Goldbarren (Foto: dpa)

Goldsparpläne – Verbraucherzentrale rät ab

Karin Mayer   22.01.2020 | 10:40 Uhr

Die Zinsen sind niedrig. Da scheint Gold ein sicherer Hafen für Anleger. Das nutzen die Anbieter von Goldsparplänen. Doch die Verbraucherzentrale rät ab.

Teuer und häufig intransparent

Aktuell melden sich bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes vermehrt Sparer, die solche Goldsparpläne abgeschlossen haben. Sie wurden teilweise über Soziale Medien oder persönlich angesprochen, so Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Diese Verträge seien teuer und häufig intransparent. Gold als Sparplan sei sehr fragwürdig, weil das Edelmetall im Ankauf Gebühren verursache. Der Preis bei geringen Goldmengen sei zu hoch, dadurch seien Goldsparpläne generell unattraktiv und nicht rentabel.

Goldsparplan statt Nebenjob?

Luisa (Name geändert), 24, war auf der Suche nach einem Nebenjob. Über Instagram wurde sie auf ein Angebot aufmerksam: 400 bis 500 Euro im Monat mit wenig Aufwand. Sie war zwar skeptisch, traf sich aber doch mit dem Vermittler. Der Job: Sie sollte Goldsparpläne verkaufen. Luisa sollte bei dem Treffen lernen, wie das funktioniert. Also füllte der Vermittler gemeinsam mit ihr ein Formular aus und ließ sie unterschreiben. Ergebnis: Sie hatte einen Goldsparplan beim Anbieter Multi Invest abgeschlossen. Dieser Anbieter ist kein unbeschriebenes Blatt. In Internetforen packen ehemalige Mitarbeiter aus, und Kunden suchen nach Auswegen aus den Verträgen.

Hohe Provisionskosten auch bei Kündigung

50 Euro im Monat wurden anschließend von Luisas Konto abgebucht. Weil Luisa immer noch auf den Nebenjob hoffte, akzeptierte sie die Abbuchung. Erst als sie die Kostenübersicht des Anbieters erhielt, die dem SR vorliegt, zog sie die Reissleine und kündigte. 40 Euro pro Monat werden für Abschlusskosten und Vermittlungsgebühr einbehalten. Sie kündigte den Vertrag und erhielt postwendend die Aufforderung, die restliche Vermittlungsgebühr von über 1300 Euro zu bezahlen.

Geringe Sparrate

Nur 10 Euro wurden für den Goldkauf verwendet. Die Menge war so gering, dass ein Mindermengenaufschlag dazukam - also weitere Kosten. Man könne sich ausrechnen, dass man bei so einem Sparplan kein Vermögen aufbauen kann, so der Verbraucherberater Thomas Beutler.

Kosten nicht vergessen

Der Fall liegt jetzt bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Thomas Beutler versucht, die Provisionszahlung abzuwenden. Sein Argument: Die Vertragsanbahnung war nicht seriös. Die Verbraucherin sei nicht über die Kosten aufgeklärt worden. Das Problem: Luisa hat keine Zeugen für das Gespräch. Tipp: zur Anlageberatung einen Zeugen mitnehmen.

Grauer Kapitalmarkt

Am Grauen Kapitalmarkt werden Geschäfte und Finanzanlagen angeboten, die jeder vertreiben kann. Die Unternehmen, die hier arbeiten, müssen wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen und stehen nicht unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. Um solche Geldanlagen zu vertreiben, ist keine große Ausbildung nötig, sagt Verbraucherberater Thomas Beutler. Er rate generell dazu, bei der Geldanlage immer eine zweite Meinung zu hören und nichts am gleichen Tag zu unterschreiben. Man müsse die Vertragsunterlagen genau lesen und vorher wissen, was man unterschreibt.

Informierte Entscheidung treffen

Wer sich für eine Geldanlage entscheidet, sollte die Risiken und die Chancen verstehen und erkennen. Ziel sei eine aufgeklärte und informierte Entscheidung, so Thomas Beutler.

Weitere Informationen: Verbraucherzentrale des Saarlandes

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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