eine Frau hält sich den Magen vor Schmerzen (Foto: dpa)

Das Dilemma mit der Diagnose

Quelle: Stephanie Balle / Onlinefassung: Christoph Stein   09.05.2018 | 16:15 Uhr

Verstehen Sie auch manchmal nicht, wenn Ihr Arzt Ihnen sagt, welche Krankheit Sie haben? Einfach weil das Mediziner-Latein unverständlich ist? Oder informieren Sie sich vor dem Arztbesuch sehr gründlich im Internet und wissen dann ganz genau, was Ihnen fehlt? Nämlich ein ganz bestimmtes Medikament, das Sie auch schon rausgesucht haben. Und stoßen mit Ihrem Wissen beim Arzt nicht auf Gegenliebe?

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Das Dilemma mit der Diagnose
Audio [SR 3, Steffani Balle, 09.05.2018, Länge: 03:04 Min.]
Das Dilemma mit der Diagnose

Hautausschlag nach einem Spaziergang entdeckt, plötzlicher Kopfschmerz, ständige Müdigkeit. Was kann das sein? Welche Krankheit gehört zu diesen Symptomen? Sobald etwas nicht stimmt, wird gegoogelt. Die Ergebnisse sind häufig- gelinde gesagt - verstörend. Da wird schnell mal aus einer Magenverstimmung eine Magenschleimhautentzündung oder Schlimmeres.

Diagnose - selbst erstellt

Diese Erfahrung macht auch Hausarzt Thomas Rehlinger immer wieder. "Es gibt öfter mal den einen oder anderen Patienten, der sich sicher ist, dass er an einem Hirntumor leidet und sich schon einen Kernspintermin genommen hat." Die Leute brächten ihren im Internet gefundenen Befund auch gleich ausgedruckt mit. Er versuche, diese Patienten erst einmal zu beruhigen und davon zu überzeugen, dass doch ein paar Untersuchungen sinnvoll wären. Meist handele es sich nämlich eher um einen banalen Kopfschmerz oder einen ausgerenkten Halswirbel als um einen Tumor.

Problem Fachchinesisch

Wer auf die Diagnose von "Dr. Google" verzichtet und gleich zum Facharzt geht, ist hinterher aber leider auch nicht immer schlauer. "Nachweis eines ausgeprägten Knochenmarködems an der ventralen Zirkumferenz des Humeruskopfes" - ein Befund, den man als Laie nicht wirklich verstehen kann.

Medizinerlatein - verständlich übersetzt

Um dem Problem des ärztlichen Fachchinesisch etwas entgegen zu setzen, haben sich zwei Ärzte mit einem IT-Berater zusammen getan und eine Internetseite ins Leben gerufen, auf der ärztliche Diagnosen in eine allgemeinverständliche Sprache übersetzt werden. Den obigen Befund "Knochenmarködem... " übersetzten sie zum Beispiel so: "Bei Ihnen hat sich Flüssigkeit in das Knochemark des Oberarms eingelagert".

Die Betreiber von washabich.de sehen ihre Mission darin, es Patienten leichter zu machen, die gestellten Diagnosen besser zu verstehen. Nutzer können auf der Seite ihre ärztliche Diagnose hochladen und bekommen es von ehrenamtlich tätigen Medizinstudenten und Ärtzen in verständliches Deutsch übersetzt. Durch die Unterstützung einer gesetzlichen Krankenkasse und durch Spenden werden die Übersetzungen kostenlos angeboten. Mit ihrer Idee haben die drei Erfinder bereits zahlreiche Preise für ihre Idee bekommen.

Arztbesuch - ein Muss

Der Befund alleine ist aber noch nicht alles. Fragen wie: Ist das, was ich habe gefährlich? Kann es chronisch werden? Was kann man tun oder geht das von alleine wieder weg? Diese Fragen werden auf der Internetseite nicht beantwortet. Dazu sollte man auf jeden Fall zu seinem Arzt des Vertrauens.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" am 09.05.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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