Kurzarbeitergeld (Foto: picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Kurzarbeit, Lohnersatz und Steuer – was sie wissen sollten

Karin Mayer   10.06.2020 | 09:28 Uhr

Es hilft in der Krise, Entlassungen zu vermeiden: das Kurzarbeitergeld. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt es derzeit an schätzungsweise sieben Millionen Beschäftigte, Im Saarland sind es fast 150.000 . In Zeiten von Corona wurden viele Regeln geändert.

Was heißt eigentlich Kurzarbeit?

Je nach Betrieb und Auftragslage kann Kurarbeit bedeuten, dass gar nicht gearbeitet wird (Null-Kurzarbeit) oder dass nur einzelne Tage ausfallen. Die Lohnersatzleistung wird nur für die Kurzarbeitstage bezahlt.

Lohnersatzleistung

Normalerweise gibt es für Kurzarbeit 60 Prozent vom Nettolohn für Alleinstehende, 67 Prozent für Haushalte, in denen mindestens ein Kind lebt. Wegen der Corona-Pandemie stockt der Staat das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat auf: dann gibt es 70 bzw. 77 Prozent vom Netto, nach sieben Monaten 80 bzw. 87 Prozent vom Netto.

Arbeitgeber kann aufstocken

Teilweise stocken auch die Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld auf. Ansprüche können sich aus einem Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung ergeben. Darum kümmert sich der Betriebsrat. Wenn es keine Arbeitnehmervertretung und keinen Tarifvertrag gibt, braucht der Arbeitgeber das Einverständnis des Beschäftigten. Anke Marx von der Arbeitskammer des Saarlandes rät, diese Vereinbarung zu prüfen und sich beraten zu lassen. Wichtige Frage ist zum Beispiel: Für wie lange soll die Vereinbarung gelten und ist der Arbeitgeber bereit, den Lohnersatz aufzustocken.

Steuern, Sozialversicherung, Krankenversicherung

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Sozialversicherungsbeiträge und Krankenversicherungsbeiträge werden abgezogen. Wer die Lohnersatzleitung erhalten hat, muss eine Steuererklärung machen. Voraussichtlich erhöht sich der persönliche Steuersatz dadurch, weil das Kurzarbeitergeld für die Berechnung des Steuersatzes eine Rolle spielt, sagt Aenne Riesenberg von Stiftung Warentest. Es gilt der Progressionsvorbehalt. In der Steuererklärung kann man aber auch seine Kosten geltend machen. Stockt der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld auf, so ist dieser Betrag steuerpflichtig.

Nebenverdienst ist möglich

Kurzarbeit, Lohnersatz und Steuer.
Audio [SR 3, Karin Mayer, 10.06.2020, Länge: 04:53 Min.]
Kurzarbeit, Lohnersatz und Steuer.

Vorrübergehend wurden die Regeln für den Nebenverdienst gelockert. Wer in Kurzarbeit kann jetzt generell bis zur Höhe des eigenen Einkommens dazu verdienen, sagt Anke Marx von der Arbeitskammer. Vom 1. Mai bis 31. Dezember können Arbeitnehmer bis zur vollen Höhe ihres Einkommens hinzuverdienen. Gab es vor der Kurzarbeit schon einen Nebenverdienst, so wird das Einkommen nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Das war schon vor den Corona-Regeln gültig. Hinweis: der Nebenverdienst ist nicht mehr aus systemrelevante Berufe beschränkt.

Azubis und Minijobber

Auszubildende sollten generell von Kurzarbeit ausgenommen sein, sagt Anke Marx. Wenn das nicht möglich ist, gilt eine Sonderregelung. Azubis erhalten sechs Wochen lang auch in der Kurzarbeit ihre reguläre Vergütung. Minijobber gehen beim Kurzarbeitergeld generell leer aus.

Wenn das Geld nicht reicht

Beim Jobcenter kann man ergänzende Leistungen beantragen. Für Familien gibt es zusätzlich einen Kindernotfallzuschuss, ebenfalls beim Jobcenter zu beantragen.

Arbeitskammer berät

Die Arbeitskammer bekommt derzeit viele Anfragen zum Thema Kurzarbeit. Kontakt kann man per Mail unter beratung@arbeitskammer.de oder per Telefon aufnehmen. Aktuelle Rufnummern werden auf der Internetseite der Arbeitskammer angezeigt: https://www.arbeitskammer.de/aktuelles/wir-sind-fuer-sie-da/

Weitere Informationen gibt es im "Finanztest 6/2020".

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