Versicherung (Foto: pixabay (CC0))

Wenn die Versicherung kündigt

Karin Mayer   07.03.2018 | 09:57 Uhr

Wer versichert ist, der meldet den Schaden bei der Versicherung. Eigentlich logisch. Die Gebäudeversicherer nutzen das aber zunehmend, um die Kündigung auszusprechen. Was dann zu tun ist, erfahren sie im SR3 Verbrauchertipp.

Fallbeispiel

Erst war es ein Schaden an der Heizung, dann ein Wasserschaden durch einen verrutschten Ziegel – SR3-Hörer Horst Günther Ewald hat das bei der Gebäudeversicherung gemeldet und wurde innerhalb eines Monats gekündigt. Der Rentner hat seither schlaflose Nächte. Seine Befürchtung ist, dass er keine neue Versicherung mehr findet. „Die Versicherer geben den Schaden ja weiter. Die anderen Gesellschaften werden ja sagen, den nehmen wir nicht mehr auf.“

Kündigung im Schadensfall

Im Schadensfall können sowohl der Versicherte als auch der Versicherer den Vertrag kündigen. Bianca Boss vom Bund der Versicherten stellt fest, dass die Versicherer das in den letzten Jahren nutzen, um Kunden loszuwerden. Dabei sei nicht die Schadenshöhe entscheidend, betont sie. Um mehrfache Schadensmeldungen zu vermeiden, rät sie nur große Schäden bei der Versicherung zu melden. Denn die Versicherer sitzen in diesem Fall am längeren Hebel, so sagt Bianca Boss. Es gehe darum, zu vermeiden, dass man am Ende ohne Versicherungsschutz sei.

Mit dem Versicherer sprechen

Die Verbraucherzentrale des Saarlandes beobachtet seit einiger Zeit, dass die Versicherer sich bei der zweiten Schadensmeldung von ihren Kunden trennen. Jürgen Zimper von der Verbraucherzentrale kritisiert diese Praxis. Eine Versicherung sei in erster Linie dazu da, dass sie Schäden versichert und nicht, dass sie ihre Kunden kündigt. Sein Tipp: im Schadensfall mit dem Versicherer sprechen und nach den Konsequenzen fragen. Auch wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt, lohnt sich ein Gespräch aus seiner Sicht. Man könne einen Vertrag mit neuen Konditionen akzeptieren, etwa mit einer Selbstbeteiligung. Wichtig sei, Zeit zu gewinnen und die Kündigung abzuwenden.

Neuer Versicherungsvertrag

Wer einen neuen Versicherungsvertrag abschließen will, muss angeben, dass er gekündigt wurde. Für den Kunden ist das ein Nachteil. Knut Schmitt von Fachgemeinschaft Haus- und Grundeigentümer Saar-Mitte e.V. kann von Eigentümergemeinschaften berichten, die keine Wohngebäudeversicherung mehr abschließen können. In so einem Fall müssen Schäden dann aus einer Umlage der Eigentümer finanziert werden.

Gebäudeversicherung ist wichtig

Sie tritt für Schäden am Gebäude ein. Sie ist unverzichtbar im Rahmen einer Hausfinanzierung. Die Banken verlangen sie als Sicherheit. Als Ergänzung zur Gebäudeversicherung kann man eine Elementarversicherung gegen Überschwemmung, Erdbeben und Starkregen abschließen. Die Verbraucherzentrale des Saarlandes empfiehlt auch eine Elementarschadensversicherung abzuschließen. Jürgen Zimper betont, dass es dabei um existenzielle Risiken geht. Er tritt auch für eine Versicherungspflicht bei der Elementarversicherung ein.

Weitere Informationen:

https://www.bundderversicherten.de/files/merkblatt/1105-m-wenn-der-vr-kuendigt.pdf

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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