Luca-App auf dem Smartphone (Foto: imago images/Wölk)

'Luca' erleichtert die Kontakt-Nachverfolgung

mit Informationen von Melina Miller   11.03.2021 | 10:25 Uhr

Eine App zur Kontakt-Nachverfolgung sorgt für Aufsehen. Diese App soll kulturelle Veranstaltungen ermöglichen und wurde von der Rap-Gruppe "Die Fantastischen Vier" mitentwickelt. Sie soll die Kontaktnachverfolgung erleichtern und die Gesundheitsämter entlasten. Im Saarland wird sie noch nicht eingesetzt - das Gesundheitsministerium ist nach eigenen Angaben aber in der Abstimmung über eine mögliche Einführung.

'Luca' erleichtert die Kontakt-Nachverfolgung
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'Luca' erleichtert die Kontakt-Nachverfolgung

Wenn irgendwann die Cafés, Bars und Restaurants in Deutschland wieder öffnen können, müssen die Betreiber auch eine lästige Aufgabe für die Gesundheitsämter erfüllen. Wie im vergangenen Sommer werden die Betriebe wohl auch diesmal verpflichtet, eine Liste ihrer Besucher zu führen und deren Kontaktdaten zu erfassen. Doch dieses Kontaktverfolgungssystem hat in den vergangenen Monaten nur mäßig gut funktioniert. Oft saßen da «Donald Duck» oder «Micky Maus» am Gästetisch, zumindest hatten sie sich mit diesen Namen in die Gästeliste eingetragen.

Mehrere Check-in-Apps versprechen nun eine viel effizientere Methode, Restaurant-Besucher vor dem Risiko einer Corona-Infektion zu warnen, falls ein anderer Gast positiv getestet wurde. Die bekannteste Lösung ist die Luca-App, die von Smudo, Musiker der Fantastischen Vier, mitentwickelt wurde.

Wie funktioniert die App?

Die App basiert nach Angaben der Datenschutzbehörde des Saarlandes auf drei Stufen: Zuerst registriert sich ein Nutzer mit seinen Kontaktdaten in der App, dann setzt ein Veranstalter, Restaurantbetreiber oder privater Kontakt die App ein und schließlich kann das Gesundheitsamt im Infektionsfall die Kontakte entschlüsseln.

Am Beispiel eines Restaurantbesuchs kann das also so aussehen: Ein Gast trägt seine Daten einmalig in die App ein, die daraufhin einen sich permanent ändernden QR-Code generiert, der dem jeweiligen Smartphone zugeordnet ist. Auch der Gastgeber braucht Luca auf einem mobilen Endgerät. Beim Betreten einer Einrichtung werden über die Codes Daten anonymisiert erfasst. Im Falle einer bestätigten Infektion werden die Daten dann mit dem Gesundheitsamt ausgetauscht. Das ist laut Selbstbeschreibung der App die einzige Stelle, die die Daten dann auslesen kann. Für alle anderem Akteure seien diese unzugänglich.

Gesundheitsämter müssen mitmachen

Dafür müssen die Gesundheitsämter aber mitmachen. Im Saarland ist das nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher noch nicht der Fall. Es werde allerdings aktuell im Austausch mit anderen Bundesländern geprüft, welche App zusätzlich zur Corona-Warn-App eingesetzt werden soll, um die Kontaktnachverfolgung zu erleichtern. Dabei würden mehrere Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Neben Luca gibt es zum Beispiel auch die Apps DarfIchRein, Railsove, Kontakterfassung.de, Eguest oder Hygieneranger.

Die technische Anbindung der Luca-App an die Gesundheitsämter ist nach Angaben der Entwickler kein großes Hindernis. Die Voraussetzungen hierfür bestünden bereits, sagte Mitentwickler "Smudo" vor kurzem in der ARD-Sendung "Anne Will".

