Geldscheine (Foto: Pixabay/martaposemuckel)

10 Jahre Finanzkrise: Was hat sich für Anleger und Sparer verändert?

Yvonne Schleinhege  

Am 15. September 2008 meldete die US-Investmentbank Lehmann-Brothers Insolvenz an. Er war der Beginn einer weltweiten Finanzkrise. Auch als Verbraucher, Anleger und Sparer hat man die deutlich zu spüren bekommen. Als Folge hält etwa die Niedrig-Zins-Phase bis heute an. Sparen sie nun anders? Sind sie besser geschützt? Der SR3-Verbrauchertipp fragt nach.

Vielleich erinnern Sie sich auch noch an das Bild: der damalige Finanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel treten Anfang Oktober 2008 vor die Presse. „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein“, das war der viel zitierte Satz damals. Eine Folge der Finanzkrise später: Neben zahlreichen Bankenrettungen hat die Europäische Union sich daran gemacht, die Einlagensicherung zu reformieren. So gilt nun eine EU-weite einheitliche Sicherungssumme von 100.000 Euro je Bank und Kunde.

Es wird weiter gespart

Vielleicht ist es die Macht der Gewohnheit, denn an ihrer Sparleistung haben die deutschen Sparer nach der Finanzkrise trotz niedriger Zinsen kaum etwas geändert. Das jährliche Sparvolumen ist nach einer Studie der Bundesbank sogar weiter gestiegen. Legen die Deutschen nach wie vor ihr Geld auf Spar- oder Tagesgeldkonten an, auf Platz zwei folgt die Lebens- und Rentenversicherung. Aktien und Fonds werden nur von wenigen deutschen Sparern angerührt.

Langer Atem bei Aktien und Fonds

Das habe sich auch durch die Finanzkrise kaum geändert, Karin Baur von der Finanztest. Dies habe auch damit zu tun, dass mit dem Crash 2008 viele Anleger Geld verloren haben. Wer allerdings damals einen langen Atem bewiesen hätte, läge nun mit seinen Aktien wieder deutlich im Plus, so die Expertin. Daher raten die Verbraucherschützer, gerade in Niedrig-Zins-Zeiten, auch einen (kleinen) Teil seines Vermögens in Aktien, ETFs oder Fonds zu investieren.

Schutzvorschriften für Anleger

Ein Teil der Skepsis der Deutschen gegenüber der Anlage in Fonds oder Aktien rühre natürlich auch aus der Finanzkrise, so Karin Baur. Viele Anleger hätten zu wenig Informationen über ihr Finanzprodukt gehabt, etwas verkauft bekommen, ohne wirklich zu wissen, was sie erworben haben. So seien gerade älteren Kunden auch Zertifikate der Pleitebanken verkauf worden, schreibt die Finanztest. Als Folge habe es beim direkten Anlegerschutz durchaus etwas getan, so Karin Baur. So müssen nun Produktinformationsblätter kurz die wichtigsten Eigenschaften der Geldanlage aufzeigen. Zudem muss in einem Beratungsprotokoll die Anlagberatung dokumentiert werden.

Information entscheidend

Es sei dadurch nicht automatisch alles besser und einfach geworden, so die Einschätzung der Experten. Nach wie vor muss man sich mit der Materie intensiv selbst beschäftigen und die Informationen gründliche studieren. Es habe sich aber auch gezeigt, dass durch mehr Regulierung, auch mehr Standardprodukte angeboten werden. Aktuell würden Bankberater etwa häufig Mischfonds empfehlen. Das sei an sich auch kein schlechtes Produkt, allerdings kann es teuer sein, so Karin Baur von der Finanztest.

Berater als Verkäufer

Für den Verbraucherzentralen Bundesverband ist das nach wie vor aber das größte Problem. Auch wenn den Anlegern mehr Informationen bereit gestellt werden müssen, seien Anlageprodukte nach wie vor schwer zu verstehen. Im Interview mit der Finanztest erklärt der Finanzmarktexperte der Verbraucherzentrale, Christian Ahlers, daher, dass es für die Verbraucher besser wäre, wenn es mehr unabhängige Berater gebe, die nicht von Provisionen abhängig sind. Wichtig auch: nach der Krise ist vor der Krise und ob die neuen Regeln und Schutzmechnanismen greifen wird sich erst dann zeigen.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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