Mauer oder Hecke können zwischen Nachbarn zu Zwistigkeiten führen. (Foto: pixabay / music4life)

Rechtschutzversicherung – sinnvoll oder nicht?

Sarah Sassouh   12.02.2020 | 10:18 Uhr

Streit unter Nachbarn um die Hecke, eine ungeklärte Schuldfrage beim Autounfall, Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber – es gibt unzählige Situationen, in denen sich ein Rechtsstreit anbahnt. Aber oft ist es eine finanzielle Frage, denn viele scheuen die möglichen Kosten eines Gerichtsprozesse. Rechtsschutzversicherungen springen dann ein. Aber nur unter bestimmten Bedingungen nützt einem ein solcher Versicherungsschutz.

Versicherungsbeginn

Wer einen konkreten Streitfall hat und noch keinen Rechtsschutz hat, der wird den Fall aus eigener Tasche zahlen müssen. Denn für die Rechtschutzversicherung gilt in der Regel eine Wartezeit, meist von mindestens drei Monaten, bevor man sie in Anspruch nehmen kann. Hält man sich an diese Frist, kann es trotzdem sein, dass die Versicherung ablehnt – wenn aus ihrer Sicht das Gerichtsverfahren keinen Erfolg haben wird. Dann hat man die Möglichkeit, eine Stellungnahme des Anwalts vorzulegen, in der er begründete, warum das Verfahren doch Erfolg haben könnte. Darauf erfolgt der sogenannte Stichentscheid, die Kosten hierfür trägt der Versicherer.

Pakete oder Einzelrechtschutz?

Für Familien bieten viele Versicherungen Pakete an, in denen Privates, Beruf und Verkehr abgedeckt sind. Die Kosten dafür liegen zwischen jährlich ca. 240 und mehr als 500 Euro. Vor Abschluss einer Rechtschutzversicherung sollte man sich aber fragen, welche Bereiche man abdecken möchte. In der Regel sind Verkehrsstreitigkeiten abgesichert, in die man als Halter, Fahrer oder Insasse gerät. Das bezieht sich sowohl auf Autos als auch auf Fahrräder oder öffentliche Verkehrsmittel. Hat man keinen Führerschein mehr, sollte man einen Blick in die Versicherungsbedingungen werfen – dann kann der Schutz nämlich entfallen.  Auch Eigentümer und Mieter von Wohnungen, Häusern oder Grundstücken können sich über die Rechtschutzversicherung absichern genauso wie Arbeitnehmer.  Wer nicht (mehr) berufstätig ist, braucht zum Beispiel dafür keinen Rechtsschutz. Keinen Schutz gibt es meist für Familienrechts- und Erbschaftsangelegenheiten, höchstens einen Höchstbetrag für eine Anwaltsberatung.

Geld sparen

Die Verbraucherzentrale rät, dass eine Rechtschutzversicherung nur dann abgeschlossen werden sollte, wenn das Geld dafür ohne Einschränkungen im täglichen Leben vorhanden ist. Etwa sparen beim Versicherungsbeitrag kann man zum Beispiel, indem man bestimmte Bereiche ausspart. Senioren, die nicht mehr arbeiten,  verzichten auf Rechtschutz für den Beruf. Auch eine Selbstbeteiligung kann den Preis drücken. Wer beruflich nicht ganz ohne Schutz bleiben möchte, kann sich auch als Mitglied einer Gewerkschaft anschließen und hat dann automatisch Rechtschutz. Mieter oder Vermieter können sich in Streitfällen auch erst einmal an Mieterbund bzw. Grundeigentümervereine wenden.

Versicherer kann auch kündigen

Für die Versicherungsunternehmen ist laut Stiftung Warentest das Geschäft mit dem Rechtschutz teurer geworden. Deswegen seien viele Versicherer dazu übergegangen, Kunden, die innerhalb von zwölf Monaten zwei Rechtschutzfälle einreichen, den Vertrag aufzukündigen. Entweder außerordentlich oder innerhalb der Kündigungsfrist von drei Monaten zum Laufzeitende – das ist erlaubt.  

Darauf kommt es bei einer Rechtschutzversicherung an:

  • Sie sollte Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen
  • Die Versicherungssumme sollte bei 300.000 Euro liegen, rät die Verbraucherzentrale
  • Der sogenannte Stichentscheid sollte vereinbart sein
  • Den Anwalt kann man sich frei auswählen

 

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja