Rund 80.000 Saarländer sind überschuldet

Rund 80.000 Saarländer sind überschuldet

  15.11.2023 | 12:05 Uhr

Das Saarland liegt bei der Überschuldung nach wie vor über dem Bundesdurchschnitt. Aber auch hier ist, genau wie im bundesweiten Trend, der Anteil der Menschen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, rückläufig. Vorläufig zumindest, denn die Wirtschaftsexperten befürchten eine Trendwende.

Im Saarland gelten 9,54 Prozent der Menschen als überschuldet – so steht es im jüngst veröffentlichten Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Damit liegt das Saarland nach wie vor über dem Bundesschnitt (8,15 Prozent), verzeichnet aber den gleichen Rückgang an Schuldnern, der auch in den anderen Bundesländern zu beobachten ist.

St. Wendel Spitzenreiter, Saarbrücken Schlusslicht

Von einer Überschuldung ist die Rede, wenn weder das vorhandene Vermögen noch die zu erwartenden Einnahmen des Schuldners dessen Verbindlichkeiten abdecken. Bundesweit gelten momentan 5,65 Millionen Menschen als überschuldet, rund 80.000 davon im Saarland. Gegenüber dem Vorjahr ging die Überschuldungsquote hierzulande um 0,5 Prozentpunkte zurück, etwas stärker noch als im Bundesschnitt (-0,33 Prozentpunkte).

Auf Landesebene ist St. Wendel der Landkreis mit der geringsten Überschuldungsquote. Sie liegt hier bei 6,06 Prozent. Im bundesweiten Vergleich aller Landkreise und kreisfreien Städte landet der Kreis St. Wendel damit auf Platz 90. Dahinter folgen:

  • Saarpfalz-Kreis, 7,44 Prozent, Platz 192
  • Kreis Merzig-Wadern, 7,54 Prozent, Platz 202
  • Kreis Saarlouis, 8,22 Prozent, Platz 250
  • Kreis Neunkirchen, 10,8 Prozent, Platz 359

Schlusslicht ist der Regionalverband Saarbrücken: Mit einer Überschuldungsquote von 12,28 Prozent landet er auf Platz 373 (von 400).

Gestiegene Kosten lassen Trendwende befürchten

Betrachtet man die langzeitige Entwicklung der Bundesländer, so hat sich das Saarland seit 2004 zwar leicht verschlechtert, bleibt aber seit 2013 konstant vor Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Sachsen-Anhalt und Bremen.

Bundesweit nimmt die Zahl der überschuldeten Verbraucher zum fünften Mal in Folge ab. Die sogenannte „harte“ Überschuldung (juristische Sachverhalte) sinkt weiter.

Allerdings ist die „weiche“ Überschuldung, also die Zahl der Menschen mit nachhaltigen Zahlungsstörungen, erstmals seit 2020 wieder leicht gestiegen. Creditreform führt das vor allem auf die drastisch gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten sowie auf den Nachholbedarf beim Konsum nach den Corona-Jahren zurück und sieht eine „Trendwende“. Es seien erneut mehr Menschen in eine Überschuldungsspirale geraten als in den Vorjahren.


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