Ihre Bergbaugeschichten am Barbaratag

  29.11.2011 | 13:50 Uhr

Am 4. Dezember 2011 wurde zum letzten Mal im Saarland der Barbaratag von aktiven Bergleuten begangen. SR 3 hat an diesem Tag sein Programm ganz dem Bergbau und den Geschichten der Menschen gewidmet. Was sie zu erzählen hatten, gibt es hier zum Nachhören.

Ihre Bergbaugeschichten am Barbaratag

Am 4. Dezember 2011 wurde zum letzten Mal im Saarland der Barbaratag von aktiven Bergleuten begangen. SR 3 hat an diesem Tag sein Programm ganz dem Bergbau und den Geschichten der Menschen gewidmet. Was sie zu erzählen hatten, gibt es hier zum Nachhören.

(04.12.2011) Am 30. Juni 2012 wird die letzte Schicht in der Grube Ensdorf gefahren. Danach ist für immer Schluss mit der Kohleförderung an der Saar. SR 3 Saarlandwelle wird dieses Ereignis intensiv begleiten. Mit Berichten über die aktuelle Lage, mit Ausblicken, mit einem Blick auf die bewegte Geschichte der Saarkohle und auf die Menschen, die diese Geschichte miterlebt haben.

"Die letzte Barbarafeier" [SR 3, Karin Mayer, 05.12.2011, Länge: 3:23 Min.]
"Die letzte Barbarafeier" [SR 3, Karin Mayer, 05.12.2011, Länge: 3:23 Min.]

Alltägliches, Sensationelles aber auch Trauriges

Am 4. Dezember, dem Tag der Barbarafeier, gab es auf SR 3 Saarlandwelle bereits einen ganzen Tag Geschichten von Menschen, deren Leben vom Bergbau geprägt wurde. Es gab Anekdoten, Alltägliches, Sensationelles aber auch Trauriges aus der Ära der saarländischen Kohleförderung. Die Geschichten gibt es hier nochmal zusammengefasst zum Nachhören.

Die Geschichten

Das erste Mal
Zum Einstieg geht's um den Einstieg, um das erste Mal. Günter Preßer lebt in Schiffweiler und war Anfang der 60er Jahre zum ersten Mal unter Tage. Und dort hat er nicht nur die Arbeitswelt des Bergmanns kennengelernt, sondern auch seltsame Riten und Gebräuche. 

Das letzte Mal
Nach den Erinnerungen über die erste Einfahrt erzält Ludwig Schmitz aus Jägersfreude über seine letzte Schicht. Ludwig Schmitz ist mittlerweile in seinen 70ern, aber er pflegt und hegt immer noch das Andenken an den Bergmannsberuf, obwohl er selbst irgendwann gesagt hat: Für mich ist jetzt Schluss mit Untertage.

Das Hasenbrot
Nicht nur die Bergmänner wissen Geschichten zu erzählen. Auch die Angehörigen haben jede Menge intensiver Erinnerungen. Erinnerungen an große, bedeutende Ereignisse, aber auch an das vom Bergbau bestimmte Alltags-Klein-Klein. So zum Beispiel Sieglinde Urschel aus Großrosseln. Bei ihr geht es um eine Institution, die hier nicht fehlen darf: das berühmte bergmännische Hasenbrot.

Kein leichtes Leben
Überall, wo Bergbaugeschichten erzählt werden, schwingt auch immer etwas Stolz und das hohe Ansehen des Bergbmannsberufs mit. Aber eben nicht nur. Günther Klahm aus St. Ingbert ist heute Grundschulrektor. Er ist Sohn eines Bergmanns und aus heutiger Sicht war das für ihn nicht immer leicht.

Der Beruf hat sicher verändert, der Zusammenhalt ist geblieben
Peter Steinmetz ist ein Bergmann der neuen Generation. Er hat Bergbau studiert, war lange untertage und ist nun damit beschäftigt, sich um die Grundstücke der stillgelegten Gruben zu kümmern. Wenn er, der vergleichsweise junge Bergmann, auf die alten Haudegen trifft, dann spürt er beides: dass der alte Zusammenhalt noch besteht und dass sich der Beruf in den letzten Jahrzehnten sehr, sehr verändert hat.

Mit jeder Pore ein Bergmann
Kalle ist Mitte 70, wohnt in Elversberg und ist ein Bergmann von altem Schrot und Korn. Sein Spitzname, der "Uzname", ist ihm näher als sein eigentlicher Name: Adolf Braun. Im Keller hat er ein kleines Bergbaumuseum eingerichtet mit allerlei Erinnerungsstücken und Steinfunden. Obwohl er schon über 20 Jahre pensoniert ist, atmet er noch mit jeder Pore den Bergmannsberuf - so traumatisch und betrüblich sein Arbeitsalltag manchmal auch war.

Eine Krankenschwester erinnert sich
Ingrid Fuchs aus Sulzbach war Zeit ihres Lebens vom Bergbau umgeben - auch und gerade in ihrem Berufsleben. Sie war Krankenschwester und hat sich vor allem um Bergleute gekümmert. Sie schildert ihre Erinnerungen an die Menschen, denen sie Jahrzente lang versucht hat, wieder auf die Beine und damit untertage zu helfen.

Ein Pausen-Held
Bergbau, das bedeutet: harte Knochenarbeit. Aber es gibt auch Geschichten, die sich nicht ums Arbeiten, sondern um das willkommene Nicht-Arbeiten drehen. Michael Berrang wohnt heute in Waldmohr, und er hat sich als junger Mann mal um die Freizeit seiner Kollegen ganz besonders verdient gemacht.

