Zwangsversteigerung (Foto: dpa)

Zwangsversteigerung: Worauf man achten muss

Yvonne Schleinhege   05.06.2019 | 10:20 Uhr

Der Traum vom eigenen Haus: Je nach Lage muss man da mittlerweile richtig viel Geld hinlegen. Wer günstiger an ein Haus oder auch eine Wohnung kommen will, versucht es auch mal mit Zwangsversteigerungen. Auch die werden immer wieder angeboten. Doch wie geht man am besten vor, um zum Beispiel einen Mängelkauf zu vermeiden?

Es kann durchaus turbulent zugehen bei solchen Zwangsversteigerungen. Deshalb der wichtigste Tipp von Florian Becker vom Bauherren-Schutzbund: Bevor die eigene Wunschimmobilie unter den Hammer kommt, einfach mal so eine Zwangsversteigerung als Gast besuchen. Denn auf eine mögliche Versteigerung beim Amtsgericht sollte man sich sehr gut vorbereiten, damit man später keine unangenehme Überraschungen erlebt.

Amtsgerichte und öffentliche Bekanntmachungen
Meistens werden Immobilien zwangsversteigert, wenn die Eigentümer in eine finanzielle Notlage geraten. Dann leitet der Gläubiger, meist die Bank, ein Verfahren beim zuständigen Amtsgereicht ein. Genau hier findet man als Interessent dann auch die entsprechenden Angebote in der Region. Auch in der lokalen Zeitung oder im Internet unter "öffentliche Bekanntmachungen" findet man Termine von Zwangsversteigerungen

Mindestpreis als Grundlage
Der Mindestpreis für die Immobilie wird auf Grundlage eines entsprechenden Wertgutachtens ermittelt. Dieser Preis muss aber nicht erreicht werden. Diese Gutachten hält der Experte vom Bauherren-Schutzbund Florian Becker auch nicht immer für besonders aussagekräftigt. Das Problem: nicht immer kommen die Gutachter in die Immobilie rein und können es so nur von außen bewerten. Dann fehlen natürlich wichtige Informationen. Und genau das ist auch das Problem: Ein vermeintliches Schnäppchenhaus kann sich als Bruchbude entpuppen.

Gekauft wie gesehen
Denn mit dem Zuschlag beim Amtsgericht kauft man eventuelle Schäden mit. Man habe keine Gewährleistung auf den Kauf und man könne später auch nicht von dem Kauf zurücktreten oder eine Preisminderung verhandeln, erklärt der Experte. Und genau deshalb sollte man vor dem Termin bei Gereicht, alle Informationen zum Haus sammeln, die man bekommen kann. Auch die Finanzen müssen vor dem Versteigerungstermin geregelt sein.

Finanzierung vorab klären
Denn grundsätzlich gelte: Nach Kauf einer Immobilie bei einer Zwangsversteigerung habe man nur sechs Wochen Zeit, die Kaufsumme zu zahlen, so Florian Becker. Für jeden Tag, den man in Verzug kommt, fallen dann entsprechende Zinsen an. Am Termin der Versteigerung selbst muss bereits eine Sicherheitsleistung in Höhe von zehn Prozent des Verkehrspreises bereit liegen. Dazu sollte man alle Informationen zu der Immobilie zusammentragen. Deshalb der Rat des Bauherrenschutzbundes: Die Immobilie - vielleicht mit Hilfe eines Gutachters – selbst genau anschauen. Allerdings müssen die Eigentümer Interessenten dafür nicht in das Haus lassen. Gerade in solchen Fällen ist die Einschätzung eines externen Experten wohl sinnvoll, denn der kennt zumindest ganz grundsätzlich die typischen Mängel und Problem von Gebäuden aus einem bestimmten Jahrzehnt.

Ämter ablaufen und Informationen sammeln
Dazu sollten Interessenten ein paar Ämter ablaufen. Dazu gehört unbedingt der Grundbuch-Auszug. Daraus kann man die Grundschuld und andere Lasten entnehmen, die vielleicht auf dem Grundstück liegen. Manchmal gebe es auch Leitungsrechte von Versorgungsunternehmen, erklärt Florian Becker. Darüber hinaus sollte man das Baulastenverzeichnis einsehen, die Baugenehmigung überprüfen und gegebenfalls auch mit dem Denkmalschutz Kontakt aufnahmen. Könne man mit den Hausbesitzern nicht direkt sprechen, könnten natürlich auch die Nachbarn eine Informationsquelle sein, so der Tipp von Florian Becker vom Bauherrenschutzbund. Sie haben vielleicht ein Haus aus demselben Baujahr, kennen die typischen Schäden. Das ist ganz sicher nicht die zuverlässigste Quelle, aber zumindest auch eine Chance, schon mal die Nachbarschaft kennenzulernen. Auch die kann ja beim Hauskauf entscheidend sein.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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