Andrej Goworow fordert härtere Sanktionen

Ukrainischer Weltklasse-Schwimmer im Saarland gestrandet

mit Informationen von Stefan Hauch und Ulli Wagner   09.03.2022 | 12:20 Uhr

Der Weltklasse-Schwimmer Andrej Goworow stammt aus der Ukraine und wurde im Trainingslager am Olympiastützpunkt Saarbrücken vom Krieg überrascht. Er sitzt hier nun fest und fordert härtere Sanktionen gegen Russland.

Der 29-Jährige Andrej Goworow ist ein Weltklasse-Schwimmer, mehrfacher Europameister über 50 Meter Schmetterling. 2018 schwamm er Weltrekord in dieser Disziplin. Seit Januar trainiert er am Saarbrücker Olympiastützpunkt. Der Krieg gegen sein Land hat auch ihn und seine Familie schwer erschüttert. Er organisiert von hier aus Hilfe und fordert härtere Sanktionen gegen Russland.

Familie nach Polen geflüchtet

Die Familie von Andrej Goworow hat in Dnipro im Osten der Ukraine gelebt. Einen Tag vor Kriegsbeginn sind seine Ehefrau und sein Sohn mit dem Auto nach Polen geflüchtet. Die Ereignisse haben ihn überrollt: "Es ist nicht wichtig, dass ich in Sicherheit bin." Wichtig sei, dass seine Familie nun in Sicherheit ist.

Natürlich kam der Gedanke, sofort in die Heimat zurückzukehren.Aber dem Profisportler wurde davon abgeraten. Man habe ihm gesagt: "Wenn du nicht weißt, wie du mit einer Waffe umgehen sollst, dann kann das für dich und andere gefährlich werden. Lass die Profis ihren Job machen."

Hilfe und Spenden von Saarbrücken aus

Er sitzt also in Saarbrücken fest. Zusammen mit seinem Management hat er über seine Homepage eine Spendenaktion initiiert. Er vermittelt Wohnungen für Geflüchtete und hilft aus der Ferne, wo er kann mit seinen Kontakten.

Dabei versucht er irgendwie, sich weiter auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. "Es ist sehr schwer, davon los zu kommen. Bei jedem Training denkst du daran", erzählt er.

"Härteste Sanktionen zu verhängen"

Andrej hat schon einmal eine ähnliche Situation erlebt. Früher lebte er in der Ostukraine, in den von Russland nach der Annexion der Krim besetzten Gebieten. Damals musste er flüchten.

Und jetzt wieder die gleiche Situation: "Wenn Russland bekommt, was es will, dann werden wir in zehn oder fünfzehn Jahren wieder so etwas erleben", sagt er. Deshalb sei es jetzt wichtig, die "härtesten Sanktionen zu verhängen, um Russland jede Chance auf künftige Aggressionen zu nehmen."

"Ich habe keine Heimat mehr"

Wo sich seine Familie genau in Polen aufhält, will er nicht sagen. In jeder freien Minute tauschen sie Nachrichten aus. Sie wissen nicht, wie es weiter gehen wird.

"Ich habe keine Heimat mehr, weil ich nicht zurück kann.", so Goworow. Es sei einfach zu gefährlich. Seine Pläne für die Zukunft könne er nicht beschreiben: "Wir alle wissen nicht, was morgen ist, ob der Krieg endet oder nicht."

Und so versucht er täglich, sein Training einigermaßen durchzuziehen und sich abzulenken. Und er hofft, wie alle Ukrainer darauf, dass der Krieg irgendwie ein Ende findet.

Ein Thema in der "Region am Mittag" vom 09.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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