Wildschwein im Wald (Foto: SR)

Wenn die Wildschweine durch den Ort ziehen

Julia Becker-Maleska   30.11.2021 | 10:00 Uhr

Landauf, landab sind sie wieder unterwegs und wühlen sich durch Parks und Gärten: Wildschweine. Geht von ihnen eine Gefahr aus? Und was kann man gegen die ungebetenen Besucher tun?

Unter normalen Umständen seien Wildschweine für Menschen nicht gefährlich, sagt Marc Schmitt. Er ist Jäger und Vorsitzender der Schwarzwild-AG Saarland. Nur wenn sie Frischlinge dabei hätten, sich bedroht oder in die Enge gedrängt fühlten, krank oder verletzt seien, könne es unter Umständen sein, dass die Tiere angreifen.

Mülltonnen-Plünderer

Warum sie in die Dörfer und sogar Städte kommen ist einfach erklärt: Hier finden sie in den Mülltonnen Futter: "In Hessen ist es der Waschbär, der die Mülltonnen leert, in den USA der Schwarzbär und hier, bei uns im Saarland, sind es eben die Wildschweine", sagt Jäger Karl Heinz Schmitt.

Population stark angestiegen

Wildschweine gab es schon immer: Aber es sind jetzt mehr. Durch die milden Winter und weil die Tiere überall was zu fressen finden, sterben kaum Tiere auf natürlichem Weg.

Noch vor einigen Jahren sind viele Frischlinge erfroren. Außerdem könne eine Bache jährlich mehr als einmal Frischlinge bekommen, erklären die Jäger - inzwischen können bis zu viermal pro Jahr kleine Ferkel im sogenannten Wurfkessel liegen.

Der einzige Weg

Der einzige sinnvolle Weg, den Wildschweinbestand zu reduzieren und die Tiere zu vergrämen, also nachhaltig zu vertreiben, sei eine strikte Bejagung, sagt Marc Schmitt. Wenn beispielsweise ein Frischling aus einer Rotte geschossen werde, würden sich die Tiere das merken und den Ort dann eher meiden.

Nicht selbst Versuche unternehmen

Schmitt rät davon ab, selbst zu versuchen, die Tiere zu vertreiben. Böller und ähnliches würden nicht wirklich funktionieren. Der Griff zum Gift sei absolut tabu. Das sei Tierquälerei.

Und auch zu versuchen, den eigenen Hund auf die Tiere zu hetzen, sei keine gute Idee. "Eine erfahrene Rotte lässt sich von einem Haushund nicht so leicht in die Flucht schlagen." Es bestehe vielmehr sogar die Gefahr, dass das Wildschwein seinen Nachwuchs oder sich selbst gefährdet sehe und zum Gegenangriff übergehe. Und das könne für den Hund tödlich ausgehen, sagt der Jäger.

Jäger bitten um Verständnis

Was sich die Jäger wünschen ist mehr Verständnis, wenn sie in Wohngebietsnähe Wildschweine jagen - wenn es auch nicht jedem Tierfreund gefällt. Nur so werden die Störungen durch Schwarzwild wirklich weniger.


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Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 30.11.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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