Ein Leben in der Gemeinschaft
Eine Sache wird beim Thema Bergbau fast immer angesprochen: der schon legendäre Zusammenhalt der Bergleute. Hans-Philipp Ney aus Schwalbach-Elm wollte beispielsweise eigentlich nur eine witzige Story rund um einen Untertage-Transformator erzählen, schlussendlich wurde es aber eine Geschichte über die große Geselligkeit der Menschen im Bergbau.

Die Angst war immer mit dabei
So stolz die Bergmänner auf ihren Berufsstand und ihre Arbeit sind, wenn man näher nachfragt, mischt sich häufig auch ein ganz anderes Gefühl in ihre Erzählungen: die Angst. Manfred Prinz aus Jägersfreude war 1951 zum ersten Mal untertage. Die Gefahren, die tausend Meter unter der Erde lauern, haben ihn immer belastet.

Das Grubenunglück von Luisenthal
Dass die Gefahren untertage kein Hirngespinst sind, das bekamen die Menschen hier in der Region immer wieder schmerzhaft zu spüren. So auch Bernd Wagner aus Luisenthal, den seine Erinnerungen immer wieder ins Jahr 1971 zurückführen.

Ein erfüllter Arbeitsalltag
Viele Bergleute erzählen mit Stolz davon, wie erfüllend der Arbeitsalltag im Bergwerke sein konnte. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, das durfte und musste Peter Steinmetz aus Neuweiler erfahren. Heute ist er studierter Bergbauingeneur, aber damals, als es zum ersten Mal in die Grube ging, da war er noch blutiger Anfänger.

Ein Altersruhesitz zwischen Fördertürmen und Bergehalden
Mit dem Bergbau verbinden die Menschen, auch viele Bergleute selbst, nicht immer nur Gutes. Zum Beispiel ist nicht jeder davon begeistert, was die Kohle- und Stahlindustrie, die Fabrik- und Förderruinen aus der saarländischen Landschaft gemacht haben. Aber vielleicht haben wir Saarländer nur den falschen Blick darauf? Christine und Jürgen Beerbaum aus Ostdeutschland jedenfalls haben sich bewusst dafür entschieden, ihren Lebensabend zwischen Fördertürmen und Bergehalden zu verbringen.

Sulzbach - eine Stadt im Wandel
Wie sehr das Saarland mit dem Bergbau verbunden ist, das haben viele erst gemerkt, als es mit dem Bergbau zuende ging. Ingrid Fuchs erzählt, wie sie in ihrer Stadt Sulzbach diesen Wandel erlebt hat. Es ist die Geschichte einer großen Zeit und eines traurigen Niedergangs.

Wie Neunkirchen zur Heimat wurde
Günther Preßer lebt in Schiffweiler und ist Neunkircher aus Überzeugung. Er hätte ohne den Bergbau seine Stadt wohl nicht so kennengelernt, wie es dann der Fall war. Seine Jugend als Bergbaufrischling in den 60er Jahren hat ihm zudem das Neunkircher Kneipen- und Nachtleben erschlossen.

Eine echte saarländische Bergmannsfamilie
Hans-Philipp Ney und seine Frau Gerlinde schildern, was es heißt, eine echte saarländische Bergmannsfamilie zu sein - mit allen schönen Seiten, aber auch mit allen Opfern, die gebracht wurden.

Noch mal Glück gehabt
Verletzungen gehören auch zum Bergmannsalltag und sollen hier nicht verschwiegen werden. Michael Berrang wohnt heute in Waldmohr und erzählt, wie er beinahe nicht nur sein Herzblut im Stollen zurückgelassen hätte.

Eine richtige saarländische "Story"
Eine Bergbaugeschichte, die eine richtige saarländische "Story" ist, weiß Peter Steinmetz aus Neuweiler zu erzählen. Es ist eine Geschichte, die sicherlich über viele Gruben die Runde gemacht hat.

Eine Anekdote aus dem Bergmannsalltag
Die Geschichte von Ludwig Schmitz aus Jägersfreude braucht eigentlich keine weiterführende Einleitung. Diese Anekdote steht für sich.

Trauer und Zusammenhalt - Hand in Hand
Ingrid Fuchs lebt in Sulzbach und sie könnte stundenlang davon erzählen, wie der Bergbau die Menschen um sie herum geprägt hat. Auch, wie Trauer, Loyalität und Zusammenhalt oft Hand in Hand gegangen sind.

Zwei große Lieben
Die letzte Bergbaugeschichte kommt von Kalle. Kalle, der eigentlich Adolf Braun heißt, ist 75 Jahre alt und lebt in Elversberg. Es ist die Geschichte, wie er sich für seine beiden großen Lieben entschieden hat: seine Ehefrau und den Bergbau.

Buchtipp

Der saarländische Steinkohlebergbau
Ende Juni 2012 ist Schluss mit dem Bergbau im Saarland. Jetzt ist der erste Band einer Triologie erschienen, der mit zahlreichen Fotos und Geschichten den Saarbergbau und das Leben der Menschen mit ihm dokumentiert. [mehr]

Dossier

Am 30. Juni 2012 endete offiziell der Bergbau im Saarland. Damit geht eine über 250-jährige Geschichte zu Ende, die die Region und das Leben der Menschen nachhaltig geprägt hat. SR-online beleuchtet in einem Dossier noch einmal diese besondere Ära an der Saar. [zum Dossier]

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