Die Brut- und Setzzeit hat begonnen

Kinderstube der Wildtiere: Jetzt ist Rücksicht geboten

Renate Wanninger   09.03.2021 | 11:00 Uhr

Am 1. März hat wieder die Brut- und Setzzeit begonnen und sie geht bis Ende Juni. Es ist die Zeit, in der viele heimische Vögel und die Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen und aufziehen. Deshalb sollten sich Spaziergänger, Sportler und Hundebesitzer an bestimmte Regeln halten, um die Tiere nicht zu stören.

Gassi-Regeln für den Wald

Hund im Wald (Foto: SR)

Für Hundebesitzer gehört sie zum Alltag: die Gassi-Runde. Gerne auch im Wald. Das Waldgesetz regelt, worauf man als Hundehalter dabei achten muss. Und im Frühjahr, wenn die Wildtiere ihren Nachwuchs aufziehen, gelten ganz besondere Regeln. Vom 1. März bis zum 30. Juni dürfen nur noch die Hunde ohne Leine geführt werden, die zuverlässig im Bereich der Wege bleiben. „Zuverlässig“ bedeutet hier: Der Hund folgt zuverlässig und hört aufs Wort. Für alle anderen heißt es: Gassi nur mit Leine, sonst droht ein Bußgeld. Geregelt ist dies im Jagdgesetz. Doch Achtung: In den einzelnen Kommunen kann es noch weiter eingeschränkt sein.

Wandern, Radeln, Spazieren gehen

Ein Mountainbiker fährt durch den Wald (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Karmann)

Doch nicht nur für Hundesbesitzer gelten in der Brut- und Setzzeit besondere Regeln. Auch Spaziergänger, Wanderer und Sportler sollten in dieser sensiblen Zeit für die Tiere Rücksicht nehmen. Das heißt: Wer jetzt im Wald unterwegs ist, sollte auf den Wegen bleiben. Und Montainbiker sollten darauf verzichten, querfeldein zu fahren, denn es gibt Wildtiere, die sehr leicht auf Störungen reagieren - so zum Beispiel der Rotmilan, der bei Störung seine Brut verlässt.


Finger weg von Wildtieren


Wildschwein-Frischling (Foto: pixabay (CC0))

Jedes Jahr im Frühling können theoretisch unwissende Tierfreunde sogar zu Wilderern werden. Beim Spazieren im Wald entdecken sie scheinbar mutterlose Tierbabys und nehmen sie mit nach Hause. Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, dürften aber nur von denjenigen an sich genommen werden, die auch das Jagdausübungsrecht haben. Das heißt: Die wohlmeinenden Tierfreunde machen sich formell der Wilderei schuldig. Und nicht nur das: Man schadet meist auch den Tieren - auch wenn man es nur gut meint, weil man überzeugt ist, dass das Tier in Not ist.

Wenn man ein junges Wildtier, ob Rehkitz, Wildschweinfrischling oder Wildkatze, im Wald findet, gilt erst mal: Ruhig bleiben und aus der Entfernung beobachten. Bei Weitem nicht jedes junge Wildtier, das man allein auffindet, ist von seiner Mutter auch verlassen worden. Meist ist die Mutter in der Nähe.

Auch auf ein Streicheln von Jungtieren im Wald sollte man verzichten. Allein dieser Körperkontakt kann schon dazu führen, dass die Elterntiere ihre Jungen nicht mehr annehmen. Man tut den Tieren keinen Gefallen und sich selbst meist auch nicht.

Aufzucht von Wildtieren ist problematisch

Die Aufzucht von Wildtieren in Gefangenschaft ist problematisch. Die Sterberate liegt höher als in freier Natur. Sollte es trotzdem gelingen, das Tier aufzuziehen, gibt es dann spätestens bei der Wiederauswilderung Probleme. Die Tiere sind meist zu stark auf den Menschen geprägt und zeigen zudem aus Sicht ihrer Artgenossen Fehlverhalten.

Was tun, wenn ein Wildtier wirklich in Not ist?

Wenn man sich unsicher ist, ob ein junges Tier im Wald Hilfe braucht, sollte man sich auf jeden Fall und direkt an einen Sachverständigen wenden. Das kann der örtliche Jäger sein, aber auch Polizei und Tierschutzstiftung können weiterhelfen. So erspart man sich und auch den Tieren eine Menge Stress und Ärger.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 09.03.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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