Screenshot der Webseite "Ticketbande" (Foto: SR)

Ticketerwerb auf dem Zweitmarkt

Yvonne Schleinhege   28.02.2018 | 10:50 Uhr

Die Lieblingsmannschaft spielt in der Nähe, der Lieblingskünstler kommt für wenige Konzerte auf Deutschlandtour, aber die Tickets sind schon weg. In solchen Fällen ist es praktisch, dass es einen Online-Zweitmarkt für Tickets gibt. Doch bei den Verbraucherzentralen mehren sich die Probleme mit solchen Online-Plattformen. Was ist erlaubt beim Ticket-Weiterverkauf und worauf sollte ich beim Kauf achten? Der SR 3-Verbrauchertipp.

Die großen und gängigen Portale heißen Viagogo, Ticketbande, Ticketbude oder Seatwave. Nach Schätzungen des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft gibt es rund 20 verschiedene Zweitmarktportale, die Tickets in der Regel von privat weitervermitteln. Und genau das ist auch die Funktion der Zweitmarkt-Portale, denn sie werden nicht vom Veranstalter der Konzerte oder ähnliches betrieben.

Zweitmarkt-Ticketportale: So funktionieren sie

Die gängigen Zweitmarktportale verkauften die Tickets nicht selbst, sondern vermittelten sie, erklärt Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW. Auch wenn die Portale manchmal einen anderen Anschein machen, sollen sie ausschließlich Tickets von Privatpersonen an andere Privatpersonen vermitteln. Man erhält das Ticket somit aus zweiter Hand.

Verbraucherzentralen: Steigende Zahl an Beschwerden

Auch wenn die Idee der Ticket-Zweitmarktportale grundsätzlich gut ist, gibt es bei den Verbraucherzentralen immer mehr Beschwerden. So sind im Vergleich zum vergangenen Jahr bei den Marktwächtern der Verbraucherzentrale dreimal so viele Kundenbeschwerden über solche Portale gemeldet worden. Die Probleme seien zahlreich, so Julian Graf. So haben einige Nutzer gar keine Tickets bekommen, oder in den AGBs stand ein Vorbehalt, dass die Tickets erst noch besorgt werden müssten. Dann wurde kurz vor Konzertbeginn vom Vertrag zurückgetreten.  

Vorsicht bei personalisierten Tickets

Oftmals würden auch vollkommen überhöhte und unverständliche Gebühren verlangt, so die Erfahrung des Experten. Und vor allem sind die Preise für besonders beliebte Veranstaltungen oft unverhältnismäßig hoch. Um den Schwarzmarkthandel einzudämmen, personalisieren mittlerweile viele Veranstalter die Tickets. So kann es dann beim Einlass passieren, dass man bei einer Ausweiskontrolle nicht reingelassen wird.

Rat: Große Vorsicht ist geboten

Auch wenn die Beschwerden bei den Verbraucherzentralen massiv zugenommen haben, vollkommen abraten vom Ticket-Zweitmarkt will der Experte Julian Graf nicht. Allerdings müsse man durchaus vorsichtig sein, wenn man Tickets auf dem Zweitmarkt erwerben will. Übereilt etwas kaufen, davon rät der Experte dringend ab. So sollte man sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchlesen und genau schauen, welche Gebühren (z.B. Weiterverkaufsgebühren) erhoben werden, so Julian Graf. Außerdem sollte man kritisch sein, wenn der Verkaufspreis 200 oder 300 Prozent über dem eigentlichen Ticketpreis liegt. Wenn man Zweifel habe, solle man lieber die Finger davon lassen, so der Experte der Verbraucherzentrale.

Darf man Tickets weiterverkaufen?

Wenn man selber ein Ticket habe und man - etwa aus Termin- oder Krankheitsgründen - nicht zu der Veranstaltung gehen könne, dürfe man aus Sicht der Verbraucherzentrale die Tickets privat zum „Einkaufspreis“ weiterverkaufen. Das sei die Interpretation der Verbraucherzentralen nach einem Bundesgerichtshofurteil, so Julian Graf. Rechtlich schwierig könnte es werden, wenn man das gewerbsmäßig macht oder einen vollkommen überteuerten Preis verlangt. So gebe es aus Sicht des Experten derzeit durchaus ein gewisses rechtliches Rechtsrisiko beim Zweitmarkt-Verkauf, weil noch viele rechtliche Fragen ungeklärt sind. Ratsam ist es jedenfalls, in die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen zu schauen. 

Bei Problemen: An wen kann ich mich wenden?

Treten Probleme auf, sollte man sich zunächst an den jeweiligen Verkäufer wenden  - oder gegebenenfalls auch an den Plattformbetreiber - und versuchen, mit ihnen eine Lösung zu finden. Kommt man hier nicht weiter, kann zum Beispiel die Rechtsberatung der Verbraucherzentralen helfen. Oder man holt sich den Rat eines Anwalts ein.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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