Nahrungsergänzungsmittel und Pillen.  (Foto: pixabay / bru-nO)

Nahrungsergänzungsmittel mit falschen Versprechen

Mit Informationen von Sarah Sassou   29.04.2020 | 12:35 Uhr

Die Verunsicherung unter den Menschen ist groß, die Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus geht um. Ein guter Zeitpunkt für unseriöse Geschäftemacher, nun im Internet oder über soziale Medien für Produkte zu werben, die angeblich vor den gefährlichen Viren schützen.

Verbotene Werbeaussagen

Mit Inhalten zu werben, die einen Krankheitsbezug haben, ist verboten, wenn es um Viren geht, sagt Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale Saarland. Dazu gehören Behauptungen, dass bestimmte Pflanzen oder Vitamine Viren abwehren oder sie den menschlichen Organismus vor Viren wie dem Corona-Virus schützen. Bislang gibt es nämlich noch kein Mittel, das gegen das Corona-Virus oder andere Infektionen hilft, stellt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klar. Mit den Ängsten von Menschen zu spielen, kann vor diesem Hintergrund auch sehr gefährlich sein.

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Nahrungsergänzungsmittel halten nicht immer, was sie versprechen.
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 29.04.2020, Länge: 04:53 Min.]
Nahrungsergänzungsmittel halten nicht immer, was sie versprechen.

Chemie und Naturheilmittel gegen Corona

Die Bandbreite der angebotenen Mittel reicht von reinen Chemikalien bis hin zu homöopathischen Arzneien. Besonders besorgniserregend: Chlordioxid, das auch als MMS vertrieben wird, sagt Theresia Weimar-Ehl. Chlordioxid ist eine Chlorverbindung mit ätzender Wirkung. Der Stoff wird u.a. zum Bleichen von Textilien und als Desinfektionsmittel eingesetzt.

Chlordioxid schalte das Virus aus, wenn man es trinke, so die Behauptung der Verkäufer, die es als Heilmittel gegen Corona anpreisen. Dabei ist Chlordioxid in dieser Hinsicht wirkungslos, kann aber auf Haut und Schleimhäuten reizend bis ätzend wirken. Mögliche Folgen einer Einnahme sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, Darmschädigungen und Blutdruckabfall warnen Gesundheitsbehörden und auch das Bundesamt für Risikobewertung.

Behörden prüfen Nahrungsergänzungsmittel kaum

Auch Pflanzenextrakte werden von Betrügern als oft als Mittel, das gegen Viren und Bakterien hilft, angepriesen – zu Unrecht. Denn diese Nahrungsergänzungsmittel gelten als Lebensmittel. Theresia Weimar-Ehl: „Wer für diese Produkte wirbt, darf nur behaupten, was den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Denn die einzelnen Nahrungsergänzungsmittel werden zunächst weder auf ihre Wirksamkeit noch auf ihre Nebenwirkungen hin untersucht.“

Dafür ist eigentlich die wegen der Flut an Nahrungsergänzungsmittel meist überlastete Lebensmittelüberwachung zuständig. Hersteller brauchen zunächst lediglich das Etikett des Produkts an das Bundesamt für Risikoeinschätzung schicken, dort werden die Formalitäten geprüft und dann darf das Mittel auf den Markt.

Internet bietet Schutz vor Kontrolle

Solche Nahrungsergänzungsmittel, die sich mit ihren Versprechen in der Illegalität bewegen, nutzen meist das Internet als Verkaufsplattform. Gibt man in einem großen Verkaufsportal bei der Suche „Mittel gegen Viren“ ein, sind Tannenöl, kolloidales Silber, Moosextrakt und Vitamin C ganz vorne – obwohl ihre Wirksamkeit gegen Viren nicht belegbar ist.

„Der Markt im Internet wird zu wenig kontrolliert“, sagt Theresia Weimar-Ehl. Das Problem aus ihrer Sicht: Es gebe einfach zu wenig Kontrolleure. Außerdem seien auch die Betreiber der Verkaufsplattformen gefordert, unseriöse und gesundheitsschädliche Produkte aus dem Netz zu nehmen.

Keine gute Idee: Schnelltests zuhause

Ebenso im Online-Angebot findet man nun häufig Schnelltests, mit denen man zuhause selbst überprüfen könne, ob man mit dem Corona-Virus infiziert ist, so das Versprechen. Auch davon raten Verbraucherschützer ab. Denn die Tests seien kompliziert und hätten eine hohe Fehlerquote. Die Vorgehensweise der Schnelltests: Mit Stäbchen muss man zwei Proben aus dem unteren Rachenraum entnehmen.

„Das selbst zu machen, kostet ganz schön Überwindung und ist außerdem nicht ganz einfach“, sagt Theresia Weimar-Ehl. Außerdem solle man sich bewusst machen: Auch die zuhause durchgeführten Test müssen in Laboren ausgewertet werden. Deswegen sollten die Pflegekräfte und Menschen mit Symptomen Vorrang haben. Wer sich unsicher ist, weil er Halskratzen verspürt, Schnupfen oder Husten hat, der kann sich in seiner Hausarztpraxis eine Überweisung für einen Test holen – im Gegensatz zu den Schnelltest in Eigenregie kostet das auch keinen Cent.

Alternativen 

Verbraucherschützerin Weimar-Ehl ist der Meinung, dass man Nahrungsergänzungsmittel in einem Land wie Deutschland, in dem frische Lebensmittel erhältlich sind, ohnehin nicht braucht. Es gelte, sich ausgewogen zu ernähren, mit frischem Obst und Gemüse. Spaziergänge an der frischen Luft täten ihr übriges – wenn man die Regeln zum Schutz vor Ansteckung ernst nehme.

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten vom 29.04.2020 berichtet.

"Gut zu wissen" - immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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