FCS Proficampus  (Foto: SR)

Viel Klärungsbedarf für Stadt und 1. FC Saarbrücken

Thomas Gerber   01.03.2023 | 17:15 Uhr

Im Streit um den Proficampus des 1. FC Saarbrücken hat Vereinsboss Ostermann seinem neuen Vizepräsidenten Pitino den Rücken gestärkt. Das Projekt sei mit dem Verein abgesprochen gewesen, und die Stadt habe bei einem Ortstermin grundsätzlich Zustimmung signalisiert. Im Rathaus sieht man das aber nach wie vor ganz anders.

Hieß es noch vor wenigen Tagen vom Pressesprecher, der Proficampus sei ein rein „privatwirtschaftliches“ Vorhaben und keines des 1. FC Saarbrücken, kam am Dienstag die Kehrtwende. Vereinsboss Hartmut Ostermann erkor das neue Trainingsgelände in Saarbrückens „grüner Lunge“, dem Naherholungsgebiet Almet, zu seiner Herzenssache.

Ostermann: Conradt reagierte wohlwollend

Der potentielle Zweitligist brauche eine professionelle Trainingsstätte, so Ostermann. Das Vorhaben seines Vize Salvo Pitino sei bestens geeignet, der Bauantrag dafür laufe.

Beim Ortstermin im September 2021 habe Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) wohlwollend auf die Pläne reagiert, sagt der FCS-Präsident. Bei dem Treffen habe er Conradt auch versichert, dass der Verein hinter dem Projekt stehe.

Stadtverwaltung wies schon damals auf Probleme hin

Damit schiebt Ostermann den Schwarzen Peter nun also in Richtung Rathaus. Ähnlich wie bei Pitinos Werbevideo für den Proficampus reibt man sich dort jedoch erneut vor Verwunderung die Augen. Sicherlich, das Treffen in Pitinos Soccer Arena habe es gegeben, aber auch den Hinweis, dass die für den geplanten Rasenplatz vorgesehenen städtischen Grundstücke derzeit nicht zur Verfügung stehen.

Aktuell seien dies Ausgleichsflächen, die planungsrechtlich in einem aufwendigen städtebaulichen Verfahren, mit Anhörung von Naturschutz und Anwohnern, umgewidmet werden müssten. Darauf wurde Pitino, der offiziell im Auftrag seiner Schwester Alexandra Pitino für deren Firma Maxi Sports GmbH in Sachen Proficampus agiert, nach SR-Informationen auch schriftlich hingewiesen.

Schreiben nicht beantwortet

Wenige Tage nach dem Vor-Ort-Termin erhielt Pitino ein Schreiben, in dem er aufgefordert wurde, eine verbindliche Vereinbarung mit dem FCS über die Nutzung des Campus vorzulegen. Nur dann könne mit dem städtebaulichen Verfahren begonnen werden. Auf das Schreiben vom 4. Oktober 2021 hat Pitino laut Stadtverwaltung bis heute nicht geantwortet.

Und es gab noch einen weiteren Hinweis der Stadt, zuletzt am 13. Oktober vergangenen Jahres. Ostermann war mit Klaus Meiser im Rathaus. Oberbürgermeister Conradt soll die Herren dabei erneut auf die Notwendigkeit der Vereinbarung hingewiesen haben. Man brauche den FCS als größten Verein im Land, um das „öffentliche Interesse“ für eine Umwidmung der Flächen überhaupt begründen zu können.

Auch da - keine Reaktion seitens des Vereins. Dass eine Stadtverwaltung aber mehr braucht, als die mündliche Zusage eines Vereinspräsidenten – auch wenn der Hartmut Ostermann heißt – ist nachvollziehbar. Denn schon jetzt sorgt Pitinos Soccer Arena bei den Anwohnern für reichlich Unmut.

Erbbaurechtsvertrag für FC-Sportfeld?

Auch was die Nutzung des FC-Sportfelds angeht, gibt es zwischen Verein und Rathaus nach SR-Informationen erhebliche Unterschiede bei der Wahrnehmung des bisher Geschehenen. Während Ostermann am Dienstag auf der Pressekonferenz behauptete, dass man sich seit Jahren vergeblich um einen Erbbaurechtsvertrag bemühe, heißt es vonseiten der Stadt, man hätte diesen lieber früher als später. Entsprechende Schreiben wurden aber auch da vom Verein nicht beantwortet.

Nach SR-Informationen hatte die Stadt Ostermann im November 2021 schriftlich aufgefordert, eine verbindliche Aussage zu einem Erbbaurechtsvertrag abzugeben. Zugleich wies sie auf ihr „faires Angebot“ hin, das dem Verein bereits seit Längerem vorliege.

Dieses Angebot sieht einen Erbbauzins vor, der sich am unteren Ende des Üblichen bewegt. Vielleicht ist aber selbst das dem FCS einfach noch zu viel. Das Geld zahlt man dann lieber für einen Campus, der ein Projekt von Pitinos Schwester ist. Dass die mit der AfD verbandelt ist und früher für den Saarbrücker Stadtrat kandidiert hat, scheint unerheblich. „Ein Mietobjekt hat keine politische Meinung“, wie es Hartmut Ostermann formulierte. „Blau-Schwarz ist Vielfalt“ steht auf den FCS-Trikots.

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Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau vom 01.03.2023 berichtet.


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