Ein Testament wird geschrieben. (Foto: dpa)

Leibrente fürs Eigenheim

Karin Mayer   03.07.2019 | 10:46 Uhr

Was tun, wenn das Geld im Alter nicht zum Leben reicht? Man könnte zum Beispiel das Eigenheim verkaufen und dafür eine lebenslange Leibrente bekommen. Bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes gibt es zurzeit viele Anfragen zur Leibrente.

Ursula ist durch eine Werbeanzeige auf das Modell Leibrente aufmerksam geworden. Sie ist 74 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann im Eigenheim. Weil beide gesundheitliche Probleme haben und die Arbeiten rund ums Haus nicht mehr bewältigen können, interessieren sie sich für das Leibrenten-Modell. Die Idee: Lebenslanges Wohnrecht erhalten und einen Hausbesitzer haben, der die Instandhaltungskosten übernimmt. Außerdem möchte Ursula einen möglichen Erbstreit vermeiden. Durch den Verkauf an den Leibrenten-Anbieter wäre das Haus nicht mehr Teil der Erbmasse.

So könnte sie vorgehen

Ursula könnte das Haus an einen Leibrenten-Anbieter verkaufen. Im Gegenzug bekommt man eine lebenslange Rente und Wohnrecht auf Lebenszeit. Zunächst hat sie sich von Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale des Saarlandes beraten lassen. Sein Tipp: mindestens zwei verschiedene Angebote einholen und vergleichen.

 Wie wird die Leibrente berechnet?

Entscheidend sind der Wert des Hauses, das Alter des Besitzers und ein sogenannter Leibrentenfaktor. Dieser Faktor ist je nach Anbieter unterschiedlich, betont Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale. Unterschiedlich ist auch die Verzinsung des zu verrentenden Kapitals. Bei der Berechnung wird auch der Wert des lebenslangen Wohnrechts berücksichtigt.

Worauf man achten sollte:

  • Das Mindestalter für eine Leibrente ist 70 Jahre.
  • Die Anbieter verlangen teilweise eine schuldenfreie Immobilie, teilweise kann eine Restschuld vom Käufer beglichen werden.
  • Je nach Anbieter und Vertrag muss der Bewohner weiterhin Instandhaltungskosten übernehmen. Wer einen Leibrenten-Vertrag abschließt, sollte darauf achten, wer künftig für Reparaturen aufkommt.
  • Nebenkosten für Heizung, Wasser und Strom fallen weiterhin an.
  • Geht der Leibrenten-Anbieter Pleite, so kann es sein, dass die monatliche Rente zeitweise ausbleibt. Die Immobilie kann dann weiterverkauft werden.
  • Das lebenslange Wohnrecht muss im Grundbuch eingetragen werden, so bleibt es im Fall der Insolvenz des Anbieters erhalten.
  • Im Todesfall erhält der Käufer die Immobilie. Wer früh verstirbt, würde sein Haus quasi „verschenken“ – Tipp: Mindestzahlzeit vereinbaren.

Audio

Verbrauchertipp: Leibrente
Audio [SR 3, Karin Mayer, 03.07.2019, Länge: 06:28 Min.]
Verbrauchertipp: Leibrente

Für wen ist die Leibrente interessant

  • Eigenheimbesitzer, die wenig Rente bekommen
  • Eigenheimbesitzer, die keine Erben haben oder die Immobilie nicht vererben wollen
  • Eigenheimbesitzer, die im Eigenheim bleiben wollen, aber die Instandhaltung nicht mehr selbst übernehmen können

 Sonderfall Umkehrhypothek

Bei der Umkehrhypothek schließt der Hausbesitzer einen Vertrag mit einer Bank oder eine Versicherung ab. Er bleibt Eigentümer, bekommt aber die Hypothek in monatlichen Raten ausbezahlt. Am Ende des Vertrags kann er die Hypothek tilgen oder der Besitz geht an die Bank oder die Versicherung über.

Verbraucherzentrale berät

Ursula hat sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen und sich nun doch gegen eine Leibrente entschieden. Der Grund: die Aussicht, dass sie sich im Insolvenzfall mit einem neuen Hausbesitzer auseinandersetzen müsste, hat sie von der Entscheidung abgehalten.

Weitere Informationen: https://www.haus.de/geld-recht/leibrente-wie-funktioniert-die-haus-rente

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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