Bus an einer Bushaltestelle (Foto: SR / Felix Schneider)

ÖPNV-Ärger in der Baustellenzeit

Stephan Deppen   13.09.2022 | 12:00 Uhr

Sommerzeit ist Baustellenzeit. Auch im Saarland. Und auch in diesem Jahr. Autofahrer quälen sich durch die Umleitungen und mit ihnen die Linienbusse. Die Folge: allenthalben Verspätungen und verärgerte Fahrgäste. Schlechte Planung oder gibt es dafür auch noch andere Gründe?

Joachim Barth kann so schnell nichts mehr schrecken. Er ist seit 31 Jahren Berufskraftfahrer und Busfahrer bei der heutigen Saarbahn. Umleitungen und Verspätungen sind für Barth und seine Kolleginnen und Kollegen aber zusätzlicher Stress.

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ÖPNV-Ärger in der Baustellenzeit
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 13.09.2022, Länge: 02:49 Min.]
ÖPNV-Ärger in der Baustellenzeit

Längere Fahrzeiten reduzieren die Pausen der Fahrerinnen und Fahrer und der Laune der Fahrgäste sind die Verspätungen auch nicht zuträglich. "Wir sind die ersten Ansprechpartner für die Fahrgäste und wir bekommen den ganzen Stress dann ab", so Barth. Man würde dann immer wieder erklären, woran es liege und die meisten Fahrgäste würden dann auch ganz einsichtig reagieren. Aber eben nicht alle.

Beispiel gesperrte Stadtautobahn

Im Sommer gab es wegen Sanierungsarbeiten auf der Saarbrücker Stadtautobahn im Bereich Messegelände einen längere Sperrung. "Wir hatten Verspätungen von über einer Stunde", so Barth. Verständlich, dass dann die Fahrgäste sauer sind.

Dominoeffekt

Eine solche Verspätung setze dann einen Dominoeffekt in Gang - auch für die Fahrer und die Organisation anderer Linien, so Saarbahn-Sprecherin Ulrike Reimann. "Der Fahrer hat Verspätung, er kann seine Pause nicht einhalten, der kommt nicht rechtzeitig und wenn er für den Nachmittag für eine andere Linie eingeteilt ist, fällt diese Linie dann aus, weil der Fahrer nicht rechtzeitig zur Ablöse kommen kann."

Verspätungen vorprogrammiert

Im ÖPNV gibt es kurze und lange Linien. Wenn im Verlauf einer langen Linie mehrere Baustellen aufeinander treffen, dann sind die Verspätungen quasi vorprogrammiert. "Auf einem Langläufer gab es manchmal bis zu fünf Baustellen auf der Strecke", so Reinmann. So zum Beispiel zwischen Klarenthal und Friedrichsthal.

Unvorhergesehene Umleitungen und geänderte Arbeitsschutzrichtlinie

Baustellen, die geplant sind, werden eigentlich mit der Saarbahn abgesprochen. Hinzu kommen aber unvorhergesehene Umleitungen. Und eine geänderte Arbeitsschutzrichtlinie gilt es bei der Planung auch zu beachten: "An einer Straße, wo früher einseitig gesperrt war, ist jetzt eine Vollsperrung", so Reinmann. Dann müsse der Bus eine ganz andere Strecke fahren und unter Umständen sei dann auch der Einsatz eines Gelenkbusses nicht möglich. Und dann wird es nicht nur auf der Straße, sondern auch im Bus eng.

Während der letzten Monate, so Reimann selbstkritisch, habe der ÖPNV den Kunden einiges abverlangt, aber: "Es ist nicht immer unsere Schuld. Und es ist vor allem nicht die Schuld der Fahrer."

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 12.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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