Ein Tierarzt gibt einem Pferd eine Narkosespritze (Symbolbild) (Foto: IMAGO / Frank Sorge)

Tierarzthelferin zu Bewährungsstrafe verurteilt

  18.01.2022 | 18:33 Uhr

Das Amtsgericht Saarbrücken hat eine frühere Tierarzthelferin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sie muss zudem 1800 Euro an den Tierschutzbund zahlen. Der Frau wurde vorgeworfen, Pferden ohne Notwendigkeit Narkosemittel gespritzt zu haben. Zwei Pferde starben an dem Wirkstoff, zwei weitere mussten eingeschläfert werden.

Es war ein ungewöhnlicher Fall, der das Amtsgericht Saarbrücken seit Anfang Dezember beschäftigt hat. Eine 31 Jahre alte frühere Tierarzthelferin soll ihren Patienten-Pferden tödliche Medikamente verabreicht haben.

Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilte das Gericht die Frau zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Zusätzlich muss die Frau 1800 Euro an den Tierschutzbund zahlen. Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

Angeklagte bestreitet Vorwürfe

Die Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und in ihrem Schlusswort betont, sie habe "definitiv nichts damit zu tun". Für das Gericht gab es jedoch keinen Zweifel: Die frühere Mitarbeiterin einer Pferdeklinik in Überherrn soll ohne tiermedizinische Berechtigung und Indikation Pferden in der Klinik und in einem Stall in Dudweiler Narkosemittel injiziert haben.

Vier tote Pferde

Zwei Tiere starben an dem Wirkstoff, der im Blut nachgewiesen wurde. Zwei weitere Tiere mussten wegen der Folgen eingeschläfert werden. Drei Pferden wurden zudem länger anhaltende, erhebliche Schmerzen zugefügt. Sowohl Richter als auch Oberstaatsanwalt waren davon überzeugt, dass die Angeklagte noch für weitere Fälle verantwortlich sei. Dass diese nicht angeklagt wurden, sei nur darauf zurückzuführen, dass von jenen Pferden keine Blutproben vorgelegen hätten.

Betroffene recherchierte Fälle

Tierärztin Bianca Schwarz, die damalige Leiterin der Pferdeklinik, deren eigenes Pferd zu jenen zählte, das ohne ersichtlichen Grund akutes Herz-Kreislaufversagen erlitt und eingeschläfert werden musste, hatte insgesamt 15 Fälle gesammelt, die ihrer Ansicht nach auf dieselben Ursachen zurückgingen. Die Europäische Spezialistin für Innere Medizin des Pferdes hatte umfangreiche Recherchen angestellt, um die Ursachen für den Tod der Tiere zu finden.

Hinweise auf Verunreinigungen im Heu oder Viren-Erkrankungen fanden sich nicht. Stattdessen entdeckte sie, dass bei allen Fällen die Angeklagte in direktem Umfeld der Pferde gewesen war. Zudem wurden in deren Auto jene Medikamente gefunden, deren Substanz später im Blut der betroffenen Tiere nachgewiesen wurde.

Oberstaatsanwalt Christoph Rebmann sagte, man müsse strafverschärfend berücksichtigen, welches "emotionale Band" die Besitzer zu den betroffenen Pferden gehabt hätten. Das bestätigte auch Richter Thomas Haug: "Nicht nur den Tieren ist großes Leid zugefügt worden, sondern auch den Haltern."

Verteidigung hat Berufung eingelegt

Die Frage nach dem Motiv der Angeklagten blieb bei dem Prozess offen. Anhaltspunkte für eine psychologische Störung hatte eine Gutachterin nicht gefunden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Noch im Gerichtssaal legte der Verteidiger Berufung ein.

Über dieses Thema berichtete auch die SR 3 Rundschau am 18.01.2022.

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