Pflege (Foto: dpa/Sebastian Willnow)

Urlaub von der Pflege

Yvonne Schleinhege   04.07.2018 | 10:45 Uhr

Für viele geht es jetzt in den Sommerurlaub: entspannen und relaxen, statt Arbeit und Alltagstrubel. Doch wer zuhause einen Angehörigen pflegt, der mag oft gar nicht an Urlaub denken. Dabei hat er eine Auszeit meist wirklich dringend nötig. Urlaub von der Pflege - das ist möglich mit Hilfe der sogenannten Verhinderungspflege. Der SR 3-Verbrauchertipp.

Manchmal ist eine Auszeit einfach nötig. Ein kurzer Urlaub oder einfachmal eine Pause von der Pflege. Vielleicht ist man aber auch das Pflegender selber einmal krank. In solchen Fällen kann die Verhinderungspflege die Pflegenden finanziell unterstützen. Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten für die Ersatzpflege, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Voraussetzung: Pflegegrad 2

Für die Verhinderungspflege sei der Pflegerad 2 aber das Minimun, sagt Eugine Zobel-Kowalski von der Finanztest. "Wenn Sie diesen Pflegegrad haben, dann stehen Ihnen im Jahr bis zu 1612 Euro für die Verhinderungspflege zu und darüber hinaus auch sechs Wochen, die Sie in Anspruch nehmen können." Bei Pflegegrad 1 könne man nur den monatlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro für entsprechende Leistungen in Anspruch nehmen.

Neben dem Pflegegrad 2 gibt es zudem noch einige andere Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit man die Verhinderungspflege nutzen kann. Ein Anspruch darauf besteht erst, wenn der Pflegebedürftige mindestens sechs Monate von der Pflegeperson Zuhause gepflegt wurde.

Hat die Pflegekasse eine Verhinderungspflege bewilligt, lässt sich diese bis zu sechs Wochen am Stück nehmen oder auf einzelne Tage aufteilen.

Wer kann die Pflege übernehmen?

Wenn der Pflegende eine Pause braucht, muss Ersatz her. Doch wer kann die Pflege übernehmen? Das könne eine Person aus dem privaten Umfeld sein, den man mit dem Geld für die Ersatzpflege bezahlen könne. Es gebe aber natürlich auch die Möglichkeit, einen ambulanten Pflegedienst zu beauftragen, sagt Zobel-Kowalski.

Ein ambulanter Pflegedienst ist natürlich deutlich teurer, als Unterstützung durch Bekannte oder Angehörige. Entsprechend angepasst sind auch die möglichen jährlichen Zuschüsse von der Pflegekasse.

Ist eine ambulante Pflege oder Pflege von Freunden und Bekannten nicht möglich, gibt es auch die Möglichkeit der Kurzzeitpflege in einem Heim. Dies ist natürlich nocheinmal deutlich teurer als die ambulante Pflege.

Die Verhinderungspflege lässt sich aber mit den Leistungen der so genannten Kurzzeitpflege kombinieren, sofern diese nicht bereits in Anspruch genommen wurden. Auf diese Weise kann man denn Zuschuss auf maximal rund 2400 Euro erhöhen.

Wo gibt es Beratungshilfe?

Da solche Rechnereien äußerst kompliziert sind, rät die Expertin der Stiftung Warentest, sich Hilfe zu suchen. "Erster Ansprechpartner für Ihre Fragen zu Anträgen und was Sie bekommen können ist natürlich Ihre Pflegekasse", so Zobel-Kowalski. Wer lieber eine unabhängige Beratung hätte, für den sei die unabhängige Patientenberatung eine gute Adresse. Im Saarland können zudem die Pflegestützpunkte bei der Organisation der Verhinderungspflege helfen.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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