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Grillkohle: Ökologisch fair brutzeln

Yvonne Schleinhege   29.05.2019 | 10:20 Uhr

Am Vatertag wurde wieder vielerorts der Grill oder Schwenker angeworfen. Im Trend sind in den vergangenen Jahr Gas- und Elektrogrills. Jedes Jahr werden auch noch tausende Tonnen Holzkohle fürs Brutzelvergnügen verfeuert. Doch in den Grillkohlesäcken versteckt sich manchmal Tropenholz. Die Stiftung Warentest hat aktuell 17 Grillholzkohlen getestet.

Gas, Strom, Kohle oder Buchenholz? Es gibt viele Wege das Grillgut zuzubereiten. Alles hat Vor- und Nachteile, nicht nur geschmacklich, sondern auch ökologisch. Zuletzt wurde wieder häufig über die Probleme mit der Grillkohle berichtet. Umweltverbände machen verstärkt darauf aufmerksam, dass schützenswerte Urwälder hierzulande auf dem Grill landen. Daher hat sich die Stiftung Warentest im aktuellen Test-Heft (6/2019) die Frage gestellt: Wie viel Holz aus Raubbau steckt in unserer Grillkohle?

Waldvernichtung fürs heimische Grillvergnügen

Der Raubbau werde an Wäldern betrieben. Und zwar an tropischen Regenwäldern häufig in Südamerika oder Afrika, aber auch in nordischen Wäldern in Osteuropa, insbesondere in der Ukraine, erklärt Reiner Metzger von der Stiftung Warentest. So werde in geschützten Wäldern oder in Naturschutzgebieten Holz eingeschlagen, das dann auch zu Holzkohle verarbeitet werde. Das Problem insbesondere bei Tropenholz: es ist häufig mit einem hohen Risiko verbunden, nämlich illegalem Holzschlag, Raubbau, Ausbeutung und Korruption und führt zu massiver Umweltzerstörung. Die mit Abstand größten Lieferanten von Grillkohle sind Nigeria und Paraguay. In beiden Ländern begünstigen Korruption und Armut die massenhafte Waldvernichtung.

Im Test: Fünf Säcke mit versteckten Tropenhölzern

Um herauszufinden woher die Holzkohle in Deutschland stammt, haben die Tester 17 Säcke in Supermärkten, Baumärkten, im Getränkemarkt und an der Tankstelle eingekauft und den Inhalt mit Hilfe eines Spezialmikroskops analysieren lassen. Zudem wurde ermittelt, ob die Anbieter die Herkunft und Art des Holzes angeben. Das Ergebnis zeige, so Reiner Metzger, dass Händler nach wie vor Tropenholz verkaufen, ohne das Kunden davon erfahren. Auf neun Säcken im Test waren weder Holzarten noch Herkunft angegeben – in fünf davon steckte Kohle aus dem tropischen oder subtropischen Raum. In einem Fall trug ein Produkt auch ein falsches Sigel, dass eigentlich Grillkohle als nachhaltig und aus heimischen Wäldern ausweist.

Illegale Kohle durch Gesetzeslücken

Im aktuellen Test der Stiftung Warentest gab es nur einen Anbieter, der das Land benennt, aus dem die Kohle stammt. Die Hersteller sind dazu allerdings auch nicht verpflichtet. Das Problem, so Reiner Metzger, es gebe eine Gesetzeslücke für Grillkohle. Grundsätzlich gibt es zwar eine Holzverordnung der EU, die sicherstellen soll, dass nur legales Holz in die EU gelangt. Diese gilt bislang aber nicht für Grillkohle und Briketts. Das heißt, sobald Grillkohle auf dem deutschen Markt landet, kann sie legal verkauft werden – selbst wenn sie illegal geschlagen wurde. Der schlimmste Raubbau aus dem geschütztesten Regenwald könnte so ganz legal angeboten werden, erklärt Reiner Metzger.

Siegel geben Hinweise

Probleme gebe es allerdings auch mit Grillkohle aus der Ukraine, schreibt die Stiftung Warentest. In dem Land seien Korruption und illegaler Holzeinschlag weit verbreitet und bedrohen die letzten Urwälder Europas. Knapp die Hälfte der Anbieter im Testen haben ihre Kohle zumindest teilweise aus der Ukraine bezogen. Immerhin seien viele dieser Produkte FSC-zertifiziert. Das Forest Stewardship Council (FSC-Sigel) zeichnet die Kohle als nachhaltig und aus heimischen Wäldern aus. Daneben gibt es noch das Naturland und das PEFC-Siegel. Um zu vermeiden sollte man Produkte auswählen, auf dem die Holzart und -herkunft angegeben sind, und das ein solches Sigel trägt, so der Tipp der Stiftung Warentest. Wenn nichts auf der Verpackung steht, sollte man als Verbraucher vorsichtig sein. Durchaus im Angebot ist auch Grillkohle aus Deutschland, die kann Warentester Reiner Metzger empfehlen. Es gibt auch heimische und Naturland-zertifizierte Grillkohle aus Saarbrücken.

Testergebnisse: Kriterien erfüllt

Im aktuellen Test der Stiftung Warentest hat die Flammenco Grill-Holzkohle die Kriterien am besten erfüllt. Gering ist das Raubbau-Risiko auch bei der Favorit Buchen Grillkohle und der Buchen Grillkohle von Pro-Fagus. Für beide wurde laut Anbieter Holz aus Deutschland verkohlt. Eine Besonderheit bei der Flammenco-Qualitäts-Grill-Holzkohle: Sie stammt, wie das Holz, aus Namibia. Das afrikanische Land kämpft seit langem gegen die Verbuschung – weshalb die Verarbeitung der Äste zu Grillkohle nicht nur unbe­denk­lich, sondern sogar ökologisch sinn­voll ist.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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