler, Lehrer und Eltern wünschen - SR-Reporterin Eva Lippold hat nachgefragt.

Das Saarland mausert sich gerade zum Vorzeigeland in Sachen digitaler Bildung - sowohl hinsichtlich der Geschwindigkeit, als auch mit Blick auf die Vielfalt, so das Lob von Landesschülervertreter Lennart-Elias Seimetz.

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Bildung im Saarland: Es gibt noch viel zu tun
Audio [SR 3, Eva Lippold, 14.03.2022, Länge: 03:11 Min.]
Bildung im Saarland: Es gibt noch viel zu tun
Was sich Schüler, Lehrer und Eltern wünschen: SR-Reporterin Eva Lippold hat nachgefragt.

Zwar gebe es noch viele Fragezeichen, wie etwa ein ausstehendes pädagogisches Konzept, aber Lehrer, Eltern und Schülervertreter sind sich einig, dass der Schritt in die Digitalisierung alternativlos und dringend notwendig war.

Schule - wichtig als sozialer Ort

Allerdings hat die Pandemie auch die Grenzen der Digitalisierung aufgezeigt. Schule sei doch auch dazu da, dass Kinder soziales Miteinander und Demokratie lernen, so Landeselternvertreterin an Gymnasien Katja Oltmanns. Die Schule sei der Ort, an dem sich Kinder aus allen sozialen Schichten begegneten, Kinder mit und ohne Migrationshintergrund sich treffen und dort "auch mal ein Gefühl für den anderen" bekämen.

Große Bandbreite an Forderungen

Die großen Probleme an den Schulen kann die Digitalisierung aber offenbar auch nicht lösen. Von einer Reform des Sexualkundeunterrichts und Politik als Pflichtfach ab der Grundschule über mehr Mitbestimmung bis hin zu Lüftungsfiltern oder warmem Wasser in den Waschräumen - die Bandbreite der Forderungen an die Politik seitens Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter ist groß.

Das alles Entscheidende sind die Lehrkräfte

Eines aber zeichnet sich als roter Faden ab: "Alle Themen hängen mit einem Faktor zusammen: dass wir zu wenig Lehrkräfte haben. Bis 2030 fehlen mindestens 81.000 Lehrkräfte", so Lisa Brausch, die Vorsitzende des Saarländischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands.

Schüler, Eltern und Lehrer berichten von zu großen Klassen, Unterrichtsausfällen, überforderten Lehr- und fehlenden Inklusionskräften. Zwar seien vor allen Landtagswahlen immer mehr Lehrer versprochen worden, doch bis heute habe sich wenig getan, sagt die Vorsitzende des SLLV Lisa Brausch.

Und auch wenn die Politik den Lehrermangel im Saarland seit Jahren dementiert – nirgendwo seien Lehrer so überlastet wie hier, sagt der Vorsitzende des Philologenverbandes Marcus Hahn. "Durchschnittlich überschreiten die Lehrkräfte an saarländischen Gymnasien die eigentlich vorgeschriebene Arbeitszeit um weit mehr als zehn bis 15 Prozent. Durchschnittlich."

Herausforderungen werden nicht kleiner

Gerade jetzt, da es große Lücken aufzuholen gilt, da auch die psychosozialen Folgen der Pandemie zutage treten, scheint das Problem gravierender denn je. Und die derzeitige Lage in Europa lässt befürchten, dass auf die Schulen noch größere Herausforderungen zukommen.

Langfristige Lösungen müssen her

Vor allem brauche es jetzt langfristige Lösungen. Dazu gehören ein Ausbau des Lehramtsstudiums, ein Studiengang Sonderpädagogik im Saarland, bessere Arbeitsbedingungen  und schlicht mehr Zeit für Unterricht, denn an der mangele es an allen Ecken und Enden, so Brausch.

Angesichts solcher Probleme fragen sich gerade viele an den saarländischen Schulen, wie sie da noch – ganz nebenbei – die neuen Herausforderungen stemmen sollen, die die Politik sich für die nächsten vier Jahre vorgenommen hat.

Denn klar ist: Auch die Umstellung auf G9 und die Digitalisierung werden viel Geld, Zeit und vor allem Manpower kosten – und all das ist bekanntermaßen in der saarländischen Bildung knapp.


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Ein Thema in "Guten Morgen" und in der "Region am Mittag" am 14.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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