Datenschonender als Papierbögen

Die Beurteilung des Datenschutzes der App sei relativ schwierig, sagt Christian Rossow, leitender Wissenschaftler am CISPA Helmhotz-Zentrum für Informationssicherheit: "Einerseits gibt es ein Sicherheitskonzept, was man sich auf der Website der Luca-App angucken kann. Gleichzeitig muss man den Betreibern der App noch vertrauen, weil der Quellcode - also die Logik der App - nicht verföffentlicht ist." Quellcodes sind mit Schutzrechten verbunden: Es wird also nichts verheimlicht, sondern Hersteller versichern sich, dass die Codes nicht kopiert werden können. Auch große Betriebssysteme wie Microsoft Windows veröffentlichen daher nicht ihren Quellcode.

Datenschutztechnisch sei die App aber auf jeden Fall besser als die bisherige "Zettelwirtschaft" bei der Kontaktnachverfolgung, erklärt Christian Rossow. Denn die angegebenen Klarnamen auf den bisherigen Papierbögen seien praktisch auch für Restaurantbetreiber und andere lesbar gewesen.

Rossow empfiehlt den Einsatz von Luca daher: Die digitale Kontaktnachverfolgung sei nicht nur deutlich datenschonender als der Papierweg, sondern auch sehr viel schneller. Die App legt dem zuständigen Gesundheitsamt im Infektionsfall nämlich automatisch alle Orte offen, die die Person in dem kritischen Zeitraum besucht hat.

Zustimmung erforderlich

Das heißt laut Rossow, ein Infizierter müsste nicht aus der eigenen Erinnerung heraus alle Kontakte der vergangenen beiden Wochen auflisten. Stattdessen erhält das Gesundheitsamt eine Liste über alle Orte, an denen er zuletzt eingecheckt hat. Dann können die Kontaktpersonen informiert werden. Voraussetzung ist nach Angaben der Entwickler, dass die infizierte Person der Datenübermittlung zustimmt.

Diese Vorgehensweise ist laut Experten der größte Unterschied zur Corona-Warn-App. Dort kann die Userin oder der User auf freiwilliger Basis selbst in der App melden, wenn er oder sie sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Erst dann werden andere App-Nutzer gewarnt. Der Corona-Warn-App fehle deshalb die Vollständigkeit, so Rossow. "Die Luca-App könnte diese Lücke schließen."

Datenschutzbehörde: "Konzept ist tragfähig"

Insgesamt hält auch die Datenschutzbehörde des Saarlandes das Konzept der App für tragfähig. Zwar könne die Behörde die App aufgrund des nicht-öffentlichen Quellcodes nur anhand anderer Informationen bewerten, diese sorgten aber durchaus für ein positives Bild, erklärt Marco Schömer, Sprecher der Datenschutzbehörde.

Auch in anderen Bundesländern sind die zuständigen Behörden zu ähnlichen Schlüssen gekommen. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben den Einsatz der App deshalb bereits öffentlich empfohlen. Auf den friesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr wird die Luca-App schon genutzt.

Was ist der Unterschied zu der Corona-Warn-App

Smudo sieht keinen Gegensatz zwischen der offizielle Corona-Warn-App und der Luca-App. Die App des RKI sei geeignet, flüchtige Begegnungen zu erfassen, quasi ein individuelles Radarsystem. Die Luca-App dagegen könne bei privaten Treffen und im Restaurant oder auch bei Sportveranstaltungen, Konzerten und im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden, um sich gezielt an einem Ort einzuchecken.

Ganz wichtig außerdem: Die Corona-Warn-App funktioniert nur dann, wenn sie flächendeckend beziehungsweise in einem großen Zusammenhang genutzt wird. Die Luca-App dagegen macht auch bei einer geringeren Nutzeranzahl Sinn. Laut Rossow gibt es schon einen großen Nutzen des Systems, wenn auch nur ein Teil von Restaurantbesuchern die App benutzt: "Für diese kleine Menge ist dann sehr schnell eine Rückverfolgung und eine schnelle Kontaktaufnahme möglich, das heißt wir gewinnen dadurch deutlich an Zeit im Vergleich zur Zettelwirtschaft, die wir letztes Jahr hatten."

Auch Thema auf SR 1 am 11.03.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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