Blick auf Häuser in einem Wohngebiet (Foto: dpa)

Hausbesitz: Besser verschenken oder vererben?

Eva Lippold  

Eine Lebensweisheit sagt: „Man gibt besser aus warmer Hand als aus kalter.“ Und manchmal denken Eltern darüber nach, ihr Haus schon zu Lebzeiten ihren Kindern zu schenken, statt es zu vererben. Doch eine Schenkung birgt nicht nur Vorteile, sondern kann auch ihre Tücken haben. Es kommt immer darauf an, aus welchen Gründen jemand man eine Schenkung erwägt.

Spart man denn nicht die hohe Erbschaftssteuer, wenn man zu Lebzeiten verschenkt?

Ja und nein, denn auch für eine Schenkung fallen Steuern an. Und zwar exakt dieselben wie für eine Erbschaft, ab einem Freibetrag von 400.000 Euro. Allerdings kann eine Schenkung den Vorteil haben, dass man durch sie diesen Freibetrag besser ausschöpfen kann. Wenn sich der Schenker nämlich ein Wohnrecht vorbehält, oder - bei vermieteten Immobillien - ein Nießbrauchsrecht, also das Recht, weiterhin Mieteinnahmen aus dem Haus zu erzielen, wird ein bestimmter Betrag X vom Verkehrswert des Hauses abgezogen. Und so lässt sich der Schenkungsbetrag gegenüber dem Erbbetrag verringern.

Nach zehn Jahren kann man übrigens erneut den Freibetrag ausschöpfen, daher lohnt sich eine Schenkung meist bei höheren Vermögen. Bei einem Vermögen von 600.000 Euro kann man dem Kind 2018 Immobilien im Wert von 400.000 Euro schenken, und dann, zehn Jahre später, also 2028, schenkt man ihm die restlichen 200.000 Euro - und kann dabei Steuern sparen.

In welchem Fall macht eine Schenkung noch wirklich Sinn?

Ein guter Grund für eine Schenkung, der im Saarland nicht allzu selten vorkommt: Das eigene Kind lebt mit im eigenen Haus und plant einen Um- oder Ausbau, will also in das Haus investieren. Dann kann eine Schenkung durchaus Sinn machen.

Allerdings sollte man sich auch in einem solchen Fall absichern, sagt der Saarbrücker Notar Ralf Linsler. Er empfiehlt, sich unbedingt bestimmte Rechte vorzubehalten - zum Beispiel ein Wohnrecht bis ans Lebensende und auch ein Rückforderungsrecht, falls bestimmte Probleme seitens des Kindes auftauchen. „Bei Eintritt bestimmter einschneidender Bedingungen wie Insolvenz, Zwangsvollstreckung gegen das Kind, Versterben des Kindes, Scheidung einer Ehe des Kindes, immer dann muss ich auch als übergebende Partei noch einmal das Recht haben, die Sache zurückzunehmen, denn ich wollt’s ja eigentlich dem Kind geben und keinem Dritten.“  

Welche weiteren Gefahren birgt eine Schenkung?

Man muss sich bewusst sein, dass man mit einer Schenkung die Verfügungsgewalt über sein Hab und Gut verliert. Man kann sein Haus also nicht mehr verkaufen oder mit einer Hypothek belasten - etwa wenn Investitionen ins Haus notwendig werden. Im schlimmsten Fall macht man sich damit selbst zum Sozialfall. 

Kann man durch eine Schenkung verhindern, dass man im Alter als Pflege- und Sozialfall das Erbe quasi „auffrisst"? 

Nicht unbedingt. Wenn der Schenker verarmt, ist er - innerhalb einer Zehn-Jahres-Frist - verpflichtet, die Schenkung zurückzufordern. Dieses Recht kann auch die Sozialbehörde durchsetzen und Ansprüche gegenüber dem beschenkten Kind geltend machen. Und es gibt noch weitere Gründe,. die dagegen sprechen, sich durch Schenkung dem Zugriff des Staates zu entziehen. „Ganz abgesehen davon, dass es unsozial gegenüber der Allgemeinheit ist, ist es auch aus Sicht des Schenkers nicht von Vorteil“, sagt Notar Ralf Linsler. „Denn er selbst macht sich zum Sozialfall durch eine solche Maßnahme, verliert seine Verfügungsbefugnis und ist den Kindern ausgeliefert.

Wie sieht es bei mehreren Kindern aus - lässt sich durch eine Schenkung der Pflichtteil umgehen?

Damit tut man seinen Kindern keinen wirklichen Gefallen - auch nicht denen, die man beschenkt. Denn hier gilt dasselbe: Innerhalb von zehn Jahren kann das leer ausgegangene Kind den Pflichtteil auch nach einer Schenkung vom beschenkten Kind einfordern. Und ob man einen solchen Streit programmiert, sollte man sich gut überlegen, so Notar Linsler: „Pflichtteil-Streitigkeiten gehören zu den emotional schwierigsten, die ich kenne. Ich berate immer dahingehend, dass man möglichst alle Kinder einbezieht, um damit dem Streit der Zukunft schon heute den Wind aus den Segeln zu nehmen.“

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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