Industriegebiet Lisdorfer Berg, Baustelle des Möbelherstellers Nobilia (Foto: Niklas Resch/SR)

"Es wäre jetzt wichtig, dass wir Flächenrecyling betreiben"

Interview: Nadine Thielen / Onlinefassung: D. Scherer   29.12.2022 | 13:00 Uhr

Bis zum Jahr 2030 sollen 30 Prozent aller Land und Meeresflächen auf der Erde unter besonderen Schutz gestellt werden - so das Ergebnis der Artenschutz-Konferenz von Montreal. Zusammenhängende Flächen im Saarland zu schaffen werde nicht einfach, sagt Michael Grittmann vom BUND Saar. Hier sei es deshalb notwendig, Flächenrecyling zu betreiben.

Viele Beobachter sind mit dem Ergebnis der Artenschutzkonferenz in Montreal zufrieden. Michael Grittmann, der stellvertretender Vorsitzende des BUND Saar, sieht in dem Ergebnis "Rückenwind für den Natur- und Umweltschutz", denn es sei jetzt ein Ziel gesetzt und die Länder, die die Vereinbarungen nicht umsetzen, müssten sich nun erklären.

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BUND: "Es wäre jetzt wichtig, dass wir Flächenrecyling betreiben"
Audio [SR 3, Moderation: Nadine Thielen, 29.12.2022, Länge: 03:39 Min.]
BUND: "Es wäre jetzt wichtig, dass wir Flächenrecyling betreiben"

Umsetzung im Saarland

30 Prozent der Fläche im Saarland unter entsprechenden Schutz zu stellen werde jedoch nicht so ganz einfach, sagt Grittmann. Das Saarland sei dicht besiedelt und es gebe zudem ein dichtes Straßennetz. "Es wird schwierig sein, entsprechende zusammenhängende Flächen auszuweisen."

Man werde im Saarland deshalb wohl einen eigenen Weg gehen müssen mit kleineren Flächen, die dann entsprechend gut miteinander vernetzt werden. Aber auch kleinere Flächen seien für den Artenschutz hilfreich, so der BUND-Mann.

Hinzu kommen, dass man im Saarland ja schon einige Naturschutzgebiete ausgewiesen habe "und wir betreiben ja schon eine naturgemäße Waldwirtschaft." Das sei man hier schon weiter als andere Bundesländer. Und auch beim Schutz von artenreichem Grünland wie beispielsweise Mähwiesen stehe das Saarland recht gut da.

Wenn man jetzt noch einige weitere Flächen aus der Nutzung herausnehme und zusätzliche Schutzgebiete bzw. Wildnisgebiete ausweise, "bringt das auf jeden Fall etwas."

Vorrangig: Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

Wichtig sei jetzt als erstes, dass die EU-Wasserrahmenrichtlinie schnell umgesetzt werde. "Es gibt im Saarland noch viele Bäche, die nicht durchgängig sind, wo Fische und andere Organismen nicht auf und ab wandern können."

Hinzu komme, dass es im Saarland noch sehr viele Regenüberlaufbauwerke gebe. "Sie führen dazu, dass bei Starkregen ungeklärtes Abwasser aus den Kanälen in die Bäche und Flüsse schwappt", so Grittmann.

Flächenrecycling statt Ansiedlung auf der grünen Wiese

Des weiteren gebe es im Saarland nach wie vor einen relativ hohen Flächenverbrauch. Man könne es sich aber nicht mehr leisten, noch weitere Straßen zu bauen und Industriegebiete auf der grünen Wiese zu erschließen wie es aktuell für SVolt in Überherrn der Fall ist. Es sei wichtig, dass im Saarland jetzt "Flächenrecycling" betrieben werde, also dass neues Gewerbe auf bestehenden Industriebrachen ansiedelt wird.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 29.12.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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