Whatsapp (Foto: pixabay)

Datenschutz: Dilemma für WhatsApp-Nutzer

Florian Mayer   27.08.2018 | 12:30 Uhr

Seit Ende Mai ist die neue Datenschutzgrundverordnung „DSGVO“ in Kraft. Dabei hat fast jeder mit ihr täglich zu tun – wenn das Smartphone gezückt und WhatsApp gestartet wird. Dann passiert nämlich etwas, was eigentlich gegen den Datenschutz verstößt.

Rund 1,5 Milliarden Menschen nutzen mehrmals täglich den Messaging-Dienst WhatsApp. Gleichzeitig sammelt die Smartphone-Software von diesen 1,5 Milliarden Menschen aber auch eine Reihe von Daten: den Namen, den aktuellen Standort, welches Smartphone man genau benutzt und natürlich auch: die gespeicherten Telefonnummern. Mit der Nutzung von WhatsApp hat man sich gleichzeit auch dafür entschieden, dass das Unternehmen diese Informationen über einen auch sammeln darf.

WhatsApp sammelt alle Adressbuchdaten

Eine App gegen die Datensammelwut von WhatsApp
Audio [SR 3, Florian Mayer, 27.08.2018, Länge: 03:03 Min.]
Eine App gegen die Datensammelwut von WhatsApp
Wer WhatsApp nutzt, gibt auch die Adressbuch-Daten seines Handys an das Unternehmen weiter. Das ist datenschutzrechtlich nicht in Ordnung, denn Daten dritter darf man nach der neuen Datschutzgrundverordnung nur mit Einverständniserklärung des Betroffenen außerhalb des Privatbereiches weitergeben. Ein saarländisches Unternehmen hat jetzt ein Programm auf den Markt gebracht, das dieses Problem lösen soll – zumindest für einige Smartphone-Besitzer: Whatsbox.

WhatsApp macht aber noch etwas anderes: "Wenn ich WhatsApp nutze, wird automatisch mein Telefonbuch hochgeladen zu Whatsapp und damit übermittele ich die Daten, unabhängig davon, ob es sich dabei auch um Whatsapp-Nutzer handelt oder Personen, die vielleicht ganz bewusst auf WhatsApp verzichten", sagt Monika Grethel, Chefin des Unabhängigen Datenschutzzentrums im Saarland.

Dieses Durchsuchen und Abspeichern des Adressbuchs ist nach der im Mai eingeführten Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein Problem. Eigentlich greift die DSGVO bei Privatpersonen nicht. Für Privatpersonen sei die DSGVO nicht anwendbar, wenn es nur den ganz privaten Kreis betreffe, so Grethel. "Wenn Sie nur für zuhause etwas bearbeiten, dann gilt die DSGVO nicht."

Private Daten für ein großes Unternehmen

Als Whatsapp-Nutzer gibt man die Daten aber an ein großes Unternehmen weiter. Nämlich an Facebook in den USA. Dem Social-Media-Konzern gehört Whatsapp. Und diese Form der Datenverarbeitung regelt die Datenschutzgrundverordnung ganz klar: "Grundsätzlich bedarf es für jede Datenverarbeitung einer Rechtsgrundlage, also entweder einer Einwilligung oder einer sonstigen gesetzlichen Erlaubnis", sagt die Datenschutzexpertin. Hintergrund sei, "dass jede Person schon wissen soll, was mit ihren Daten passiert und das diese nur rechtmäßig verarbeitet werden dürfen."

Das Dilemma für WhatsApp-Nutzer

Das bedeutet, dass man als WhatsApp-Nutzer jede einzelne Person, die in im Adressbuch abgespeichert ist, fragen muss, ob sie damit einverstanden ist, dass ihre Daten an WhatsApp gehen.

Ein unglaublicher Aufwand, den wohl keiner betreibt. Dabei versichert jeder, der WhatsApp nutzt, genau das. In den Nutzungsbedingungen der App steht nämlich: "Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und anderen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten."

Wer also keine Einwilligung von jedem seiner Kontakte hat, handelt gegen die Datenschutzgrundverordnung. Wer das nicht will, muss nachfragen oder schlicht auf Whatsapp verzichten – einfach so abschalten lässt sich das Durchsuchen des Adressbuches nämlich nicht.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 27.08.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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