Eine Frau spaziert bei Nebel eine Allee entlang (Foto: dpa)

Was tun gegen den Lockdown-Blues?

Interview mit Dipl.-Psych. Andreas Hemsing

Interview: Carmen Bachmann   02.11.2020 | 10:30 Uhr

Den ganzen November über heißt es: Kontaktbeschränkung und Verzicht auf lieb gewonnene Dinge wie Essen gehen oder Sport machen. Was kann man tun, um dem Lockdown-Blues zu entgehen? Und was bedeutet der Lockdown für unsere Kinder?

Im Frühjahr, als es den ersten Lockdown wegen der Corona-Pandemie gab, war bei vielen die Stimmung noch recht gut. Das Herunterfahren des öffentlichen Lebens hatte ja auch seine guten Seiten. Endlich mal etwas mehr Zeit und das Wetter spielte ja auch mit. Nun gibt es wieder einen Lockdown. Und das in diesem meist tristen Monat November.

Der erste Schritt

Der erste wichtige Schritt sei: "Ich muss anfangen, die Sache zu akzeptieren", sagt Dipl.-Psych. Andreas Hemsing. Er ist der stellvetretende Landesvorsitzende des Bundes deutscher Psychologen in Saarland. Der Grundansatz sei zu überlegen, welche Vorteile in den Beschränkungen für einen liegen könnten, welche Freiheiten man sogar hinzu gewinne.

Helfen hilft

Ein weiterer wichtiger Schritt sei, sich darüber Gedanken zu machen, wem man in der aktuellen Situation helfen könne. "Dieser Akt des Helfens bietet uns eine Menge positive Gefühle", sagt Hemsing.

Handeln statt laufen lassen

Ebenso wichtig: Den Tag aktiv zu gestalten und nicht nur alles laufen zu lassen. Ins Handeln kommen sei der Weg, "denn solange wir handeln und aktiv sind, haben wir nicht dieses massive Gefühl der Freiheitsbeschränkung." Dazu gehöre auch, Routinen zu entwickeln und klare Tagesstrukturen zu schaffen.


Audio

Psychologe Hemsing: "Kinder brauchen andere Kinder"
Audio [SR 3, Interview: Carmen Bachmann, 02.11.2020, Länge: 01:32 Min.]
Psychologe Hemsing: "Kinder brauchen andere Kinder"

"Kinder brauchen andere Kinder"

Die Kitas und Schulen sollen so lange wie möglich geöffnet bleiben. Das ist auch das Credo der Politik. Das sei auch völlig unverzichtbar, sagt der Psychologe Andreas Hemsing. "Wer Kinder aus den Schulen und Kitas raushält versündigt sich an ihrer Zukunftsentwicklung." Für Kinder sei der Umgang mit anderen Kindern essenziell. "Kinder können mit Erwachsenen nicht viel anfangen", sagt Hemsing. Sobald Kinder zum ersten Mal Teil einer Gruppe mit anderen Kindern waren, "beginnen sie, ihre Orientierung danach zu richten und nicht mehr an ihren Eltern." Wenn der Kontakt zu anderen Kindern längerfristig ausbleibe, verzögere sich damit das gesamte Entwicklungsgeschehen.

Hinzu komme, dass das Zeitgefühl von Kindern völlig anders sei als das von Erwachsenen. Eine Woche sei für sie gefühlt um ein Vielfaches länger als für uns Erwachsene. Und ein Monat sei für sie im Grunde emotional gar nicht fassbar.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 02.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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