Familie am Strand (Foto: pixabay/Pexels)

Erholung im Urlaub: Wie geht es richtig?

Yvonne Schleinhege   18.07.2018 | 10:20 Uhr

Sonne, Strand vielleicht noch ein paar Berge in der Nähe – das wünschen sich viele in ihrem Urlaub. Für sie ist das das beste Mittel um sich richtig zu erholen und um "aufzutanken". Doch was ist wichtig damit der gewünschte Effekt auch eintritt? Darüber forscht die Arbeitspsychologin Prof. Carmen Binnewies von der Uni Münster.

Wie und wie lange man seinen Urlaub plant, da gibt es ganz unterschiedliche Philosophien: die einen setzen auf den einen großen Jahresurlaub, andere auf mehrere Kurzurlaube über das Jahr verteilt. Die Wissenschaft kommt da zu einer relativ klaren Einschätzung. Auf die Länge des Urlaubs kommt es für den Stressabbau und die Entspannung nicht an.

Erholungseffekt: mehrere Kurzurlaube sinnvoller

Wichtig sei die Betrachtung des Erholungseffekts, so die Arbeitspsychologin Carmen Binnewies von der Universität Münster. So halte der Erholungseffekt bei einem längeren Urlaub nicht länger an. Vielmehr sei er nach einem vierwöchigen Urlaub genauso schnell wieder weg wie bei einem Kurzurlaub. Und deshalb könne man sagen, dass es sinnvoller ist mehrmals im Jahr, aber dafür kürzer Urlaub zu nehmen oder auch in den Urlaub zu fahren, so die Expertin.

Urlaubshochgefühl nach wenigen Tagen

Das sollte einen natürlich nicht davon abhalten auch längere Reisen zu machen, gerade wenn es in weiter entfernte Länder geht. Urlaubsziele mit deutlicher Zeitverschiebung sind für Kurzreisen ungeeignet, gerade wenn man sich an dem Erholungsfaktor orientiert. Für die Erholung entscheidend ist die Art und Weise wie ich meinen Urlaub erlebe. Die Urlaubs-Glückskurve sagt, dass nach dem zweiten oder dritten Tag, das Urlaubshochgefühl steigt.

Selbstbestimmt entscheiden

Entscheidend für einen gelungenen und erholsamen Urlaub ist, dass man selbstbestimmt entscheiden kann was man macht. Wichtig sind dabei Dinge, zu denen man sonst nicht kommt. Dazu kann einfach nur Faulenzen gehören, oder natürlich auch kleinere Aktivitäten. Außerdem tut es uns gut, Herausforderungen zu meistern. Bei solchen "Mastery-Erlebnissen, erklärt die Wissenschaftlerin Binnewies, entwickeln wir neue Fähigkeiten. Und den können wir dann mit in den Alltag nehmen. Ein solches Erlebnis kann ein Fallschirmsprung sein oder eine Bergtour oder lange Radtour die man sich vorgenommen hat, vielleicht auch ein Hobby das man wiederentdeckt. 

Kommunikation beschränken

So banal es klingt, soll das Smartphone oder Tablet im Urlaub auch mal eine Pause haben. So zeigen Studien, dass Leute die im Urlaub viele Mails und Kurznachrichten geschrieben haben, weniger abschalten konnten. Und umso geringer war auch die Erhohlung. Zudem zeige die Studie auch, so die Arbeitspsychologin Binnewies, dass es egal ist, ob ich das Smartphone privat nutze oder für die Arbeit. Auch die private Kommunikation vermindere den Urlaubs-Erholungseffekt.

Erwartungshaltung dämpfen

Mittlerweile lassen sich Urlaube dank Online-Portalen sehr genau planen. Das erhöht natürlich die Vorfreude. Aber es schraubt auch die Erwartungshaltung nach oben. Trifft alles im Urlaub dann wie erwartet zu, kann das zum Entspannungskiller werden. Essen und das Hotel machen nach Einschätzung der Experten nur einen sehr geringen Anteil am Erholungsfaktor aus, viel wichtiger ist was man erlebt.

Den Urlaubseffekt erhalten

Wichtigste Frage ist natürlich: wie lässt sich das Urlaubs-Entspannungs-Gefühl am besten erhalten. Grundsätzlich könne man den Urlaubseffekt zwischen einer und drei Wochen in den Alltag hinüberretten, so die Wissenschaftlerin. Dabei ist es egal, wie lange ich verreist war. Wichtig: der Effekt verpufft schneller, wenn ich nach dem Urlaub direkt wieder viel Stress bei der Arbeit oder auch im Privatleben habe. Daher sollte man sich den Terminkalender an den ersten Tagen nach dem Urlaub nicht so vollplanen.

Aktivitäten fortführen und Erinnerungen konservieren

Ein guter Tipp ist es auch im Urlaub entdeckte Aktivitäten in den Alltag zu integrieren. Habe ich zum Beispiel Yoga ausprobiert, kann ich sollte ich es auch mal im Alltag versuchen. Genauso Wandern, Radfahren oder vielleicht Malen. Um die positive Erinnerungen an den Urlaub zu konservieren kann es auch hilfreich und schön sein ein Gericht nachzukochen, das mit besonders geschmeckt hat. Oder man nimmt die Urlaubsplanung für den nächsten Urlaub in Angriff.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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