Der Spielplatz in der Odakerstraße. Foto: SR (Foto: SR / Nadja Dominik)

Spielen im Autobahnlärm

Nadja Dominik   10.06.2021 | 11:27 Uhr

Es könnte alles so schön sein. Idyllisch gelegen direkt an der Saar, ganz neu und hübsch gemacht ist der Spielplatz in der Odakerstrasse in Saarbrücken. Aber der Lärm der Stadtautobahn ist deutlich zu hören. Der BUND fordert eine Lärmschutzwand. Die Stadt spricht von "Wunschdenken".

Rund 100.000 Autos rasen hier täglich durch, schätzt Karsten Bach vom BUND. Neben den Emissionen, Reifenabrieb und Schadstoffen ist ihm der Lärm ein Dorn im Auge:

"Wir haben bis zu 75,5 Dezibel in einer relativ vekehrsarmen Zeit. Und diese Zone, wo der Spielplatz liegt, ist in der interkativen Lärmkarte des Umweltbundesamtes als tieflila, als höchste Lärmzone, gekennzeichnet."

25 Meter neben der Autobahn

Zugegeben, wer auf diesen Spielplatz mit seinen Kindern geht, weiß: hier wird es laut. Schließlich liegt der nur rund 25 Meter neben der Stadtautobahn. Muss man mögen. Und den Eltern und Kindern macht der Lärm soweit nichts aus. Man könnte ja auch weg bleiben. Und man bleibt ja auch sowieso nicht stundenlang. Allerdings, solche Werte machen schon nachdenklich. Hinzugezogene Ärzte warnen laut BUND vor Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu organischen Beschwerden.

Eltern sollen nun mit Flugblättern auf die Situation hingewiesen werden. Und es geht nicht nur um Lärm: An diversen Stellen könnten die Kinder ungehindert auf die Autobahn gelangen. Das sei lebensgefährlich, sagt Karsten Bach. Es gibt keinen Zaun, keine Sicherungen.

Stadt in der Pflicht?

Der BUND sieht die Stadt in der Pflicht. Schon beim Neubau des Spielplatzes hätte man eine Lärmschutzwand und Zäune errichten sollen- oder gleich umziehen, auf die andere Seite der Autobahn. Dort steht ein Mountainbikeareal mit einem Lärmschutz. Und dort gebe es Freiflächen für einen Spielplatz.

Die Fläche an der Autobahn gehört dem Bund. Die Stadt ist also für eine Lärmschutzwand nicht zuständig. Ganz schnell eine solche zu errichten: das ist Wunschdenken, sagt Carmen Dams, die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe:

"So eine Lärmschutzwand ist auch mit einem Planungsverfahren verbunden. Das dauert Jahre."

Lösung nur langwierig

Und da es sich auch um kein Wohngebiet handelt, ist man seitens des Bundes auch nicht verpflichtet, hier eine Lärmschutzwand zu errichten. Der Spielplatz besteht schon seit Jahrzehnten, er liegt schon immer neben der Autobahn.

Und bisher sei auch noch nie ein Kind auf die Autobahn gelaufen, das abrasierte Grün würde sicher bald nachwachsen, sagt Carmen Dams. Sie würde sich eine Lärmschutzlösung für die gesamte Autobahn wünschen und sieht für den Spielplatz Odakerstrasse zur Zeit keine Lösung: "Es sind viele Stellen in der Stadt vom Lärm betroffen, dass es grundsätzlich einer Lösung bedarf. Die Stadt führt schon entsprechende Gespräche mit dem Bund für eine dauerhafte Lösung."

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