Onglet vom Rind mit Mangold & Püree (Foto: Barbara Grech)

Fairer Festtagsbraten

Sarah Sassou   18.12.2019 | 12:05 Uhr

Das Weihnachtsfest steht bei vielen ganz im Zeichen der Schlemmerei. Für die Festgesellschaft kommen besondere Gerichte auf den Tisch, und da darf der leckere Braten meist nicht fehlen. Aber immer wieder lassen Gammelfleischskandale und Diskussionen um artgerechte Schlachttierhaltung die Frage aufkommen: Woher bekommt man seinen fairen Festtagsbraten?

Am besten regional kaufen

Gründe, die für regionale Fleischvermarkter sprechen sind kurze Transportwege für das Schlachtvieh und damit weniger Stress und auch CO2-Ausstoß sowie die Möglichkeit, sich selbst von der vernünftigen Tierhaltung zu überzeugen. Metzgereien und Landwirte, die selbst schlachten, verkaufen Fleisch, vor Feiertagen wie Weihnachten auf Vorbestellung.

Aber das Angebot ist begrenzt; das ist ein Hinweis darauf, dass Qualität nicht unbeschränkt verfügbar sein kann. Außerdem hat das auch seinen Preis: Solches Fleisch ist oft deutlich teurer als Produkte im Supermarkt oder Discounter.

Konsumenten wollen billiges Fleisch

Bauernverbände beklagen, dass Verbraucher bei Fleisch und Wurst in Deutschland überwiegend auf einen möglichst niedrigen Preis achten. Wer nun nicht in erster Linie auf den Preis schaut und deswegen lieber auf verpacktes Fleisch verzichtet, der unterliegt einem Irrtum. Denn verpacktes Fleisch vom Discounter ist nicht automatisch schlechter als Ware von der Fleischertheke, sagen Verbraucherschützer. Im Gegensatz zu verpacktem Fleisch müssen lose Produkte hinsichtlich ihrer Herkunft nämlich gar nicht gekennzeichnet werden. Die einzige Ausnahme ist Rindfleisch.

Bei verpacktem Fleisch, vom Schwein übers Rind bis hin zu Geflügel, müssen auf einem Etikett Informationen darüber zu finden sein, in welchem Land das Tier aufgezogen und geschlachtet wurde. Es fehlen aber Informationen darüber, wie das Tier gehalten wurde; ob  es zum Beispiel genug Platz im Stall hatte und gutes Futter.  

Aufs Bio-Siegel vertrauen?

In den vergangenen Jahren haben das Bundesagrarministerium, die EU und vor allem private Initiativen verschiedene Siegel aufgelegt, die dem Verbraucher Hilfestellung beim Erkennen von Fleisch aus artgerechter Haltung geben sollen. Verbraucher können sich am deutschen und am EU-Bio-Siegel orientieren.

Grundsätzlich, so Verbraucherschützer, können Konsumenten bei Biofleischwaren, die als solche gekennzeichnet sind, davon ausgehen, dass die Tiere nur streng überwachte Futtermittel erhalten, die nicht gentechnisch verändert sein dürfen. Noch strengere Auflagen haben Erzeuger, die nach den Vorgaben von Demeter, Bioland, Biopark oder Neuform arbeiten.

Keine große Aussagekraft haben laut Verbraucherzentrale dagegen die Label von einigen Supermärkten und Discountern, die neuerdings die Haltungsform kennzeichnen oder eine Tierwohl-Kennzeichnung auf Verpackungen aufbringen. Sie gebe kaum Aufschluss darüber, ob die Tiere artgerecht mit ausreichend Platz oder gutem Futter gehalten wurden.

Fleischkauf im Ausland

Den Festtagsbraten aus Frankreich zu holen, liegt für viele Saarländer nahe, zum Beispiel Gänse oder Enten. In Frankreich ist es erlaubt Gänse zu mästen und das muss auch nicht gekennzeichnet werden. Deswegen müsse man davon ausgehen, dass eine im französischen Supermarkt gekaufte Gans nicht unbedingt artgerecht gehalten wurde.

Auch Gänse aus Osteuropa können unter schlechten Bedingungen gehalten worden sein, denn in Bulgarien dürfen Gänse auch lebendig gerupft werden. Ein Hinweis könne der Preis sein. Wer sechs Euro für ein Kilo Gänsefleisch bezahle, müsse davon ausgehen, dass es sich dabei auf keinen Fall um Biofleisch handeln kann. Wer sein Fleisch direkt aus dem Ausland bestellt, zum Beispiel übers Internet, der muss sich im Klaren darüber sein, dass er zwar vielleicht Biofleisch kauft, aber dafür durch den Transport des Fleisches die CO2-Bilanz höher ausfällt.

SR 1 Weihnachtsmenü 2014 - Hauptgang: Geschmorte Entenkeulen mit Schokolade (Foto: Marlon Wilhelm)
Geschmorte Entenkeulen mit Schokolade.

Faires Fleisch für die Festtage zu kaufen ist also keine einfache Sache. Und preiswert schon mal gar nicht. Aber da wir jeden Tag die Möglichkeit haben, Fleisch zu essen und es eigentlich schon nichts mehr Besonderes ist, könnte man sich zu Weihnachten ja mal – zumindest an einem Tag – überlegen, auf Fleisch zu verzichten und ein raffiniertes vegetarisches Gericht zu servieren. 

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle am 18.12.2019 berichtet.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja