Fan-Banner gegen Homophobie (Foto: SR)

"Es ist nicht egal, was in den 90 Minuten passiert"

Vortragsveranstaltung des Fanprojekts "Innwurf" zu Diskrimierung im Fußballstadion

Frank Grundhever   27.03.2022 | 12:15 Uhr

Ein Transparent gegen Homosexuelle, rassistische Zwischenrufe, rechtsradikale Gesten - immer wieder sind solch zweifelhafte „Statements“ in den Fußballstadien zu beobachten. Auch im Saarland. Um das Problem noch stärker ins Bewusstsein zu rücken, hat das Fanprojekt „Innwurf“ zu einem Vortragsabend ins Jugendzentrum Försterstraße in Saarbrücken eingeladen.

Diskriminierung im Fußball - das war und ist auch weiterhin ein großes und schwieriges Thema. Der Historiker Peter Römer, in Hamburg geboren, ist St.Pauli-Fan, auch wenn er mittlerweile in Münster lebt.

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Fanprojekts "Innwurf": Vortragsveranstaltung gegen Diskriminierung
Audio [SR 3, Frank Grundhever, 27.03.2022, Länge: 03:02 Min.]
Fanprojekts "Innwurf": Vortragsveranstaltung gegen Diskriminierung

"Zivilcourage ist extrem wichtig", sagt Römer. Egal wo - ob beim Kreisliga- oder beim Bundesligaspiel. Solange es weiterhin Affenlaute, schwulenfeindliche Äußerungen oder den Hitler-Gruß im Stadion gibt - so lange sei Überzeugungsarbeit zu leisten.

"Mit ist es wichtig, dass die Menschen verstehen, dass das, was im Stadion passiert, auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung hat", so Römer.

Das Fanprojekt „Innwurf“ hatte ihn zu dem Thema als Referenten nach Saarbrücken ins Jugendzentrum Fördertraße eingeladen und viele waren der Einladung gefolgt.

"Es ist nicht egal, was in den 90 Minuten passiert"

Römers Credo lautet: Mund aufmachen im Stadion, wenn homophobe, rassistische oder rechtsradikale Tendenzen zu erkennen sind. Es sei eben nicht egal, ob man eingreife oder nicht. Es sei vielmehr von großer Bedeutung, denn wenn sich diskriminierende Äußerungen wieder einschlichen, sei es sehr schwierig, "das wieder raus zu bekommen."

Es findet ein langsames Umdenken statt

Nach Römers Vortrag gab es eine Gesprächsrunde und dabei bestätigte sich für Römer: Ein langsames Umdenken scheint - zumindest in manchen Bereichen - stattzufinden. Es werde von vielen inzwischen sehr kritisch gesehen, wenn in der Fankurve beispielsweise homophobe Gesänge angestimmt würden.

So beispielsweise auch beim 1.FC Saarbrücken. Hier gibt es eine wache Fan-Kurve, die kritisch ist und sich immer wieder unter anderem mit Spruchbandaktionen gegen Homophobie oder Rassismus positioniert!

"Wir als Fanszene müssen hier dauerhaft aktiv sein"

Doch Spieler, Clubs und Fans sehen zurecht weiterhin Handlungsbedarf gegen Diskriminierungstendenzen. Und erreichen kann man nur was gemeinsam. Das war auch der Tenor des Vortragsabends und das betont auch Holger Schmidt vom "Innwurf"-Fanprojekt: "Der Kampf gegen die Diskriminierung fängt nicht automatisch beim Verein an, sondern fängt bei jedem Fan persönlich an." Es gehe um das persönliche Engagement jedes einzelnen. "Wir als Fanszene müssen hier dauerhaft aktiv sein", so Schmidt. Das färbe auf den Einzelen ab und auch auf die Vereine.

Wie sich die Fankultur während der Corona-Pause entwickelt hat, das müsse man abwarten. "Wir sind in einer sehr spannenden Phase, weil wir nicht genau wissen, was nach zwei Jahren ohne aktive Fans im Stadion die Zukunft der Fankultur sein wird", sagt Schmidt. Er hoffe darauf, dass sich - auch durch Veranstaltungen wie jetzt in Saarbrücken - das Bewusstsein bei den Fans in der Zeit schon so weit verändert habe, dass sie als Korrektiv bei diskriminierenden Äußerungen wirkten.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 24.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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