"Gut zu wissen": Schockwerbung auf Lebensmitteln?

Studie: Schockbilder auf Süßigkeiten schrecken ab

Gut zu wissen

Sarah Sassou   24.01.2024 | 09:45 Uhr

Könnten schockierende Warnhinweise uns dabei helfen, seltener zu ungesunden Nahrungsmittel zu greifen? Ähnlich wie bei Tabakwaren? Das haben Forscher der Uni Göttingen untersucht.

Fast jeder zweite Deutsche ist übergewichtig, so lautet die Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Viele Menschen essen zu einseitig und zu kalorienreich. Das bedeutet: Zu viel Zucker, Fette oder Salz. Das Übergewicht erhöht wiederum das Risiko für Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes. Ein Forscherteam der Uni Göttingen hat nun eine Studie dazu veröffentlicht, ob Schockbilder auf Süßigkeitenverpackungen Menschen davon abhalten, die süßen Snacks zu konsumieren.

Schockbilder zeigen bei Studie Wirkung

Junior-Professiorin Antje Risius hat dafür mit ihrem Team Erwachsenen Lebensmittel vorgelegt, die viel Zucker enthalten. Auf der Verpackung waren Schockbilder und Warnhinweise - so wie es bereits bei Tabakprodukten in Europa üblich ist.

Bei der Studie ist dann herausgekommen: Solche Schockbilder und Hinweise könnten Menschen dazu bewegen, weniger zuckerhaltige Produkte zu kaufen oder sogar ganz darauf zu verzichten, sagt Forscherin Antje Risius. „Wir haben in dieser Studie deutlich messen können, dass diese emotionalen wirkenden Bilder sehr effektiv waren und gleichzeitig lässt sich das auch psychologisch ganz gut erklären.“ Die Probanden konnten auf den Schockbildern eine direkte Konsequenz erkennen, die sich aus ihrer eigenen Handlung ergeben könnte: Übergewicht oder andere gesundheitliche Probleme.

Das bedeutet also: Wenn einem selbst bewusst ist, dass es an einem selbst liegt, sich gesund zu ernähren und dass es einem mit ganz einfachen Mitteln klar gemacht wird, dann kann das leichter gelingen.

Bisher nur Nutri-Score

Aber dazu müsste der Staat solche Maßnahmen einführen. Was es schon gibt und was Verbrauchern helfen soll, ist der sogenannte Nutriscore. Auf einer Skala von A bis E wird der Nährwert insgesamt dargestellt. Man dann einzelne Produkte besser miteinander vergleichen. Das ist schon mal ein guter Schritt. Schockbilder auf Süßigkeiten könnten eine Ergänzung sein.

Aber es dürfe nicht in staatliche Verbote ausarten, so Risius. Zumal auch nicht jede Süßigkeit an sich so schlecht ist für die Ernährung. Anders als bei Tabakprodukten, die schlecht für die Gesundheit sind, ist das bei Nahrungsmitteln eben anders.

Forscher empfehlen Warnhinweise

„Um die Produktvielfalt gut einordnen zu können, braucht es aus unserer Sicht eine starke Verbraucherpolitik“, sagte Antje Risius. „Oder zumindest eine Begleitung, dass jeder von uns sich ganz verantwortlich fühlen kann für seinen gesunden Lebensstil.“ Schockbilder und Warnhinweise wären aus ihrer Sicht eine gute Orientierung.

 „Man isst nicht nur ein Produkt und man hat nicht von einem Produkt auch direkt eine bestimmte Konsequenz“, erklärt Antje Risius. Das mache es auch gesundheitspolitisch sehr viel schwieriger, Konsequenzen aus solchen Studienergebnissen abzuleiten.

Außerdem könnte es helfen, positive Lebensmittel, also zum Beispiel frische Gemüse und unverarbeitete Lebensmittel ebenfalls zu kennzeichnen. Menschen hätten dann gleich eine gute Alternative, die sie leicht erkennen können.

Damit die Bevölkerung gesünder isst, müsste sie im Bereich Gesundheit besser informiert sein, so die Forscherin. Gesundheitsbildung heißt also das Schlagwort. Die öffentliche Hand sei hier gefragt, die Menschen darüber aufzuklären: Was genau tut uns gut und was ist eben weniger gut.

Weitere Informationen zum Nutri-Score:
www.verbraucherzentrale.de

Weitere Informationen zur Studie:
bmcpublichealth.biomedcentral.com

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