Person mit Gesichtsmaske (Foto: Pixabay / Orna W)

Soll das Tragen von Schutzmasken Pflicht werden?

Stephan Deppen / Uli Hauck   21.04.2020 | 20:11 Uhr

Seit es die ersten Lockerungen bei den Corona-Schutzmaßnahmen gibt, rückt das Thema "Maskenpflicht" wieder verstärkt in den Fokus. Soll das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit Pflicht werden, oder soll es eine freiwillige Sache bleiben? Ein Pro und Contra von SR-Reporter Stephan Deppen und SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck.

Pro Schutzmaskenpflicht

Schon der Begriff Maske ist falsch und damit auch das Contra-Argument, es gebe zu wenig davon und die wenigen verfügbaren sollten den Gesundheitsberufen vorbehalten bleiben. Es geht nicht um Masken, sondern um einen Mund- und Nasenschutz. Das kann auch ein Schal oder ein schlichtes Halstuch sein, das man sich über Mund und Nase zieht.

Solch ein Schutz verhindert, dass was auch immer aus dem eigenen Mund in Berührung mit anderen Menschen gerät. Klar, das schützt nur andere, nicht einen selbst. Aber was heißt in Corona-Zeiten schon "nur"?

Jeder Schutz ist in Corona-Zeiten besser als gar keiner. Und wenn alle anderen geschützt sind, ist man es ja selbst auch.

Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn das Tragen eines Gesichtsschutzes nicht anfangs selbst vom Robert-Koch-Institut als unwirksam abgetan worden wäre. Es schadet nicht, aber vielleicht hat es einen positiven Effekt. Und dann liegt es doch auf der Hand, dass diese Chance ergriffen werden sollte. Also: Mund und Nase bedecken im Supermarkt und in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Klar ist aber auch: Dieser Schutz muss regelmäßig gewechselt und gewaschen werden. Und er darf nicht dazu führen, dass andere Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand halten vernachlässigt werden. Denn er hat bei mir zunächst so etwas wie einen Rüstungseffekt ausgelöst: Mundschutz an, Corona-geschützt. Das ist natürlich nicht so, und man muss sich klar bewusst machen, die Abstandsregeln auch mit Schutz konsequent einzuhalten und sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen.

Dann bin ich dafür, weil alles, was auch nur ein bisschen hilft in Corona-Zeiten, den Umgang mit Virus und Erkrankung erträglicher macht.

Stephan Deppen

Contra Schutzmaskenpflicht

Acht bis zwölf Milliarden Masken pro Jahr wären nötig, damit wir beim Arbeiten, Einkaufen und Busfahren halbwegs gut ausgestattet sind. Nur, die gibt es nicht. Und deshalb soll es dann eben auch mal ein Schal richten: Zwei links, zwei rechts gegen Corona – das findet auch der Weltärztepräsident Montgomery lächerlich. Auch wegen der Keim-Entwicklung im selbstgebastelten, feuchtwarmen Do-It-Yourself-Mundschutz!

Schon jetzt sieht man auf der Straße Menschen, die unsinnigerweise mit Gummihandschuhen unterwegs sind und die Masken wahlweise unter dem Kinn, auf der Stirn oder sonst wo hängen haben. Um sich dann auch gerne mal mit den Fingern ins Gesicht zu fassen!

Masken mögen als Fremdschutz sinnvoll sein. Sie dürfen aber nicht die allgemeine Wachsamkeit ersetzen! Und der Staat muss nicht auch noch mit einer Maskenpflicht dem mündigen Bürger das Denken abnehmen – zumal er eine echte Pflicht, wegen fehlender Masken, gar nicht umsetzen kann.

Uli Hauck

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 21.04.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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