Smartphone mit Facebook (Foto: Pixabay/geralt)

Hört Facebook Gespräche mit?

  24.04.2019 | 00:00 Uhr

Dass es bei Facebook Werbung gibt, ist vermutlich jedem Nutzer bereits aufgefallen. Aber zahlreiche Mitglieder des sozialen Netzwerks haben bemerkt, dass Werbung zu Marken oder Themen erscheint, über die sie sich kurz vorher unterhalten haben. Ein Experiment hat nun herausgefunden, was an den Gerüchten zum Abhören durch Facebook dran ist.

In Deutschland hat das soziale Netzwerk nach eigenen Angaben 32 Millionen angemeldete User, weltweit sind es angeblich knapp 2,3 Milliarden. Bereits seit einigen Jahren halten sich hartnäckig Gerüchte, dass die Facebook-App auf Smartphones private Gespräche von Nutzern abhört. Facebook bestreitet diese Gerüchte jedoch vehement. Nachweisen konnte man die Beschuldigungen bislang nicht.

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Facebook streitet immer wieder ab, heimlich mitzuhören. Aber wir bilden uns das ja nicht ein - oder ist die gezielte Werbung reiner Zufall? Hier hört Ihr die Audios zum Thema auf SR 1.


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Das Experiment

NDR-Journalistin Ann-Brit Bakkenbüll wollte wissen, ob Facebook wirklich über das Smartphone mithören kann: „Wir haben uns zunächst vier Smartphones besorgt, je zwei Android und zwei iOs Geräte.“ Darauf wurden jeweils die Facebook-App, Instagram, WhatsApp und der Messenger von Facebook installiert und  vier verschiedene Nutzerprofile angelegt, die sich nur im Namen und der hinterlegten E-Mail unterschieden haben. Das heißt, Alter, Geschlecht und Wohnort waren identisch.

„Im nächsten Schritt haben wir bei je einem Android und einem iOS Gerät jeweils alle Mikrofonein- und Ausgänge abgeklebt. Wir haben sie quasi stumm geschaltet. Die anderen beiden Geräte konnten über alle Testphasen mithören.“

Der Test selbst hat sich in drei Phasen über mehrere Wochen erstreckt:

Phase 1

Alle Apps blieben geschlossen und mehrere Tage lang haben die Probanden über festgelegte Themen gesprochen aus den Bereichen wie Mode, Kosmetik, Brautkleider und Urlaubsziele. Die Smartphones lagen dabei im gleichen Raum. Einige Tage später gab es die erste Auswertung: Bei Android-Smartphones, bei denen das Mikrofon nicht abgeklebt war, wurde Werbung für Bodylotions angezeigt. Bei den anderen Geräten gab es keine entsprechenden Anzeigen.

Phase 2

Bei Gesprächen über die festgelegten Themen blieben die Apps offen. Bei Android Geräten erschien keine passende Werbung, in der Instagram App eines iOS Gerätes dagegen das Bild eines Brautkleides.

Phase 3

Die Tester telefonierten mit der Facebook Messenger App und erwähnten mehrmals täglich vorher festgelegte Begriffe und ausdrücklich das Urlaubsziel Peru. Nach einigen Tagen erschien auf einem Android-Smartphone Werbung eines Modeunternehmens, auf einem iOS Gerät eine Anzeige für Flüge nach Peru. Der Proband, mit dem die Gespräche geführt worden sind, erhielt auf seinem privaten Smartphone sowohl bei Facebook als auch bei Instagram plötzlich viel Werbung zum Thema Hochzeit.

Was sagen Facebook und Experten zu den Ergebnissen?

Ann-Brit Bakkenbüll hat Facebook mit den Ergebnissen konfrontiert und ein Sprecher hat mitgeteilt, dass Facebook weder mitlesen noch mithören würde. "Keine App aus der Facebook-Familie nutzt das Mikrofon, um Werbung oder Beiträge im Newsfeed in irgendeiner Weise zu beeinflussen", wurde der Journalistin erklärt.

Ein Informatik-Experte hat der Journalistin darüber hinaus erklärt, dass er davon ausgeht, dass Facebook nicht die Gespräche abhört, sondern, dass verschiedene Algorithmen für die Werbung verantwortlich sind, die Informationen verknüpft haben. "So hatten wir das Gefühl, die Werbung hat zu unseren Gesprächsinhalten gepasst."

Was tun um sich zu schützen?

"Ich habe unmittelbar nach dem Experiment geschaut, welche Zugriffsrechte ich den Apps gestattet habe und habe ihnen einige entzogen." Facebook und Instagram sind aber weiterhin auf dem Smartphone von Ann-Brit Bakkenbrüll installiert. "Es ist aber ein komisches, mulmiges Gefühl, wenn ich über private Dinge spreche."

Auch Datenschützer empfehlen den Nutzern, vorsichtig bei der Freigabe von Daten zu sein und vor jeder Freigabe zu überlegen, welche Funktionen für die entsprechende App überhaupt nötig sind.


Auch Thema in der SR 1 Sendung "Balser & Mark. Dein Morgen" vom 18.04.2019.