Strandkörbe am Strand von Travemünde (Foto: Christine Konkel)

Sommerurlaub – geht Reisen nun oder nicht?

Sarah Sassou   13.05.2020 | 11:22 Uhr

Für viele ist es das Highlight des Jahres...der Sommerurlaub. Oft wird schon Monate im Voraus gebucht, eine Anzahlung geleistet. Jetzt würde bei vielen die Restzahlung fällig. Aber noch wissen weder Reisende noch Anbieter, ob die Reisen aufgrund von Corona überhaupt stattfinden können.

Weltweite Reisewarnung

Wer schon reserviert hat, eine Ferienwohnung oder eine Pauschalreise, der bangt jetzt, ob der Urlaub überhaupt möglich ist. Das hängt zunächst einmal davon ab, wie lange die weltweite Reisewarnung noch gilt. Bislang ist sie bis zum 14. Juni verhängt, d.h. alle Reisen bis zu diesem Datum können nicht stattfinden, Buchungen müssen kostenfrei storniert werden, Anzahlungen rückerstattet werden.

Offene Grenzen – Reisen möglich

Bundesinnenminister Seehofer hat nun verkündet, dass die Grenzen zu den Nachbarländern Frankreich, der Schweiz und Österreich ab 15. Juni wieder offen sein sollen, nach Luxemburg ab dem 14. Juni. Damit könnten Reisen in diese Länder stattfinden – vorausgesetzt man darf dort auch einreisen. Anders sieht es mit Reisen in andere Länder oder gar mit Fernreisen nach diesem Datum aus. Wer sich jetzt schon sicher ist, dass er seine Reise nicht antreten möchte, weil er zum Beispiel zur Risikogruppe gehört oder weil er sich bei einer Gruppenreise nicht wohlfühlen würde, der kann natürlich den Urlaub trotzdem absagen.

Stornierung kann Kosten verursachen

Aber dann werden Stornokosten fällig, darauf weist der Verband der Deutschen Reisewirtschaft hin. Die Kosten dafür variieren, sagt Reiserechtsexpertin Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. In der Regel werde eine Pauschale von 20 bis 25 Prozent des vollen Preises fällig. Für Kreuzfahrten oder Ferienwohnungen könnten es schon mal 50 Prozent sein. Deswegen sollte man sich gut überlegen, ob man nicht noch wartet, bis eine im Spätsommer liegende Reise ohnehin abgesagt wird. Denn wenn die Reise dann doch abgesagt wird, sei es sehr schwierig die Stornokosten ohne rechtliche Schritte noch mal zurückzufordern. Wer trotzdem vor Absage der Reise stornieren will, für den hat die Verbraucherschützerin noch einen Tipp: Ein Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen kann hilfreich sein, denn möglicherweise verlangt der Veranstalter eine andere Gebühr als dort aufgeführt ist. 

Gutscheine, Umbuchung akzeptieren?

Überhaupt sollte man bei Unsicherheiten oder Problemen erst mal mit dem Reiseveranstalter oder dem Vermieter einer Ferienwohnung reden, um sich zu einigen, sagt Gerhards. Oft werden Kunden nun Gutscheine angeboten, weil sich die Reisebranche finanziell in einer angespannten Lage befindet. Allerdings stellt sich momentan die Frage, ob Kunden - zumindest EU-weit -Gutscheine überhaupt akzeptieren müssen. Denn die Europäische Kommission hat die Gutscheinlösung vom Tisch gefegt – weil sie zu verbraucherunfreundlich sei. Auch eine Umbuchung ist nicht für jeden eine akzeptable Lösung. Niemand weiß, wie lange Einreiseverbote in bestimmte Länder bestehen oder ob Sehenswürdigkeiten geöffnet sein werden – ein Problem, wenn man eine Studien- oder Rundreise gebucht hat.

Wer bei einem ausländischen Veranstalter oder Vermieter gebucht hat, für den wird es ohnehin schwierig, den Durchblick zu behalten. Möglicherweise gilt für Stornierungen oder abgesagte Reisen das jeweilige Landesrecht.  Auch Gespräche mit dem Anbieter zur Einigung sind wegen Sprachbarrieren nicht immer möglich. Hier können sich Betroffene beispielsweise an das Europäische Verbraucherzentrum (evz.de) wenden. 

Zahlung nicht verweigern

Auf keinen Fall sollten Reisende, wenn aktuell noch eine Restzahlung für eine Buchung vor dem Ende der Reisewarnung oder vor der Öffnung von Grenzen aussteht, diese einfach nicht leisten, sagt Julia Gerhards. Man müsse immer argumentativ belegen, warum man nicht zahle. Sonst riskiere man einen Rechtsstreit und der sei aufgrund der vielen Unbekannten in der jetzigen Situation wahrscheinlich wenig aussichtsreich und vor allem teuer. 

Nicht vorschnell handeln

Julia Gerhards rät Verbrauchern in der Regel, erst einmal abzuwarten. Wenn Länder Einreiseverbote verhängten oder Reisewarnungen bestünden, wenn Gruppenreise unter den Hygienevorgaben und Abstandsregelungen ohnehin nicht möglich seien, dann würden schon mal keine Gebühren fällig. Dann bekommt man entweder sein Geld zurück oder je nach dem, wie sich die Gesetzeslage entwickelt, zumindest einen Gutschein.

Weitere Informationen

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Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" vom 13.05.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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