Flugzeug am Himmel (Foto: pixabay/ThePixelman)

Neues Pauschalreiserecht: gut vorbereitet in den Urlaub

Yvonne Schleinhege   23.05.2018 | 10:20 Uhr

In rund einem Monat starten im Saarland die Schulferien. Spätestens im Juli beginnt dann auch richtig die Sommerurlaubszeit. Und mit Stichtag 1. Juli ändert sich auch in einigen Punkten das Reiserecht. Dann tritt die neue EU-Pauschalreiserichtlinie in Kraft. Der SR 3-Verbrauchertipp bietet die wichtigsten Infos für die Urlaubszeit.

Für viele beginnt der Urlaub schon mit der Planung. In Katalogen stöbern, Routen sichten oder auf Online-Portalen nach Flügen und Unterkünften suchen. Mit dem neuen Pauschalreiserecht wird man vor allem den Reisenden gerecht, die ihre Reise individuell im Internet zusammenstellen, so Eugénie Zobel-Kowalski von der Stiftung Warentest. Das Pauschalreiserecht komme damit im Online-Zeitalter an.

Verbundene Reiseleistungen

Das neue Recht führt die verbundene Reiseleistung ein. Darum handelt es sich, wenn der Urlauber kurz nacheinander mindestens zwei verschiedene Leistungen für dieselbe Reise separat bucht – etwa Flug und Unterkunft –, das Reisebüro die einzelnen Vertrags­partner nennt und getrennte Rechnungen entstehen. Neu ist: Der Vermittler der verbundenen Leistung – stationäres Reisebüro oder Onlineportal – muss gegen Insolvenz abgesichert sein, wenn die Zahlungen direkt an ihn gehen.

Vorteile für den Urlauber

Geht der Vermittler Pleite, ist der Urlauber geschützt und sieht sein Geld wieder. Für den Verbraucher hat die neue Rechtsprechung noch weitere Vorteile. Das heißt bei Mängeln könne man zum Beispiel Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude reklamieren oder auch den Reisepreis mindern, so Eugénie Zobel-Kowalski.

Ferienwohnung: keine Pauschalreise mehr

Aufenthalte in Ferienhäusern und -wohnungen, die von Reiseveranstaltern oder -agenturen angeboten werden, fallen nicht mehr unter das Pauschalreiserecht. Für den Verbraucher ist das natürlich ein klarer Nachteil. Die Änderung bedeutet aber nicht, dass der Aufenthalt in Ferienhäusern ein rechtsfreier Raum wird. Urlauber und Veranstalter haben einen Vertrag geschlossen. Den müssen beide Seiten einhalten.

Eigenes Recht durchsetzen könnte schwieriger werden

Der Vermieter muss dem Mieter eine Unterkunft zur Verfügung stellen, die keine Mängel hat. Aber: Mietet der Reisende zum Beispiel ein Ferienhaus in Dänemark, könnte dafür in Zukunft dänisches Recht gelten, so Eugénie Zobel-Kowalski von der Stiftung Warentest. Für Urlauber kann es schwieriger werden, ihr Recht zu verstehen, zu erkennen und durchzusetzen. Kommt es zum Streit, müssen sie sich womöglich auf die Gesetze des Reiselandes berufen.

Anzeige von Urlaubsmängeln

Ist das Hotel dreckig, gibt es nicht das versprochene Zimmer mit Meerblick, kann man als Urlaub natürliche Reisemängel reklamieren. Mit dem neuen Pauschalreiserecht haben Urlauber nach dem Ende des Urlaubs künftig länger Zeit, um Reisemängel anzuzeigen. Die Frist betrug vorher nur einen Monat, jetzt sind es zwei Jahre. Das ist kein klarer Pluspunkt für den Verbraucher. Allerdings ist weiterhin entscheidend, dass man die Mängel auch richtig anzeigt.

Urlaubsmängel richtig anzeigen

Denn hier gilt: man muss Mängel noch direkt am Urlaubsort bei seinem Reiseveranstalter anzeigen. Nur so kann ihm auch die Möglichkeit gegeben werden, diese Mängel zu beheben, etwa durch den Wechsel des Zimmers. Reagiert der Veranstalter nicht, ist es sinnvoll eine schriftliche Mängelanzeige zu verfassen und diese vom Reiseleiter vor Ort quittieren zu lassen. Ein Mängelprotokoll kann helfen später Ansprüche geltend zu machen. Auch Fotos oder Videos sind sinnvoll. Einen Überblick über mögliche Preisminderungen bei Mängeln findet man in der sogenannten "Frankfurter Tabelle" im Internet.

Größere Preis­änderungen möglich

Erhöhte sich der Preis nach der Buchung – etwa wegen gestiegener Treibstoffpreise oder veränderter Wechselkurse – bisher berechtigt um mindestens fünf Prozent, konnte der Urlauber den Vertrag kündigen, ohne dass ihm Kosten entstanden. Nach der neuen Pauschalreiserechtsprechung ab 1. Juli muss die Preiserhöhung mindestens acht Prozent betragen, um kostenfrei kündigen zu können. Außerdem darf der Veranstalter den Preis bis 20 Tage vor Reisebeginn erhöhen. Vorher galt eine Frist von vier Monaten. Für den Verbraucher ein Nachteil, so die Stiftung Warentest.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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