Künstliches Gebiss mit einem Euro zwischen den Zähnen (Foto: dpa)

Zahnzusatzversicherungen: Gelassener zum Zahnarzt?

Yvonne Schleinhege   17.04.2019 | 10:20 Uhr

Kronen, Brücken oder Implantate: Spätestens, wenn so etwas beim Zahnarzt ansteht, kann es unter Umständen richtig teuer werden, denn die Krankenkasse trägt die Kosten für diesen Zahnersatz nur teilweise. Je teurer und aufwendiger der Zahnersatz ist, desto weniger bezahlt die Krankenkasse. Sinnvoll kann daher der rechtzeitige Abschluss einer entsprechenden Zusatzversicherung sein. Informationen dazu im SR 3 Verbrauchertipp.

Steht ein Zahnersatz an, beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen nur mit einem festen Zuschuss - selbst bei einer ganz einfachen Lösung (Regelversorgung), etwa einer Kassenkrone. Nach Berechnungen der Zeitschrift "Finanztest" bezahlt die Krankenkasse rund 50 bis 65 Prozent der vorgegebenen Preise für die Regelversorgung. Bei einem teuren Implantat deckt der Anteil noch nicht einmal zwölf Prozent der Kosten. Auf den Patienten können dann mehre hundert oder sogar tausend Euro zukommen.

Extras für den Mund

Besonders interessant werde so eine Police daher, wenn man sich statt einer Brücke ein Implantat wünscht, oder statt einer metallisch-glänzenden Krone lieber eine zahnfarbende Keramikkrone im Mund haben möchte, sagt Ulrike Steckkönig von "Finanztest“. Bleibt man beim Beispiel der Krone, würde die Kasse jeweils einen festen Zuschuss bezahlen, egal für welche Lösung man sich entscheide.

Wichtig: Ein Muss ist eine Zahnzusatzversicherung nicht. Wer mit der Regelversorgung zufrieden ist, kommt eigentlich auch ohne Zusatzversicherung aus. Möglich ist natürlich auch, sich einfach etwas Geld für den Zahnersatz zur Seite zu legen.

Zahnzusatzschutz abschließen

Die meisten Patienten beginnen erst mit Anfang 40 sich mit dem Thema zu befassen, also dann, wenn vielleicht schon das erste Mal eine größere Rechnung vom Zahnarzt aussteht. Allerdings könne es dann schon etwas spät sein, sagt Ulrike Steckkönig. Besser sei es, einen solchen Schutz abzuschließen, bevor die ersten großen "Zahnbaustellen“ beginnen - also ab etwas Mitte 30. Es kann nämlich drei bis fünf Jahre dauern, bis die Versicherungsnehmer auch alle vertraglichen Leistungen erhalten. Zu Beginn sind zudem die Summen begrenzt. Außerdem ist es bei vielen Versicherungen so, dass es eine gewisse "Wartezeit“ braucht, bis man die ersten Rechnungen auch erstattet bekommt. In der Regel dauert dies um die acht Monate.

Laufende Behandlungen

Vielfach Diskussionen und Beratungsbedarf gibt es auch rund um das Thema laufende Behandlungen. Sie sind in der Regel grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Eine laufende Behandlung beginnt nicht erst, wenn der Zahnarzt den Bohrer ansetzt, sondern wenn er dem Patienten eine Behandlung empfiehlt oder auf eine Schwachstelle im Gebiss hinweist. Eine entsprechende "Vorgeschichte" dem Versicherer zu verheimlichen empfiehlt sich nicht, da er mit dem Vertragsabschluss auch Zugriff auf die Patientenakte hat. Die Versicherung kann in solchen Fällen vom Vertrag zurücktreten.

234 Policen mit Test

Aktuell hat die Zeitschrift "Finanztest" 234 verschiedene Zahnzusatzversicherungen getestet. Davon haben fast zwei Drittel das Urteil "sehr gut“ oder „gut“ erhalten. Allerdings sollte man jetzt nicht einfach irgendeine Versicherung abschließen, so Expertin Ulrike Steckkönig. Dabei sollte man sich zunächst entscheiden, ob man nur einen Basisschutz möchte oder einen umfassenderen Schutz. Beim Basisschutz zahlt die Police nur den Eigenanteil der Regelversorgung. Solche Versicherungen sind daher recht günstig, etwa zwischen drei und zehn Euro im Monat. Hat man eher gehobene Ansprüche, also geht es auch um Implantate und Co, sind die Kosten höher. Hier unterscheidet sich der Umfang der Versicherungen allerdings deutlich. Hier muss man mit 20 bis 45 Euro im Monat rechnen.

Beiträge können steigen

Die Beiträge von den Versicherungen können allerdings über die Jahre steigen. Nur noch wenige Versicherungen gehen nach dem Einstiegsalter und bleiben dann bei demselben Beitragssatz. Die meisten Policen steigen Stufenweise mit dem zunehmenden Lebensalter des Kunden. Ein Beispiel: Für einen 43-jährigen Kunden verlangt die Versicherung 36 Euro, ist er Versicherte 73 Jahre sind es 51 Euro.

Undabhängig vom Alter können Versicherer die Beiträge auch erhöhen, wenn dauerhaft mehr für Leistungen ausgegeben wird als ursprünglich kalkuliert.

Tipp

Wichtig ist: Wer auf der Suche nach einer Versicherung ist, sollte nicht nur die Beiträge, sondern vor allem die Leistungen im Blick haben. Ein Detail, dass man sich ggf. anschauen sollte, ist die Übernahmen von Kosten für Implantate, so der Tipp von Ulriche Steckkönig.

Einen Überblick über die getesteten Tarife findet am in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest“.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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