Willkommen in Hoof (Foto: SR/Susanne Wachs)

In Hoof bei St. Wendel meistert man die Krisen gemeinsam

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Lisa Huth   06.11.2022 | 12:00 Uhr

Energiekrise und Inflation treffen alle, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben. Doch geht man auf dem Dorf vielleicht anders damit um? SR 3-Reporter Patrick Wiermer hat das saarländische Vorzeigedorf Hoof besucht. Von dort brachte er die überraschende Aussage mit: "Die Krise betrifft uns eigentlich nicht."

Das Dorf Hoof musste sich wie viele Orte auf dem Land neu erfinden. Es liegt im Ostertal bei Sankt Wendel. Knapp 1000 Menschen leben dort.

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In Hoof bei St. Wendel meistert man die Krisen gemeinsam
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 06.11.2022, Länge: 03:22 Min.]
In Hoof bei St. Wendel meistert man die Krisen gemeinsam

Ortsvorsteher Gernot Müller blickt heute auf ein reges Dorfleben. Davon zeugen die Fotos an den Wänden des Dorfladen-Bistros. Auf der Seite von www.hoof-im-ostertal.de heißt es darüber: "Das Dorfladen-Bistro entstand aus der ursprünglichen Idee, einen täglichen Zeitungs- und Backwarenverkauf im Dorfgemeinschaftshaus einzurichten und zugleich einen Kommunikationstreffpunkt zu schaffen, der durch die Aufgabe des letzten Geschäfts im Ort fehlte."

Es gibt eine lokale Allianz für Menschen mit Demenz, viele Veranstaltungen, vom Boule-Turnier über Konzerte bis hin zu einer Sport- und Spielolympiade der Dorfjugend. Das macht Hoof aus.

Gernot Müller geht sogar noch einen Schritt weiter. Die aktuellen Krisen seien wegen der Gemeinschaft kaum zu spüren, sagt er. "Weil wir auf die Menschen zu gehen." Beispiel: Corona. Damals, so Müller, hätten sie 30 Menschen ausgemacht, die keine Familie oder Kinder hatten, die ihnen helfen konnten. Sie riefen sie an und bekamen die Rückmeldung, Hilfe sei nicht notwendig. Sie kämen klar, weil die Nachbarn sich kümmerten.

Viel ehrenamtliches Engagement

Wer in Hoof Hilfe braucht, kann sich aber auch direkt an Annetraud Kling wenden. Sie ist die Dorfschwester und betreut auch die rund 20 älteren Menschen im Dorf. Das reiche von Bestellungen in der Apotheke bis zur Sturzprophylaxe. Wichtig sei vor allem das Gespräch und das Gefühl, "dass sie nicht allein sind."

Auch Bernhilde engagiert sich ehrenamtlich für das Dorf. Sie koordiniert unter anderem das Projekt Smart Village, eine Art lokaler Lieferdienst, der den fehlenden Dorfladen ersetzt. Auch das bringt die Menschen wieder mehr zusammen, wenn sie die Waren zentral im Dorfbistro abholen und ins Gespräch kommen.

Aktuelle Krisen werden gelassen gesehen

Die aktuellen Krisen sähen die Älteren mit Gelassenheit, sagt Stadtler. Waschlappen statt Dusche oder sich das Badewasser zu teilen, das gab es alles schon einmal. "Die haben das alle schon mitgemacht. Da können die Jungen von lernen." Man hilft, wo man kann. Normal in diesem Dorf.

Doch auch in Hoof gibt es Herausforderung. Die meisten der 943 "Heemer" gehören zum älteren Semester, gleichzeitig gibt es etwa jedes Jahr 30 bis 40 neue Bürger. Nicht alle wollen sich ehrenamtlich engagieren. Jedenfalls noch nicht. Dabei gebe einem das Ehrenamt auch viel zurück, sagt Dorfschwester Annetraud Kling. "Wenn man helfen kann, und ist man zufrieden und denkt, ach, alles wieder gut."


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Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 27.10.2022 berichtet.

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